Dr. Peter Bottermann und Ingo Abraham

Die Volksbank-Vorstände Dr. Peter Bottermann und Ingo Abrahams (v. l.) –Archivfoto: Spernol

Volksbank Ruhr Mitte: Fusionsverhandlungen und Negativzinsen

Die Volksbank Ruhr Mitte tritt nun in konkrete Fusionsverhandlungen ein. Im Vorjahr hat die Bank ihr Geschäftsvolumen erneut gesteigert.

Die Sondierungsgespräche mit der Volksbank Rhein-Ruhr aus Duisburg verlaufen aus Sicht der Volksbank Ruhr Mitte bislang erfolgreich. Vorstand und Aufsichtsrat der beiden Geldinstitute haben nun einen Letter of Intent (LoI) entsprechenden unterzeichnet. Er erklärt die Absicht, in konkrete Fusionsverhandlungen einzusteigen und erste Rahmenbedingungen für das Gesamthaus zu entwickeln. Besonders hervorzuheben sei hierbei ein klares Bekenntnis zur Beibehaltung der regionalen Identität, denn schon aufgrund der Größe des Geschäftsgebietes ist die Beibehaltung einer dezentral aufgestellten Bank sinnvoll, heißt es in einer Mitteilung der Volksbank Ruhr Mitte

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Neues Ruhr-Wort

Mit der Unterzeichnung des LoI sei das Ende der Sondierungsphase erfolgreich und plangemäß erreicht worden. Nun schließe sich eine Phase der Konkretisierung an, „in der die Entwicklung eines gemeinsamen Strategieprozesses und die Harmonisierung von Funktionsbereichen im Vordergrund stehen“. Die Projektarbeit dazu startet den Angaben zufolge nach den Sommerferien „unter Einbeziehung der Führungskräfte und Mitarbeiter beider Banken“.

Erfolgreiches Kreditgeschäft

Über das Ergebnis sollen die Vertreter in regionalen Veranstaltungen im ersten Quartal 2021 informiert werden, ehe dann in der Vertreterversammlung im Mai 2021 die erforderlichen Fusionsbeschlüsse herbeigeführt werden sollen. „Die bisherigen Gespräche haben uns gegenseitig darin bestätigt, dass wir die richtigen Partner zum richtigen Zeitpunkt füreinander sind und die Fusion strategisch sinnvoll ist“, sagt Dr. Peter Bottermann, der Vorstandssprecher der Volksbank Ruhr Mitte.

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Laut eigenen Angaben konnte die Volksbank Ruhr Mitte 2019 erneut ihr Geschäftsvolumen steigern. Die Bilanzsumme wuchs demnach um 6,6 Prozent auf 2.317,8 Mio. Euro. Der Bilanzgewinn liegt mit 3,1 Mio. Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Vor allem aufgrund einer verstärkten Nachfrage im Firmenkundengeschäft sei es gelungen, im Kundenkreditgeschäft „dynamisch zu wachsen“.vDie Kundenforderungen erhöhten sich um 5,8 Prozent auf 1.487,6 Mio. Euro. Darin enthalten seien Neukreditzusagen in Höhe von 311,4 Mio. Euro.

Depotwerte wuchsen deutlich um 13,6 Prozent

Im Baufinanzierungeschäft profitierten die Kunden von den anhaltend niedrigen Kapitalmarktzinsen. Die Nachfrage nach Objekten übertraf laut Marktanalyse der Volksbank das unverändert knappe Immobilienangebot. Obwohl Kapitalmarktexperten auf absehbare Zeit nicht mehr mit steigenden Zinsen rechnen, wuchsen die Kundeneinlagen der Volksbank Ruhr Mitte 2019 im Vergleich zum Vorjahr erneut deutlich: um 107,2 Mio. Euro beziehungsweise plus 6,4 Prozent.

Noch immer setzen viele Anleger bei der Geldanlage auf die klassischen Tages- und Festgeldprodukte. „Angesichts der inflationsbedingten Wertverluste bei dieser Einlagenform empfehlen wir unseren Kunden, in Aktien, Fonds und andere substanzorientierte Werte umzuschichten“, sagte Bottermann. Die Depotwerte im Wertpapiergeschäft erreichten 2019 einen Bestand von 780,8 Mio. Euro und wuchsen deutlich um 13,6 Prozent.

Negativzinsen im Neugeschäft

Wegen der anhaltenden Negativzinsen, die Banken für die Hinterlegung ihrer Gelder bei der EZB bezahlen müssen, hat sich die Volksbank Ruhr Mitte entscheid angesichts ihres stetig steigenden Einlagevolumens diese Kosten an ihre Kunden weiter zu geben. Ab dem 1. August 2020 werden für alle Neukunden bei einer Überschreitung bestimmter Freibeträge Negativzinsen weitergegeben (für Privatkunden bei Girokonten ab 25.000 Euro und Tagesgeldern ab 100.000 Euro; für Firmenkunden auf Girokonten ab 100.000 Euro und Tagesgeldern ohne Freibetrag).

Bei bestehenden Kundenverbindungen will die Volksbank „nur bei Kunden mit sehr hohen Guthaben individuell eine Vereinbarung zur Berechnung von Negativzinsen treffen“, wie es heißt. Das breite Privatkundengeschäft bleibe damit indes weiterhin ausgenommen.

Vertreterversammlung wegen Corona verschoben

Im Zinsgeschäft sanken die Margen durch die Niedrigzinsphase im Geschäftsjahr 2019 weiter. Durch das deutlich gestiegene Neukreditgeschäft konnte das Zinsergebnis dennoch nahezu auf dem Niveau des Vorjahres gehalten werden. Auch das Provisionsergebnis liegt mit 17,2 Mio. Euro auf der Höhe des Vorjahres. Die Verwaltungsaufwendungen, die sowohl die Personal- als auch Sachkosten beinhalten, haben sich trotz der EDV-Migration auf ein neues Kernbanksystem nur leicht erhöht. Der Bilanzgewinn liegt mit 3,1 Mio. Euro auf dem Niveau des Vorjahres.

Erstmals in der 136-jährigen Geschichte der Volksbank hat konnten die traditionell im Mai tagenden Vertreter aufgrund der Corona-Einschränkungen bislang nicht zusammenkommen. Deshalb hat der Aufsichtsrat stattdessen auf Basis einer gesetzlichen Ausnahmeregelung den Jahresabschluss am 25. Juni 2020 festgestellt. Auch die für Mai 2020 geplante Ausschüttung der Dividenden in Höhe von 686 TEUR musste verschoben werden, da die EZB und Bankenaufsicht allen Banken aufgrund der Corona-Krise zunächst die Auszahlung bis Oktober 2020 untersagt hat. Danach soll das Votum der Vertretersammlung eingeholt werden.

Zuwachsraten bei ihren digitalen Serviceangeboten,

In der Corona-Krise verzeichnete die Volksbank laut eigenen Angaben  erneut hohe Zuwachsraten bei ihren digitalen Serviceangeboten, beispielsweise beim kontaktlosen Bezahlen (+17 % im März 2020) oder beim Online-Banking (+5,5 % im März 2020). Das Bezahlen mit dem Smartphone, zuletzt über Apple Pay, erfreut sich ebenfalls wachsender Beliebtheit. Die Volksbank setzt auch weiterhin auf Innovationen – mit einer neuen Online-Banking-Plattform (Mitte 2021) und einer neuen VR-BankingApp (September 2020).

Die digitalen Services, wie beispielsweise das kontaktlose Bezahlen mit der Karte oder dem Smartphone, sind für die Kunden der Volksbank in fast allen Kontomodellen kostenlos. „Wir sind über jeden Kanal auch persönlich für unsere Kunden da“, sagt Vorstandsmitglied Ingo Abrahams. „Dies unterscheidet uns in der qualifizierten Kundenbetreuung deutlich von den Direktbanken. Vor allem im Immobiliengeschäft ist es unerlässlich, dass sich die Berater vor Ort auskennen und ihre Kunden bei Kauf und Verkauf einer Immobilie umfassend begleiten.“

Filialen und SB-Stellen werden modernisiert

Die Modernisierung der Niederlassung Gladbeck ist weitgehend abgeschlossen. Die Kundenbereiche in Gelsenkirchen und Herten-Mitte sowie einige SB-Center werden neu gestaltet. Das SB-Center Rotthausen zieht von der Karl-Meyer-Str. 7 in das Haus Nummer 36.

Rund 2.300 Mitglieder und Kunden aus Gelsenkirchen, Herten, Gladbeck, Wattenscheid und Marl-Polsum besuchten 2019 die von der Volksbank organisierten – insgesamt 37 – Veranstaltungen. In den Bereichen Kultur und Sport förderte die Bank nach eigenen Angaben aus eigenen Mitteln und dem Topf des Gewinnsparvereins 466 Veranstaltungen (185.500 Teilnehmer) sowie Bildungsinitiativen für Kinder und Jugendliche (10.300 Kursteilnehmer) – mit insgesamt 640 TEUR. Über die Spendenplattform förderpott.de sammelten 28 Projekte eine Spendensumme von 54 TEUR Euro.

Corona-Virus als Belastung

„In den letzten Jahren“, so Abrahams, „haben wir begonnen unseren Beitrag zum Thema Klimawandel auszubauen. Hierzu zählt die energetische Sanierung unserer Gebäude, die Begrünung der Dächer, eine neue Heizungs- und Beleuchtungstechnik, der klimaneutrale Postversand und die sukzessive Umstellung unseres Firmenfuhrparks auf Elektro- oder Hybridfahrzeuge.“ Freilich sei es bis zur Nullemission „noch ein weiter und anstrengender Weg“. Für Abraham ist unterdes wichtig, dass sich Unternehmer und Bürger gemeinsam auf den Weg machen.

„Der Ausbruch des Corona- Virus und der hierdurch bedingte Lockdown belasten die heimische Wirtschaft und die Volksbank“, sagt Bottermann. Zusammen mit Abrahams blickt er dennoch optimistisch in die Zukunft. „Wir werden unseren Beitrag dazu leisten, dass es für möglichst viele Menschen in unserer Region wirtschaftlich wieder bergauf geht. Wir waren in der Krise für unsere Kunden da und sind es auch weiterhin.“

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