Stühle raus

Die Gastwirte (v. r.) Kader Gül, Kerstin Schirmanski, Vincence Els, Kerstin Schirmanski, Sonja Osterfeld, Christoph Klug und Sophia Biancoli hielten eine Mahnwache auf der Domplatte. —Foto: Boris Spernol

Stühle raus in Buer

Mit 250 leeren Stühlen auf der Domplatte machen 18 Gastronomen auf ihre schwierige Lage in der Corona-Pandemie aufmerksam

Einsam stehen sie da. In Reih und Glied, verteilt übera die gesamte Domplatte. 250 leere Stühle. „Wenn man das sieht, wird einem das Ausmaß selbst erst einmal richtig klar. Es ist ein mulmiges Gefühl“, sagt Christoph Klug. Der blaue Himmel strahlt. Die Temperaturen sind sommerlich. Und an normalen Tagen, da ist sich der Buersche Gastronom sicher, wären wohl die meisten der Stühle belegt.

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„Nur ein Tropfen auf den heißen Stein“

Sind sie aber nicht, da wegen der Corona-Pandemie zurzeit im Lande alle Gaststätten geschlossen bleiben. Einige wenige Gastronomen bieten nun zumindest einen Außerhausverkauf an. „Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Klug, der Sprecher des Wirtestammtisches Buer ist.

18 Wirte aus dem Stadtnorden haben sich zusammengetan, haben am Freitagmittag für zwei Stunden ihre leeren Stühle aufgestellt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Es ist ein stiller Protest, eine Mahnwache. Passanten kommen vorbei, bleiben stehen, schauen auf die Stuhlreihen, die auf den ersten Blick wie eine große moderne Kunstinstallation wirken. Manche suchen mit den Gastwirten das kurze Gespräch – mit Abstand. Und zwei Polizisten überzeugen sich davon, dass es dabei auch bleibt, dass die Distanz gewahrt bleibt. Erfüllt von Sorge und Existenzangst erinnert die Szenerie Klug selbst „an ein Gräberfeld“.

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„Wir brauchen eine Perspektive“

„Stühle raus“ heißt die Aktion des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, um auf die leeren Gaststätten während der Corona-Krise hinzuweisen. Bereits seit dem 16. März sind alle Restaurants und Bars geschlossen, die Umsätze sind bei vielen Wirten auf null gefallen. „Wir wollen Politik und Gesellschaft für ihre schwere Lage sensibilisieren“, sagt Klug. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga dringt  auf ein eigenes Rettungspaket für die Branche, weil auch bei einer Öffnung keine normalen Umsätze möglich sein werden.

Er ist sich sicher: Auch für die Gastronomie gäbe es Möglichkeiten, unter strengen Auflagen wieder zu öffnen.  „Dass wir in diesen Jahr keine normalen Öffnungen mehr haben werden, ist uns allen klar. Aber auch wir können mit stark reduzierten Kapazitäten Abstands- und Hygieneregelnd einhalten“, sagt Klug und betont: „Wir sind verantwortungsbewusst.“ Niemand wolle sich und andere gefährden. „Wir machen bislang auch niemand einen Vorwurf. Die Situation, die wir haben, hatte wir noch nie. Aber auch wir brauchen zumindest eines Perspektive.“ Vielleicht sei ab Mitte Mai etwas möglich. Das ist seine Hoffnung.

Von Boris Spernol
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