Buer: Erst mit 13 Jahren schulreif

Erst mit 13 Jahren schulreif ist ein Zögling aus Buer – allerdings kein Kind, sondern eine Kastanie. Die Geschichte dahinter.
Erst mit 13 Jahren schulreif ist ein Zögling aus Buer - allerdings kein Kind, sondern eine Kastanie. Die Geschichte dahinter.
Hoffen, dass sich die Kastanie gut entwickelt: (v. l.) Christoph Klug, Anne Edelhoff und ihr Lebensgefährte Peter Waldt, Dominic Schneider sowie Matthias Holzmann. Foto: André Przybyl

 

„Bis vor 13 Jahren stand dort hinten eine alte Rosskastanie“, sagt Anne Edelhoff. Sie deutet über die Buersche Domplattte gen De-la-Chevallerie-Straße. „Dort, wo sich noch heute die Bushaltestelle befindet.“ Riesig sei der Baum gewesen, mit einem Stammdurchmesser von vier Metern. „Er war ein Naturdenkmal und stand unter Schutz“, fährt die Bueranerin fort. „Die Stadt hatte mir am Telefon versichert, dass die Kastanie nicht gefällt wird.“ Doch damals wird der Kirchplatz umgestaltet – und der Baum muss weichen.

Warum die Kastanie seinerzeit gefällt wird, kann Matthias Holzmann, Abteilungsleitung Grün und Wald bei Gelsendienste, nicht sagen. Noch nicht lange genug sei er bei dem städtischen Betrieb angestellt, als darüber Auskunft geben zu können. Doch wenn solch ein Gewächs krank sei, aus Gründen der Verkehrssicherheit oder im Zuge einer Baumaßnahme, könne ein solcher Schritt notwendig sein. „Pauschal kann man nicht sagen, wann ein Baum gefällt wird“, erklärt er. „Das ist immer eine Einzelfallentscheidung.“ Fällt ein Baum, sorge die Stadt für Ausgleich.

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Zufall sorgt für „zweite Chance“

Der Zufall gibt der Pflanze nun eine „zweite Chance“: „Auf dem Weg nach Hause ist mir damals eine Kastanie vor die Füße gerollt“, erinnert sich Anne Edelhoff. Sie nimmt die rotbraune Frucht mit und pflanzt sie in den Kräuterkasten auf ihrem Balkon. „Dann habe ich sie ganz vergessen – bis im Frühjahr zwischen Petersilie und Salbei plötzlich ein Zögling aus der Erde kam.“ Sie entschließt sich, ihn großzuziehen. „Einmal ist die Kastanie heruntergefallen“, berichtet die Bueranerin. „Sie hat den Sturz überlebt – solch ein Lebenswille muss doch belohnt werden.“

Nun, 13 Jahre später, ist die Kastanie knapp über einen Meter groß und hat einen Durchmesser von rund acht Zentimetern. „Für den Balkon ist sie jetzt ungeeignet“, meint Edelhoff. Sie sucht zunächst vergebens nach „Baumpaten“, die sich um den Zögling kümmern wollen. „Dann habe ich zufällig Christoph Klug getroffen.“ Der Buersche Gastronom und FDP-Ratsherr nimmt sich gemeinsam mit Bezirksbürgermeister Dominic Schneider (SPD) der Angelegenheit an.

Kastanie geht jetzt endlich in die Schule

„Wir haben mit Gelsendienste gesprochen“, sagt Klug. „Die Kastanie geht jetzt endlich in die Schule – in die Baumschule.“ Er lacht. Auf einem Gelände an der Resserstraße wird der Baum eingepflanzt, bis er groß genug ist, um einen Platz in „freier Wildbahn“ zu erhalten. „Das kann noch Jahre dauern“, erklärt Matthias Holzmann. „Er muss kräftig genug sein, damit er nicht einfach abgeknickt oder umgefahren werden kann.“ Wenn es soweit ist, soll er einen Platz in Buer bekommen. „Dafür werden wir uns einsetzen“, verspricht Christoph Klug. Er blickt zu Dominic Schneider. Der nickt.

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„Ein bisschen traurig bin ich schon, die Kastanie abzugeben“, räumt Anne Edelhoff ein. „Doch die Freude überwiegt – denn jetzt hat der Baum eine Zukunft.“

André Przybyl
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