Rock am Dom: So war’s und so geht’s weiter

Drei Tage lang hat „Rock am Dom“ die Buersche Innenstadt in eine Bühne verwandelt. So war’s und so geht’s weiter.
Drei Tage lang hat „Rock am Dom“ die Buersche Innenstadt in eine Bühne verwandelt. So war’s und so geht’s weiter.
Headliner von „Rock am Dom“: die Band Frida Gold. Foto: André Przybyl

 

Es ist Samstagabend, 20 vor neun. Doch vor der Bühne im Schatten der Kirche St. Urbanus in Buer ist gerade Mittagspause: Ein Junge sitzt im Kreis anderer Kinder und lässt sich eine Pizza schmecken. „Die Chips“, ruft eine Frau und reicht einem Mädchen eine Tüte. Direkt daneben steigt die Aufregung: „Noch vier Minuten“, ruft eine Frau mit kurzen schwarzen Haaren und roter Strähne. Sie schaut auf ihre Uhr, hüpft leicht auf und ab. Dann verdunkelt sich die Bühne. Applaus brandet auf. Andreas „Andi“ Wenzel winkt ins Publikum und hängt sich die Gitarre um. Kurz nach ihm schreitet Alina Süggeler ans Klavier. „Alina, ich liebe dich“, hallt es herüber. Mit Frida Gold erreicht das Festival „Rock am Dom“ seinen Höhepunkt.

Drei Tage Musik auf zwei Bühnen bietet das Buersche Festival zu seinem zehnjährigen Jubiläum. Während vor dem Michaelshaus in Biergarten-Atmosphäre überwiegend der Nachwuchs sein Können zeigt, spielen auf der Domplatte bekanntere Bands und Solo-Künstler.

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Besucherin: „Jules Ahoi war super“

„Jules Ahoi war super“, sagt Lea Hinkel. Gerade noch hat der Sänger mit seiner Band seinen „Saltwaterfolk“ zum Besten gegeben. Auch Leas „Muddi“ Barbara zeigt sich begeistert: „Nach den Pandemie-Jahren wird es wieder Zeit, solche Feste zu feiern.“ Beide haben zunächst Fußball im „Fliegenpils“ geschaut. Nun sind Mutter und Tochter auf dem Domplatz, „um einfach Spaß zu haben“. Für Barbara Hinkel ist Buer wie ein Dorf. „Hier kennt jeder jeden“, sagt sie. Das schätzt sie an der Stadt. Tochter Lea wohnt in Gladbeck – noch. „Kommende Woche schaue ich mir eine Wohnung in Buer an.“ Sie lacht. 

Headliner von „Rock am Dom“: Frida Gold. In Buer spielt das Pop-Duo sowohl seine Hits wie „Wovon wollen wir träumen“ und „Liebe ist meine Rebellion“ als auch neue Stücke wie „Halleluja“. „Musik, der man zuhören muss“, findet eine Zuhörerin. „Ich hole mir gleich ein Autogramm von Alina“, spekuliert eine andere Frau im Publikum. „Und von Andi – der spielt super Gitarre.“

Frida-Gold-Sängerin: „Kontakt zu anderen gefehlt“

Komplimente, die Frida Gold nach entbehrungsreichen Corona-Jahren bestimmt gerne hören. „Die Bühne hat mir gar nicht so sehr gefehlt“, räumt Sängerin Alina Süggeler im Interview mit Hallo Buer ein. „Zwar macht es mir Spaß, Konzerte zu geben – aber es gibt bestimmt Künstler, die mehr darunter gelitten haben als ich.“ Den Kontakt zu anderen habe sie allerdings schon sehr vermisst. Die Pandemie gibt dem Duo Zeit zu reflektieren, „ob sich unser Leben so anfühlt, wie wir es uns mal vorgestellt haben“, sagt Sängerin Alina Süggeler im Interview mit Hallo Buer. „Wie ernst meinen wir es, wie gerne machen wir unsere Musik?“, erklärt die Sängerin. „Wir haben für uns entschieden: Ja, das ist es, was wir machen wollen.“

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Von ihrer Plattenfirma hat sich die Band getrennt. „Es hat unheimlich viel Mut gekostet, uns von diesem Überbau zu verabschieden“, berichtet sie. „Doch langfristig war es für uns der einzige Weg, um die Freude an dem, was wir machen, zu behalten.“ In der Musikbranche zähle nur der Profit. „Doch wir haben eine Botschaft für die Menschen“, sagt Alina Süggeler. „Da muss man sich entscheiden: Möchtest du mit deinem Herzen sprechen oder passgenau den Markt bedienen?“ Das Duo entscheidet sich für das Herz.

Kurzfristig neue Bühne für „Rock am Dom“ organisieren

„Anstrengend war’s“, sagt Organisator Andreas Szepan nach drei Tagen „Rock am Dom“ und acht Tagen Kulturbiergarten. „Mit den Firmen lief nicht alles so perfekt wie in den Vorjahren.“ Personalmangel und Probleme mit der Technik hätten die Planung erschwert. „Kurzfristig musste eine neue Bühne organisiert werden, die kleiner als die ursprüngliche war – das wiederum hat zu Diskussionen mit Bands geführt.“ Doch ansonsten sei „alles schön“. „Die Resonanz für den Kulturbiergarten war gut“, berichtet Szepan. „Fast alle Veranstaltungen waren ausverkauft.“ Mehr Zuschauer hätte er sich am Donnerstag und Freitag bei „Rock am Dom“ gewünscht. „Aber dafür war der Samstag rappelvoll.“

Seine persönlichen Höhepunkte? „Ich bin ein großer Fan von Jules Ahoi“, sagt er. „Das sind richtig tolle Typen.“ Auch das Zusammentreffen seiner Band Boat People mit den Gabys aus Berlin, Headliner des ersten „Rock am Dom“, sei ein schönes Erlebnis gewesen. „Aufgrund der Pandemie hatten wir uns lange nicht mehr gesehen“, berichtet er. „Nach dem Konzert saßen wir noch bis weit in den Abend zusammen – das war spaßig.“

Festival im nächsten Jahr fortsetzen

„Rock am Dom“ werde „ganz bestimmt“ im nächsten Jahr fortgesetzt. „Ob in Verbindung mit dem Kulturbiergarten, kann ich noch nicht sagen.“ In diesem Jahr hätten die Sponsoren finanziell draufgelegt und die Veranstaltung habe von dem Förderprogramm „Neustart Kultur“ profitiert. „Wir müssen mal schauen, ob wir im nächsten Jahr erneut Corona-Förderungen bekommen können“, sagt Andreas Szepan. „Vielleicht findet sich für den Kulturbiergarten ein kleineres Format – sonst schaffen wir das personell auch nicht.“ Doch ausschließen wolle er nichts.

André Przybyl
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