Auch Abwehrchef Ozan Kabak konnte die hohe Schalker Niederlage in Freiburg nicht verhindern. -Foto: Schalke 04 (Archiv)

Schalke 04 steht nach enttäuschender Saison vor Konsequenzen

Mit einer 0:4-Schlappe in Freiburg verabschiedet sich Schalke aus einer gespenstischen Saison. Bei der Fan-Demo an der Arena gegen die Chefetage sorgt die Pleite für mitleidige Reaktionen.

Als der Spuk endlich vorbei war, fasste David Wagner zusammen, was schon längst einmal ausgesprochen gehörte: „So sind wir in der Fußball-Bundesliga nicht konkurrenzfähig!“

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Wer an dieser These des Schalker Trainers bis dahin noch gezweifelt hatte, bekam in Freiburg das letzte fehlende Glied der Beweiskette geliefert: Schalke verabschiedete sich mit einer 0:4 (0:2)-Pleite beim SC Freiburg aus einer gespenstischen Saison, die für das Schlusslicht der „Geisterspiel-Tabelle“ nach einer viel versprechenden Hinrunde mit einer katastrophalen Rückrunde und 16 Liga-Spielen ohne Sieg endete.

Nur Platz zwölf erreicht

Nach passablem Start wurde Schalkes „letztes Aufgebot“ auch im Breisgau dieser Beschreibung gerecht und zwischenzeitlich in alle Einzelteile zerlegt. Besonders die Gegentore zwei, drei und vier spotteten jeder Beschreibung, was das Defensiv-Verhalten betrifft. Nach dem 0:4 war es nur der Freiburger Höflichkeit zu verdanken, dass das Resultat aus Schalker Sicht fast noch das erfreulichste Ereignis des Tages war. Schalke beendet die Saison als Tabellen-Zwölfter – nach der Hinrunde war Schalke Fünfter.

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Nicht konkurrenzfähig – auch außerhalb des Rasen-Rechtecks gibt der stolze Traditionsverein derzeit ein erschreckendes Bild ab. Während sich die S04-Fußballer wohl im letzten Spiel im Schwarzwald-Stadion (Freiburg zieht bald in eine neue Arena um) 25 Minuten lang um einen halbwegs ordentlichen Saison-Abschluss bemühten, hatten ca. 1.000 Schalke-Fans andere Prioritäten gesetzt: Rund ums Vereinsgelände am Berger Feld demonstrierten sie (friedlich) gegen die S04-Chefetage, allen voran gegen Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies. Dass sich mit Yves Eigenrauch einer der legendären „Eurofighter“ in die Menschenkette einreihte, ist ein Beleg dafür, dass die Unzufriedenheit sich nicht nur unter den „klassischen“ Kurven-Fans ausgebreitet hat. „Das Leitbild des Vereins wird nicht mehr gelebt“, fasste Demo-Organisatorin Katharina Strohmeyer den Unmut zusammen.

Steilvorlagen für Kritiker

In der Tat hat Schalke seinen Fans und Kritikern – aktuell ist das quasi eine Personalunion – zuletzt so viele Steilvorlagen für Proteste geliefert, dass der tiefe Riss zwischen Basis und Führungsebene kurzfristig kaum zu kitten scheint. Die „Ultras Gelsenkirchen“, eine einflussreiche Fan-Organisation, haben den von den S04-Vorständen Jochen Schneider und Alexander Jobst vorgeschlagenen Dialog vorerst abgelehnt – sie wollen stattdessen erst Taten sehen. Welche auch immer…

Als die Schalker Gegentore transportiert durch die Live-Ticker auf ihren Smartphones auch die Fans auf der Demo erreichten, blieben die großen Emotionen aus. Stattdessen gab es eher mitleidige Reaktionen, verbunden mit einem verlegenen Lächeln – für eine Profi-Mannschaft kann es fast keine schlimmere Reaktion geben als die, dass die eigenen Anhänger offenbar nichts anderes als die nächste Klatsche erwartet haben.

Mediengespräch kurzfristig verschoben

Es muss Konsequenzen geben, es wird auch Konsequenzen geben – welche, das wollen Jochen Schneider und David Wagner zeitnah bekannt geben. Eine für heute geplante Pressekonferenz wurde kurzfristig auf Mittwoch verschoben – nach Informationen unserer Zeitung wird Schneider heute wichtige, unaufschiebbare Transfer-Gespräche führen.

Durchgesickert ist, dass sich Schalke als Reaktion auf die vielen Verletzten von den Konditions- bzw. Athletiktrainern Bob Schoos und Klaus Luisser trennen will. Dafür soll mit Werner Leuthard ein alter Bekannter zurückkommen – der „Schleifer“ hatte auf Schalke schon unter Felix Magath gearbeitet.

Zwei Trainer müssen wohl gehen

Und sonst? Das angebliche Interesse am Freiburger Torhüter Alexander Schwolow überrascht angesichts der Schalker Finanzprobleme – Schwolow soll acht Millionen Euro Ablöse kosten, und mit Hertha BSC bietet offenbar ein von einem Groß-Investor unterstützter Verein mit.

David Wagner wird trotz der schweren Hypothek der langen Sieglos-Serie Trainer bleiben. An Rücktritt denkt er jedenfalls nicht, und Schneider hält den Trainer wohl noch für konkurrenzfähig. Damit ist Wagner derzeit fast schon ein „Exot“ bei den Königsblauen. Denn zumindest seine Mannschaft ist alles andere als konkurrenzfähig.

Norbert Neubaum, Frank Leszinski
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