Die „Große Raumplastik Gelsenkirchen“ des Düsseldorfer Künstlers Norbert Kricke –Foto: Gerd Kemper

Die „Große Raumplastik Gelsenkirchen“ des Düsseldorfer Künstlers Norbert Kricke. –Foto: Gerd Kemper

Berühmte Kricke-Plastik kehrt zurück

Zwei Kunstwerke sollen den Umbau der Ebertstraße abrunden: Zwischen Musiktheater im Revier und Hans-Sachs-Haus haben die „Große Raumplastik Gelsenkirchen“ des Düsseldorfer Künstlers Norbert Kricke und die mobile Außenplastik „Ohne Namen“ von George Rickey wieder einen Platz gefunden.

Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski und Gabriele Willems, Geschäftsführerin des Bau- und Liegenschaftsbetriebs des Landes NRW (BLB NRW), enthüllten am Mittwochmorgen, 14. Juli, symbolisch die Kricke-Plastik im Beisein von Dr. Sabine Kricke-Güse, der Tochter des 1984 verstorbenen Künstlers an ihrem neuen Standort. Die Plastik steht nun prominent vor dem Bildungszentrum statt wie zuvor mehr als ein halbes Jahrhundert ein wenig versteckt an der Seite des Versorgungsamtes Vattmannstraße.

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„Wir freuen uns sehr, dass das Werk von Norbert Kricke wieder in Gelsenkirchen zu sehen ist. Und am neuen Standort hier an der Ebertstraße direkt vor unserem Bildungszentrum und in Sichtweite des Musiktheaters kommt es sogar noch besser zur Wirkung als zuvor und wird diesen Platz vor dem Bildungszentrum eine besondere Qualität  verleihen, schließlich ist mit dem großen Relief an der Fassade des kleinen Hauses des Musiktheaters im Revier ein zweiter Kricke seit Jahrzehnten stadtbildprägend in Gelsenkirchen “, erklärte OB Baranowski

Nach den Vandalismusschäden wieder zu sehen

Über ein halbes Jahrhundert stand die „Große Raumplastik Gelsenkirchen“ in einem Wasserbecken vor dem damaligen Versorgungsamt an der Vattmannstraße 2. Sie war 1962 im Zusammenhang mit dem Neubau des Versorgungsamtes aus dem Kunst-und-Bau-Programm des Landes NRW angekauft und auf städtischem Grund aufgestellt worden. Als das Kunstwerk 2014 in einem Akt von Vandalismus verbogen und umgeknickt wurde, ließ es die Stadt demontieren und einlagern. Damit das Kunstwerk zukünftig besser vor Vandalismus geschützt ist, wurde es jetzt auf einem höheren Sockel installiert.

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Auch Willems freut sich, dass die Plastik erfolgreich restauriert und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden konnte. „Damit kommt die Geschichte des Kunstwerks zu einem guten Ende“, sagte sie. Sie sei „durchaus stolz darauf“, dass das Land Nordrhein-Westfalen seiner „Verantwortung gerecht geworden“ sei und seinen Teil dazu beigetragen habe, die Große Raumplastik zu retten. Dass die Kricke-Plastik nach den Vandalismusschäden wieder in Gelsenkirchen zu sehen ist, ist einer Sonderlösung zwischen dem Land NRW und der Stadt Gelsenkirchen zu verdanken. In einem Leihvertrag zwischen dem BLB NRW als Eigentümer und der Stadt als Leihnehmerin ist geregelt, dass der BLB NRW die Kosten der Restaurierung trägt und die Stadt im Gegenzug die Aufstellung und den Erhalt des Kunstwerks verantwortet. Restauriert hat die „Große Raumplastik Gelsenkirchen“ Martin Kaufmann aus Duisburg, der sich auf den Erhalt von Technischem Kulturgut und Metall spezialisiert hat.

Assoziation des Flügelschlags eines Vogels

Die „Große Raumplastik Gelsenkirchen“ des Düsseldorfer Bildhauers Nobert Kricke (1922-1984) ist etwa drei Meter mal vier Meter mal 4 Meter groß. Sie besteht aus Bündeln dünner Edelstahlstäbe und Flächen, die um eine immaterielle Mittelachse diagonal aufstrebend in den Raum greifen. Leicht und zart in ihrer Erscheinung löst sie die Assoziation des Flügelschlags eines Vogels aus. Die Plastik ist einer Gruppe von Werken zuzurechnen, die Kricke ab Mitte der 1950er-Jahre entwickelte.

Wenige Stunden nach der Enthüllung der Kricke-Plastik wurde zudem das Werk des amerikanischen Künstlers George Rickey wieder aufgestellt. Nach dem Umbau der Ebertstraße ist auch diese Arbeit gut sichtbar platziert. Die zwei, auf einer fünf Meter hohen Steele angebrachten Platten der Rickey-Plastik, sind beweglich. Der Wind lässt sie gegen und miteinander drehen. Sie können sich schneller oder langsamer bewegen und entwickeln so ein Spiel mit Bewegung und Form. Eine der wichtigsten Sammlungen dieser kinetischen Kunstrichtung ist im Kunstmuseum Gelsenkirchen zu sehen.

Ständige Veränderung

Rickeys kinetische Plastik entfaltet ihren besonderen Reiz, sobald der Betrachter sich und ihr ein wenig Zeit lässt. Erst im Verharren vor dem Objekt lassen sich die langsamen Bewegungen der beiden quadratischen Stahlplatten, die oben an einer ca. fünf Meter hohen Stange nebeneinander befestigt sind, gut verfolgen. Stange und Platten sind drehbar gelagert, sodass sich die Plastik vom Wind in Bewegung versetzen lässt. Ein leichter Luftzug reicht bereits aus, um die Stahlteile bedächtig auspendeln zu lassen. Dabei verlaufen die Bewegungsabfolgen der beiden „Fahnen“ jedoch nicht synchron, sondern jeweils versetzt. So kann eine Stahlplatte der Bewegung der anderen wie ein Echo folgen oder aber eine andere Richtung einschlagen.

Die Konstruktion unterliegt insgesamt einer ständigen Veränderung und das nicht nur aufgrund der divergierenden Bewegungsabläufe, sondern auch wegen der wechselnden Schattierung der polierten Stahlflächen, die die Lichtverhältnisse reflektieren. Durch die Art der Montage sind die Variationsmöglichkeiten der Bewegungsabläufe begrenzt. Zusammen mit der reduzierten Formgestaltung finden sich in dieser Plastik Faktoren wie Einfachheit und Langsamkeit, die pointiert die Bewegung als solche in den Vordergrund stellen. Somit zeigt sich hier ein Beispiel kinetischer Kunst – eine Kunstform, die insbesondere in den 1960er-Jahren populär wurde.

CDU fordert noch mehr Kunstwerke

„Das ist der gut sichtbare Abschluss, ja die sehr passende künstlerische Krönung des Umbaus der Ebertstraße und der City vom Heinrich-König-Platz bis zum Musiktheater“, sagte Frank Baranowski. Damit ende das ehrgeizige und erfolgreiche Projekt des Stadtumbaus in der City. „Was wir hier in den vergangenen Jahren gemeinsam geschaffen haben, kann sich nicht nur sehen lassen, sondern ist eine große Steigerung der Aufenthaltsqualität und urbanen Architektur in der Gelsenkirchener Innenstadt“, so der OB.

Auch Annelie Hensel, die Sprecherin der CDU-Fraktion im Kulturausschuss, zeigte sich erfreut, „dass die Plastiken wieder einen Platz im öffentlichen Raum finden“. Ihre Partei setze sich unterdessen dafür ein, „noch mehr Kunst in den öffentlichen Raum zu integrieren“ und damit Kultur im Alltag erlebbarer zu machen. „Ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass  es auch möglich sein könnte auf dem Vorplatz des Hans-Sachs-Hauses und auf dem Alfred-Fischer-Platz weitere Kunstobjekte aufzustellen“, sagte sie.

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