„Gelsenkirchen will´s gleich”

Angesichts des Internationalen Frauentags am 8. März startete die Stadt Gelsenkirchen die Kampagne “Gelsenkirchen will’s gleich” als Zeichen für mehr Gleichberechtigung.
 „Gelsenkirchen will´s gleich" Angesichts des Internationalen Frauentags am 8. März startete die Stadt Gelsenkirchen die Kampagne "Gelsenkirchen will's gleich" als Zeichen für mehr Gleichberechtigung.
Teilnehmende tauschen sich zur Kampangne “Gelsenkirchen will’s gleich!” am internationalen Frauentag mit OB Karin Welge aus. FOTO: Jana Theus

Gelsenkirchen – Angesichts des Internationalen Frauentags am 8. März startete die Stadt Gelsenkirchen die Kampagne “Gelsenkirchen will’s gleich” als Zeichen für mehr Gleichberechtigung. „Frau tut, was Mann kann“, „Beruf*in“ und „Gleich wird´s besser“ sind die drei Plakatmotive der Kampagne. Über 150 Frauen und Männer sind Teil davon geworden: Sie haben jeweils ein Foto von sich selbst mit einem der drei Sprüche auf der städtischen Kampagnenseite hochgeladen. Die Sprüche sollen für mehr Gleichberechtigung in verschiedenen Berufsgruppen, der Bezahlung und der Aufteilung in Führungspositionen stehen. Frauen würden noch heute in vielen Bereichen Ungerechtigkeit erfahren.

Jeder einzelne der mehr als 150 Unterstützern verbreitete die Aktion in den sozialen Netzwerken, wo die Bilder hochgeladen wurden. Fünf von ihnen sind am internationalen Frauentag, stellvertretend für alle Teilnehmenden, ins Bildungszentrum eingeladen worden um dort gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Karin Welge ins Gespräch zu kommen 

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Teilnehmende bringen persönliche Geschichten mit

Jede der Personen bringt eine andere Geschichte, einen anderen Beruf, eine andere Herkunft und andere Erfahrungen mit. Unter anderem geben Ilham Aissaoui und Nina Cieslik der Kampagne ihr Gesicht. Sowohl die zwei Frauen als auch die anderen Teilnehmenden stehen für mehr Gleichberechtigung von Frauen in der Gesellschaft. Die zwei Damen legen vor allem Wert auf die Gleichstellung im Beruf. Noch heute würden Frauen im Schnitt 18 Prozent weniger pro Arbeitsstunde verdienen als Männer und auch berufliche Führungspositionen würden Frauen deutlich seltener belegen. Nur circa sechs Prozent aller weiblichen Erwerbstätigen seien selbstständig. Bei den Erwerbstätigen Männern sei der Prozentanteil fast doppelt so hoch. 

Diese ungleiche Gewichtung könne verschiedene Gründe haben. Häufig fange es bereits bei den kulturellen Hintergründen an. Gerade Frauen mit Migrationshintergrund hätten aufgrund von kulturellen Gegebenheiten häufig Probleme einen Beruf auszuüben, schilderte Ilham Aissaoui. Sie bietet kultursensible Beratung an und unterstützt Frauen in gewalttätigen Beziehungen. „Man merkt, wie und wenn Frauen unterdrückt werden, keine Männer kommen zu mir“, erzählt die Mutter. Es sei wichtig, Männern klar zu machen, dass auch Frauen arbeiten gehen sollten und möchten. 

Doch auch Frauen, die arbeiten gehen würden, hätten häufig Diskriminierung am Arbeitsplatz erfahren oder seien nicht so ernst genommen worden wie ihre männlichen Kollegen. So berichtet auch Nina Cieslik von ihren Erfahrungen. Die junge Frau arbeitet für die Stadt Gelsenkirchen bei Gelsendienste. In dem männerdominierten Beruf, der Straßenreinigung, würde sie häufig mit unangebrachten Kommentaren umgehen müssen. Bei Blicken würde es anfangen und bis hin zu Kommentaren von Passanten reichen: „Was macht denn die Frau da?“, sei ein Spruch, den sie sich bereits hätte anhören müssen. Doch Cieslik sei stolz auf ihren Beruf: „Am Ende des Tages weiß ich immer, was ich getan habe und kann guten Gewissens schlafen gehen.“ Jeder einzelne der fünf Teilnehmenden stehe für mehr Solidarität und Gleichberechtigung. 

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Viele Dinge müssen noch getan werden

Dagmar Eckert, Leiterin der Gleichstellungsstelle, ist der Meinung, dass jeden Tag Frauen Tag sein sollte. „Ich wünsche mir mehr Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit für das Thema. Es sollte mehr über die Ungleichbehandlung berichtet werden, gerade was die Rente angeht“ sagt sie. Bei dem Renteneinkommen falle diese Ungleichbehandlung deutlich auf. Die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern betrage 49 Prozent, in Westdeutschland seien es sogar 55 Prozent. Diese große Lücke müsse geschlossen werden, der Verdienst dürfe nicht länger vom Geschlecht abhängig sein. 

Trotz einer weiblichen Oberbürgermeisterin sei noch viel zu tun,auch in der Stadt Gelsenkirchen. Das Thema sei nach wie vor präsent und es sei wichtig, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Aktuell sind 36 Prozent der Leitenden Positionen der Stadt Gelsenkirchen mit Frauen besetzt.

Neben einem Video aller eingesandten Fotos wird ab dem 8. März bis zum 15. März in einer Ausstellung im Bildungszentrum eine Auswahl der Bilder gezeigt.

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