Im Parkstadion wird wieder gespielt: Auf den Rängen heißt es natürlich alles auf Abstand – beim 4:5 gegen Verl hielt sich sogar die Schalker Abwehr daran… Foto: Neubaum

4:5 – Schalkes Test gegen Verl hat Nebenwirkungen

Vielleicht lag es an der langen Spieldauer (2×60 Minuten), vielleicht aber auch daran, dass sie buchstäblich genug gesehen hatten: Einige der zugelassenen 300 Zuschauer verließen das Parkstadion bei der „Wiedereröffnung“ (erstes Spiel seit dem 19. Mai 2001) am Samstagabend schon deutlich vor dem Abpfiff des Schalker Testspiels gegen den SC Verl.

Das Gefühl wird wie bei allen anderen Anwesenden ein eher mulmiges gewesen sein – obwohl das mit Testspielen ja immer so eine Sache ist. Sie müssen halt sein, sie dürfen aber nicht überbewertet werden. Aber ignoriert werden sollten sie auch nicht. Und tatsächlich lieferte die Partie des Erstligisten Schalke gegen Drittliga-Aufsteiger SC Verl bei allen Interpretations-Spielräumen einen kleinen gemeinsamen Nenner.

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Fünf Gegentore sind zuviel

Der hieß: Fünf Gegentore gegen einen Drittligisten sind auf alle Fälle zu viel!

Nach den ersten 60 Minuten lag Schalke mit 4:5 zurück, was dann auch dem Endstand des Spiels entsprach. Und weil Fußball halt doch manchmal Mathematik ist, rechnete der eine oder andere Fan auf der vom alten Parkstadion noch erhaltenen Gegengerade schnell mal hoch, was das wohl für das Bundesliga-Auftaktspiel bei den Bayern bedeuten könnte.

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Einige Fans rechneten hoch…

Solche Hochrechnungen finden natürlich ausschließlich im nicht relevanten Konjunktiv statt, und so konnte Schalkes Trainer David Wagner die lange blamable Vorstellung seiner Defensiv-Abteilung auch noch relativ gelassen herunterspielen. „Sehr wild“, sei das gewesen, vor allem aber „zu naiv“. Letztlich sei aber wichtig gewesen zu erkennen, was bei solchen Ballverlusten im Aufbauspiel passieren würde, die Verl dann ausgenutzt habe.

Natürlich, auch das betonte Wagner, sind die nackten Resultate von solchen Testspielen nebensächlich und auch Niederlagen gegen unterklassige Mannschaften in dieser Phase der Vorbereitung kein probates Mittel, um Panik zu verbreiten. Aber die Vorstellung gegen Verl zwingt Schalke dazu, notwendige Lehren zu ziehen. Denn dieser Test hatte Nebenwirkungen. Alarmstufe königsblau sozusagen. Eine Vorstufe zur Alarmstufe rot.

Zu wild, zu naiv

Als Schalke die fünf Tore kassierte, standen mit Torhüter Ralf Fährmann (der verhinderte sogar noch Schlimmeres), Benjamin Stambouli, Ozan Kabak und Bastian Oczipka immerhin vier Defensiv-Spieler auf dem Platz, die auch beim Liga-Auftakt Startelf-Kandidaten sein könnten.

Die Verler Tore waren keine Zufallsprodukte. Der Drittligist profitierte zwar von stümperhaften Schalker Ballverlusten und deutlichen Tempo-Defiziten (Oczipka!), spielte das dann aber auch clever aus – zu clever für den Bundesligisten.

Notwendige Lehren ziehen

Dass die Schalker Beine schwer waren, wie Amine Harit (der einen Elfmeter verschloss) hinterher erklärte, ist also kein durchschlagendes Argument, zumal ja auch Verl in der Vorbereitung steckt. Auch mit schweren Beinen muss ein Erstligist sich gegen einen Drittligisten geschickter verhalten. Und wer weiß, wie das Spiel ausgegangen wäre, hätte der SC Verl Patrick Schikowski nach dessen Dreier-Pack nicht ausgewechselt…

Nur durch lautes Schreien gewinnt man keine Spiele. Aber wie schon in den „Geisterspielen“ der Rückrunde wirkte Schalke seltsam leise, zu wenig dominant angesichts der zwei Spielklassen Unterschied. Ein paar Stambouli-Kommandos, Anweisungen von Fährmann, hin und wieder laute Zwischenrufe von Wagner – das war‘s. Schalke wird sich daran erinnern müssen, dass die Eigenmotivation bei Spielen ohne Zuschauer eine ganz große Bedeutung hat.

Keine vertrauensbildende Maßnahme

Mit welchem Wichtigkeits-Grad der Test gegen Verl auch ausgestattet wird: Eine vertrauensbildende Maßnahme war er nach dem geglückten Auftakt gegen Osnabrück (5:1) nicht. Solange sich Schalkes Defensive so verhält, als könnte sie sich an dem Corona-Kalauer („Vorbildlich: Schalkes Abwehr hält Abstand“) gar nicht satthören, fällt Positives wie die gute Frühform von Steven Skrzybski (zwei Tore gegen Verl) fast unter den Tisch.

Außer Skrzybski gab es noch zwei „Gewinner“, weil sie an der Pleite nicht beteiligt waren: Sebastian Rudy und Markus Schubert. Rudy hatte sich beim Aufwärmen verletzt, während im S04-Tor nach 60 Minuten Michael Langer stand – Schubert war erkältet. Ralf Fährmann hatte da schon fünf Tore kassiert. Er war eher verschnupft…

Norbert Neubaum
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