Das “Blaue Band” der Stiftung Schalker Markt geht quasi in die Verlängerung: Darüber freuen sich u. a. Bodo Menze, Olaf Thon, Dr. Peter Paziorek, Olivier Kruschinski, Spenderin Birgit Schmidt und Mike Büskens. Foto: Neubaum

Schalke und das Blaue Band der Hoffnung

Olaf Thon ist gekommen, Mike Büskens auch. Und weil sie mitten im Herzen von Schalke auch mit Nasen-Mund-Maske erkannt werden, ziehen sie natürlich auch das Interesse einiger Passanten auf sich. Sowohl die beiden „Eurofighter“ als auch der Anlass ihres Erscheinens haben dieses Interesse auch verdient.

Es ist ein grauer Nachmittag, typisch fürs Oktober-Ende, und vor der Kirche St. Joseph am Grilloplatz macht die Kurt-Schumacher-Straße ihrer Funktion als Nord-Süd-Tangente der Stadt alleine schon der Lautstärke wegen alle Ehre. Ein Krankenwagen mit aktiviertem Blaulicht und unüberhörbarer Sirene versucht verzweifelt, sich seinen Weg durch die Schlangen rund um die diversen Kreuzungen zu bahnen. Dr. Peter Paziorek, Kuratioriumsvorsitzender der Stiftung Schalker Markt, muss selbst als geübter Redner all seine Kunst aufbringen, um sich Gehör zu verschaffen.

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“Schalke-Nord braucht Unterstützung”

Es gibt etwas zu feiern auf, oder diesmal besser gesagt in Schalke: Der zweite Teilabschnitt der Licht-Kunst-Installation „Blaues Band“ steht vor der Fertigstellung, daher hat die Stiftung dazu eingeladen, bei der Montage der letzten Leuchten dabei zu sein. Und so stellen sich Thon, Büskens, Dr. Paziorek, die Stiftungs-Vorstandsmitglieder Bodo Menze und Olivier Kruschinski zusammen mit Mitarbeitern des Netzbetreibers EVNG gleich mehrmals zum Gruppenfoto auf, um den Wünschen der Fotografen gerecht zu werden. Schließlich ist das, was als Licht-Kunst-Installation „Blaues Band“ ein wenig technokratisch daher kommend, nichts anderes als das „Blaue Band der Hoffnung“ – für den Stadtteil Schalke.

„Schalke-Nord braucht dringend Unterstützung“, hatte Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski unmissverständlich erklärt, als sich die Stiftung Schalker Markt im Januar 2019 erstmals der Öffentlichkeit vorstellte. Übersetzt hieß das auch: Die Stadt alleine kann diese Unterstützung nicht leisten. Wo einst Kuzorra, Szepan und Co. den Ball in einen Kreisel verwandelten, ist in der Tat vom Ruhm vergangener Tage nicht viel übrig geblieben. Das Ambiente rund um den Schalker Markt ist – damit tritt man niemandem zu nahe – nicht besonders einladend.

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“Den Schatz müssen wir bergen”

So sah das auch Clemens Tönnies. Schalkes mittlerweile zurückgetretener Aufsichtsratsvorsitzender hatte bereits bei der Mitgliederversammlung 2017 angekündigt, die Schalker Wurzeln wieder aufpäppeln zu wollen. Was von vielen Beobachtern damals noch als Wahlkampf-Manöver ausgelegt wurde, setzte der Fleisch-Fabrikant dann tatsächlich in die Tat um. Tönnies ist Stiftungsgründer, hat dafür eine Million Euro zur Verfügung gestellt. Initialzündung für dieses Engagement war ein Besuch am Schalker Markt: „Erst war ich enttäuscht. Der Schalker Markt war für mich nur ein Parkplatz in einem schlechten Zustand. Aber spätestens, als ich auf den Schalke-Friedhof kam, wo so viele unserer großartigen Spieler ihre letzte Ruhe gefunden haben, habe ich gesagt: Wir müssen hier was tun. Diesen Schalker Schatz müssen wir bergen.“

Der Rückzug von Tönnies’ aus Schalke beeinflusst die Arbeit der Stiftung nicht. Es hat sich tatsächlich etwas getan seit Stiftungsgründung: Die Tribüne der Glückauf-Kampfbahn wurde illuminiert, die Eingangstore der Glückauf-Kampfbahn wurden quasi in der Original-Fassung nachgebaut, und das „Blaue Band“ gibt am Abend und in der Nacht im königsblauen Dunkel Orientierung, wo der FC Schalke 04 seinen Ursprung hat. Auch um die Verbindung zur Stadt Gelsenkirchen zu symbolisieren, soll es nach Möglichkeit bis zum Musiktheater verlängert werden. Dazu sind aber weitere Spendengelder nötig – die Teilhabe am „Blauen Band“ funktioniert ähnlich wie die „Tausend-Freunde-Mauer“ in der Veltins-Arena.

 

“Aufbruchstimmung ist wichtig”

Als die Schalker Offiziellen das „Blaue Band“ feiern und die Arbeit der Stiftung erklären, kommt ein Passant vorbei, der mit der ganzen Zeremonie offenbar nicht viel anfangen kann. „Für so einen Quatsch ist Kohle da? Da haben die ganzen Arbeitslosen hier nix von.“ Dass er für das „Blaue Band“ – in Gelsenkirchen vielleicht ein Reflex – zunächst mal die SPD verantwortlich macht, ist für Dr. Paziorek und Bodo Menze nur ein schwacher Trost. Sie wissen, dass die Stiftung Schalker Markt nur dann nachhaltig erfolgreich sein kann, wenn die Bürger mit eingezogen und mitgenommen werden. Daher wird es auch nicht bei „Symbolpolitik“ bleiben, es werden auch ganz konkret Maßnahmen geplant, um den Stadtteil Schalke tatsächlich wieder nach vorne zu bringen. „Aber es ist schon wichtig“, so Dr. Paziorek, „dass überhaupt erstmal eine Aufbruchstimmung erzeugt wird.“

Bodo Menze, Begründer der Schalker „Knappenschmiede“ und langjähriger Schalker „Außenminister“, wünscht sich außerdem eine enge Verbindung zwischen der Stiftung und dem FC Schalke 04: „Denn der Verein wird davon profitieren. Es ist gerade jetzt wichtig, die Schalker Wurzeln zu hegen und zu pflegen.“ Das „Blaue Band“ der Hoffnung, so das Fernziel, soll sich dann vom Musiktheater bis zur Veltins-Arena spannen. Die ersten Schritte sind gemacht.

Norbert Neubaum
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