„Komplettes Management-Versagen“: Reaktionen auf Galeria-Kaufhof-Schließung

„Komplettes Management-Versagen“: So fallen die Reaktionen auf die Entscheidung aus, die Galeria-Kaufhof-Filiale in Gelsenkirchen zu schließen.
„Komplettes Management-Versagen“: So fallen die Reaktionen auf die Entscheidung aus, die Galeria-Kaufhof-Filiale in Gelsenkirchen zu schließen.

Die Filiale von Galeria-Kaufhof an der Bahnhofstraße in Gelsenkirchen soll im Juni dieses Jahres geschlossen werden. Foto: Photo 251540265 © Claudiodivizia | Dreamstime.com

Seit Jahren geben sich bei Galeria Karstadt Kaufhof die Krisen die Klinke in die Hand: Ende Oktober vergangenen Jahres hatte die Warenhauskette zum zweiten Mal innerhalb von nicht einmal drei Jahren Rettung in einem Schutzschirm-Insolvenzverfahren suchen müssen. Explodierende Energiepreise und die Konsumflaute in Deutschland nannte Konzernchef Miguel Müllenbach seinerzeit in einem Mitarbeiterbrief als Gründe für die Schieflage. Bereits während des ersten Corona-Lockdowns 2020 versuchte sich der Konzern zu retten, indem er rund 40 Filialen schloss und etwa 4.000 Stellen abbaute – vergebens. Nun geht der Kahlschlag weiter: 52 der noch verbliebenen 129 Warenhäuser sollen den Sparplänen zum Opfer fallen – darunter auch die Filiale an der Bahnhofstraße in Gelsenkirchen.

Der Gelsenkirchener Bundestagsabgeordnete Markus Töns (SPD) sieht in der Entscheidung das „Endergebnis eines kompletten Management-Versagens, das auch mit 680 Millionen Euro staatlicher Unterstützung nicht geheilt werden konnte“. Die Schließung von fast der Hälfte der Standorte zeige, „dass der Konzern nicht mehr über ein Konzept für die Zukunftssicherung des Modells ‚Warenhaus’ verfügt und die Entwicklung im Einzelhandel seit Jahren verschlafen hat“. „Der Konzern und insbesondere René Benko sind nun in der Pflicht, die Beschäftigten in dieser Situation sozial abzusichern“, fordert Töns. Ebenso trügen sie Verantwortung für die weitere Nutzung der Gebäude, „die, wie in Gelsenkirchen, in bester Lage eine große Bedeutung für die Entwicklung der Innenstädte“ hätten. 

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Galeria-Mitarbeiterin: „Schlag in die Magengrube“

Als einen „Schlag in die Magengrube“ beschreibt Anja Sabrowski, Mitglied des Galeria-Betriebsrates in Gelsenkirchen, bei WDR 5 den Moment, als sie von der Schließung in einer Telefon-Konferenz erfuhr. „Es sind sehr viele Tränen geflossen“, berichtet sie. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien so niedergeschlagen gewesen, dass das Kaufhaus am Montag geschlossen blieb. Die Konzernleitung habe den Betriebsrat und die Mitarbeiter vor Ort nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen.

„Das ist zweifellos heute für uns alle ein schwerer Tag“, wird Arndt Geiwitz, Generalbevollmächtigter von Galeria, in einer Pressemitteilung des Unternehmens zitiert. „Wir haben in den vergangenen Wochen intensiv um jeden einzelnen Standort gerungen und sind in harte interne wie externe Gespräche gegangen.“ Die verbleibenden 77 Filialen hätten nun eine „tragfähige wirtschaftliche Perspektive“.

Galeria Kaufhof in Gelsenkirchen soll am 30. Juni schließen

Die übrigen Filialen sollen in zwei Wellen zum 30. Juni und zum 31. Januar 2024 geschlossen werden. In Gelsenkirchen sollen bereits im Juni dieses Jahres die Lichter ausgehen. Von den Filialschließungen sind laut Galeria Kaufhof insgesamt rund 4.000 Mitarbeitende betroffen, 40 davon arbeiten in Gelsenkirchen. Auch in der Essener Zentrale von Galeria sowie den Servicefunktionen wie IT und Facility Management fielen 300 Stellen weg. Die betroffenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen würden das Angebot erhalten, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Diese soll dabei helfen, sich weiter zu qualifizieren und eine neue Stelle zu finden.

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Werner Wöll, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion in Gelsenkirchen, plädiert dafür, „den Blick nach vorne zu richten, sowohl für den Einkaufsstandort Gelsenkirchen als auch für die Beschäftigten“. Er kündigte an, die Schließung in der Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses am Dienstag zu thematisieren.

Welge: „Mitarbeiter können auf Unterstützung der Stadt zählen

Bereits am Montag kündigte Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Karin Welge an, die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern könnten auf die Unterstützung der Stadt Gelsenkirchen zählen. Für Dienstag sei ein Gespräch mit dem örtlichen Betriebsrat verabredet. Die Immobilie an der Bahnhofstraße will die Stadt umbauen und neu beleben.

André Przybyl
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