Weiß auf Blau: Schalke verliert auch gegen Werder Bremen. Endstand: 0:1. -Foto: Neubaum (NBM)

Schalke: Niederlage auch gegen Bremen

Die Mannschaft von David Wagner zeigt in der ersten Hälfte eine unterirdische Leistung – und bringt damit auch Vereins-Boss Clemens Tönnies auf die Palme. Trainer-Diskussion wird kommen.

Vielleicht war es ganz gut, dass die Spieler noch unten auf dem Rasen bzw. schon wieder in der Kabine waren und ihren Klub-Chef nicht hören konnten. Kein Mund-Nasenschutz der Welt hätte verhindern können, dass über das Innenleben von Clemens Tönnies gar keine Spekulationen notwendig waren.

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Der Klub-Chef schimpfte

Denn sowohl mit Mimik und Gestik machte Schalkes Aufsichtsratschef auf dem Weg zum Arena-Parkplatz deutlich, was er von der Vorstellung der Königsblauen gegen Bremen gehalten hat – nämlich herzlich wenig. Zu hören waren Worte aus dem Negativ-Vokabular des Fußballs. „Alles ist auch Einstellungssache“, zürnte Tönnies unter anderem – seine Begleiter Huub Stevens und Olaf Thon schienen nicht unbedingt anderer Meinung als Tönnies zu sein.

Es konnte aber auch keine zwei Meinungen geben vor allem über das, was Schalke in der ersten Spielhälfte geboten hatte. Selbst seit vielen, vielen Jahren über die Königsblauen berichtenden Journalisten konnten sich kaum an eine so schwache erste Halbzeit von Schalke erinnern. Mitte des ersten Durchgangs hatte Werder Bremen über 80 Prozent Ballbesitz – als Gastmannschaft. Das muss an sich noch gar nicht so viel bedeuten, aber in diesem Fall drückte diese Zahl schon eine ganze Menge aus.

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Beton angemischt

Denn die Mannschaft von S04-Trainer David Wagner, bei der wie erwartet Alexander Nübel für Markus Schubert im Tor stand, fand im ersten Durchgang so gut wie gar nicht statt. Wagner hatte wieder „Beton“ angemischt – Kenny, Kabak, Sané, Todibo und Miranda, der für Oczikpa ins Team gekommen war, bildeten die Fünfer-Abwehrkette. Wagner macht keinen Hehl daraus, dass er in dieser Taktik derzeit offenbar die einzige Chance für seine Mannschaft sieht, Punkte einzufahren.

Das kann dann aber nur dann gelingen, wenn größere Fehler ausbleiben. Den machte dann aber Jean-Clair Todibo, der bei einem waghalsigen Dribbling den Ball verlor, was Bremen geschickt ausnutzte und Leonard Bittencourt mit einem herrlichen, unhaltbaren Linksschuss mit dem 0:1 bestrafte (32.). Schalke hatte erst in der 37. Minute durch einen Kopfball von Weston McKennie, der neben das Tor ging, so etwas wie eine Torchance.

Nach der Pause besser

Wären Zuschauer im Stadion gewesen, sie hätten die Königsblauen zur Halbzeit wohl aus der Arena gepfiffen – aber auch so muss den Schalker Profis zumindest ein wenig gedämmert haben, dass es nun an der Zeit sei, Leistung zu bringen. Nicht nur mit neuem Personal (Raman für Matondo, Oczipka für Todibo), sondern endlich auch mit erkennbarem Willen ging Schalke ans Werk.

Aber bis auf eine gute Chance durch den quirligen Raman, der in der 53. Minute an Werder-Keeper Pavlenka scheiterte, und einen Schuss übers Tor von Gregoritsch kam bei den Schalker Bemühungen nicht mehr heraus. Werder verteidigte den insgesamt verdienten Sieg clever.

Hält der Treueschwur?

Die Trainer-Diskussion auf Schalke ist nun trotz des Treueschwurs von Sportvorstand Jochen Schneider unausweichlich, sie wird kommen – auch weil Wagner sich durch seine etwas mutigere Taktik im zweiten Durchgang quasi selbst widerlegte. Denn da zeigte Schalke, dass auch die aktuelle Mannschaft sehr wohl in der Lage ist, zumindest ansatzweise den in der Hinrunde ja noch so erfolgreichen Spiel-Stil zu praktizieren.

„Die zweite Halbzeit war besser. Ich will nicht sagen, dass sie gut war, aber sie war besser“, analysierte Wagner richtig. Den Spiel-Stil von Hälfte eines verteidigte Schalkes Trainer: Es ginge darum, dass die Mannschaft angesichts der vielen Gegentore in der letzten Zeit zunächst einmal Stabilität bekommen soll.

In der Kabine war’s laut

Wie auch immer: Schalke befindet sich aktuell im freien Fall. Wagner erklärte zumindest, dass es in der Halbzeit außer den personellen Wechseln wohl auch noch einige laute Worte von ihm gegeben habe. Die waren sicherlich auch ganz im Sinne von Clemens Tönnies…

Norbert Neubaum
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