„Urbanus Kiez“ geht in zweiten Feldversuch

Der „Urbanus Kiez“ geht in seinen zweiten Feldversuch: Vom 30. August bis 24. September bespielen vier Gastronomen die untere Hagenstraße in Buer.
Der „Urbanus Kiez“ geht in seinen zweiten Feldversuch: Vom 30. August bis 24. September bespielen vier Gastronomen die untere Hagenstraße in Buer.

Im vergangenen Oktober bespielte der „Urbanus-Herbst“ die untere Hagenstraße. Foto: André Przybyl

Außengastronomie, eine Pop-up-Bar und ein kleines Kulturprogramm – der geplante „Urbanus Kiez“ geht in seinen zweiten Feldversuch. Wie schon im vergangenen Herbst wird die untere Hagenstraßen gesperrt, um Platz für Alternativen zu den dortigen Parkplätzen zu schaffen. Nun bespielen vier Gastronomen vom 30. August bis 24. September das Areal zwischen Spielplatz und Lokal ohne Namen.

Dem Experiment vorangegangen war eine Machbarkeitsstudie mit gleichem Namen. Darin bescheinigte das Dortmunder Büro Schulten – Stadt- und Raumentwicklung (SSR) der Buerschen Innenstadt ungenutzte Potenziale: Rund um Domplatte und Hagenstraße könne mehr Gastronomie angesiedelt und so die Attraktivität gesteigert werden. Langfristig empfehlen die Gutachter, städtische Flächen umzubauen. „Bevor wir viel Geld in die Hand nehmen und in bauliche Veränderungen investieren, wollen wir zunächst erproben, ob die Menschen derlei Angebote annehmen“, erklärte Wirtschaftsdezernent Simon Nowack im vergangenen Jahr im Gespräch mit Hallo Buer.

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„Urbanus-Herbst“ mit positiver Bilanz

Mit dem „Urbanus-Herbst“ ging die erste Testphase an der unteren Hagenstraße über die Bühne. Im vergangenen Oktober stellte das Zukunftsnetz Mobilität NRW Bänke, Tisch-Garnituren, Liegen und eine kleine Bühnen auf – die sogenannten Stadt-Terrassen. Umrahmt wurde die Aktion von einem Programm mit Musik,  Diskussionen und Informationen, das der Verein Insane Urban Cowboys (IUC) auf die Beine stellte. Die Bilanz der Beteiligten fiel positiv aus – sodass nun die zweite Testphase startet.

Vom 30. August bis 24. September – Verlängerung möglich – wird das Areal erneut gesperrt. 16 Parkplätze fallen dafür weg. Christoph Klug baut vor seinem Lokal ohne Namen – besser als Fuck bekannt – einen Biergarten auf. In einem leerstehenden Ladenlokal eröffnet Yalcin Yildiz, der am Urbanus-Kirchplatz das Buerno betreibt, eine Pop-up-Bar. „Ob wir auch Speisen anbieten, hängt von der Logistik ab“, erklärt Yildiz. „Das müssen wir noch entscheiden.“

Fokus auf verlängertem Wochenende

Derweil wollen Dominic Mierlita vom Brinkmannshof in Hassel und Vincenc Els von der Oisin Kelly Gallery abwechselnd einen Bierwagen betreiben. Foodtrucks sollen das Angebot ergänzen. Die Wirte können das Areal an sieben Tagen in der Woche nutzen. Die tatsächlichen Öffnungszeiten hingen jedoch vom Wetter ab, räumt Simon Nowack ein. „Der Fokus der Veranstaltung liegt auf dem verlängerten Wochenende von Donnerstag bis Sonntag.“

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Die IUC sorgen erneut für ein kleines Kulturprogramm. „Wir stellen kein großes Stadtfest oder Festival wie Rock am Dom auf die Beine“, berichtet Roman Milenski von den IUC. „Je nach Wetterlage spielt hier spontan eine Band, Singer-Songwriter haben bei uns angefragt oder ein DJ legt auf, wie am 8. und 23. September geplant.“ Die Musik solle jedoch nur im Hintergrund stattfinden. „Wir drehen nicht voll auf“, stellt Milenski klar.

Lautstärke sorgt für hitzige Diskussionen

Das wird die Anwohner freuen, hatte es an gleicher Stelle doch schon Beschwerden und hitzige Diskussionen über die nächtliche Lautstärke insbesondere am Lokal ohne Namen gegeben. „Lärm in der Innenstadt in den Griff zu bekommen, ist schwierig“, räumt Simon Nowack ein. „Wir können keine Mauer um das Gelände errichten und eine Bepflanzung macht nur einen minimalen Unterschied aus.“

Der Wirtschaftsdezernent plädiert für gegenseitiges Verständnis von Anwohnern und Gastronomen. „Und natürlich muss sich jeder, der in die Innenstadt zieht, darüber im Klaren sein, dass es hier nicht so ruhig ist wie am Buerschen Waldbogen“, erklärt Nowack. Um über die Problematik zu sprechen, will Bezirksbürgermeister Dominic Schneider Anwohner zu einem Kaffeeklatsch einladen. Und Roman Milenski kündigt an, dass während des „Urbanus Kiez“ ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes in den Abendstunden von jeweils Donnerstag bis Sonntag für Ordnung sorge.

„Urbanus Kiez“ soll Fortsetzung finden

Im Anschluss an die zweite Testphase wolle die Stadt erneut ein Resümee ziehen, sagt Nowack. Ob und wann die untere Hagenstraße langfristig umgestaltet werde, stünde allerdings noch nicht fest. „Das wird dauern“, prognostiziert Dominic Schneider. Er geht davon aus, dass 2024 das Areal erneut für einen gewissen Zeitraum gesperrt werde. „Auch mit Blick auf die Fußball-Europameisterschaft werden wir dann aber früher im Jahr dran sein“, erklärt Schneider.

André Przybyl