Gelsenkirchener Theaterpreis verliehen

Zum 23. Mal wurde am Sonntag der Gelsenkirchener Theaterpreis für herausragende Leistungen am Musiktheater im Revier verliehen – nach zwei Spielzeiten Pause. 
Zum 23. Mal wurde am Sonntag der Gelsenkirchener Theaterpreis für herausragende Leistungen am Musiktheater im Revier (MiR) verliehen – nach zwei Spielzeiten Pause.
Preisverleihung: (v. r.) Hauptpreisträger Giuliano Betta, Förderpreisträger Adam Temple-Smith, MiR-Generalintendant Michael Schulz (der stellvertretend für die abwesende Förderpreisträgerin Zsófia Geréb den Preis entgegennahm), Bernhard Lukas, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Gelsenkirchen, Jury-Vertreter Klaus Hermandung und Hauptpreisträgerin Rina Hirayama. Foto: Cornelia Fischer

 

„Ich freue mich, dass ich endlich wieder Preise überreichen kann“, sagte Bernhard Lukas, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Gelsenkirchen bei der Eröffnungsgala im Musiktheater im Revier (MiR). „Aufgrund der vielen Unterbrechungen in den Spielzeiten 19/20 und 20/21 war es einfach unmöglich, eine Auswahl von Künstlerinnen und Künstler zu treffen. Zu viele große Partien und Inszenierungen, in denen sie sich hätten beweisen können, waren durch die Corona-Beschränkungen ausgefallen. Umso schöner ist es, dass wir die lange Tradition des Gelsenkirchener Theaterpreises nach einer tollen Spielzeit 21/22 wieder fortsetzen können.“

Darüber hinaus hatte der Sparkassendirektor eine weitere gute Nachricht zu verkünden: Die Stiftung der Sparkasse Gelsenkirchen hat das Preisgeld in diesem Jahr aufgestockt – um 5.000 Euro auf eine Gesamtsumme von 15.000 Euro. „Seit über 150 Jahren gehört das Engagement für Kultur zu den guten Traditionen der Sparkasse und ihrer Stiftung. Denn jeder Euro, der in die Kulturförderung fließt, trägt zur Lebensqualität in unserer Stadt bei“, so Bernhard Lukas. 

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Urteil der Jury fällt einstimmig aus

Das Urteil der Jury fiel einstimmig aus: Die beiden Hauptpreise (jeweils 5.000 Euro) gingen an die Mezzosopranistin Rina Hirayama und Giuliano Betta, den ersten Kapellmeister des MiR. Förderpreise (jeweils 2.500 Euro) erhielten die junge Regisseurin Zsófia Geréb und der Tenor Adam Temple-Smith.

„Es sind vor allen Dingen drei Rollen, in denen uns die in Tokio geborene Mezzosopranistin Rina Hirayama in Erinnerung bleiben wird. Zu nennen sind da ihre Mitwirkung in den Werken des 20. Jahrhunderts von Karl Amadeus Hartmann und Hans Werner Henze, in der Händel-Oper ‚Giulio Cesare’ mit den virtuosen, von ihr präzise dargebotenen Koloraturen und nicht zuletzt als Desdemona in Rossinis ‚Otello‘. Das von ihr wunderbar melodisch dargebotene Lied von der Weide wird nicht nur ausgesprochenen Belcanto-Freunden noch lange in Erinnerung bleiben“, heißt es in der Jurybegründung – verlesen von Jurymitglied Klaus Hermandung. 

Jury lobt „zahllose beeindruckende Aufführungen“

Seit der Spielzeit 18/19 ist Giuliano Betta erster Kapellmeister am MiR. „Und seither hat der aus La Spezia in Italien stammende Dirigent uns hier zahllose beeindruckende Aufführungen gemeinsamen Musikerlebens beschert“, so die Jury. Und das nicht nur in Stücken der italienischen Musikliteratur, die seiner Herkunft entgegenkommen. Auch Werke von Bizet, Wagner, Janáček oder Bernstein hat er mit seinem Dirigat äußerst spannungsreich zum Klingen gebracht. Giuliano Betta ist so in kurzer Zeit ein verlässlicher Garant für vielseitige und dabei immer differenzierte Werkinterpretationen geworden. 

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Ihr großes Talent zeigte die junge aus Budapest stammende Regisseurin Zsófia Geréb bei der Kombination zweier Stücke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: „Wachsfigurenkabinett“, bestehend aus fünf Kurzopern von Karl Amadeus Hartmann und „Das Wundertheater“ von Hans Werner Henze. „In gekonnter Weise realisierte sie mit acht jungen Sängerinnen und Sängern des Opernstudio NRW modernes Musiktheater, indem sie die Geschichten der einzelnen Stücke untereinander verknüpfte und den jungen Ensemblemitgliedern so die Chance gab, jeweils deren enorme musikalische und darstellerische Flexibilität zu zeigen“, lautet das Juryurteil. 

Tenor zieht Kritik und Publikum in seinen Bann

Was verbindet den Bösewicht Jago aus dem Otello mit einem die Weihnachtsgeschichte erzählenden Evangelisten, einer Madwoman, einem spanischen Schmuggler und etwa einem scheidungswilligen Ehemann aus einer deutschen Großstadt? Auf der Theaterbühne schaffte der junge Tenor Adam Temple-Smith die Verbindung. „Mit seinem schlank geführten, in seiner Heimat England geschulten Tenor hat er Publikum und Kritik sofort in diesen so unterschiedlichen Rollen in seinen Bann gezogen“, so die Jury. Ob in einer Belcanto-Partie Rossinis, einem Bach-Oratorium, in Bizets „Carmen“, der parodistischen Hindemith-Oper „Neues vom Tage“ oder der Tenorrolle in Brittens „Curlew River“, Adam Temple-Smith überzeugte sowohl gesanglich als auch darstellerisch.

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