Corona: Weiterhin Distanzunterricht

Ab dem kommenden Montag, 19. April, ist an den Schulen in NRW grundsätzlich wieder Wechselunterricht möglich. Doch viele Schulen müssen vorerst beim Distanzunterricht bleiben.
Ab dem kommenden Montag, 19. April, ist an den Schulen in NRW grundsätzlich wieder Wechselunterricht möglich. Doch viele Schulen müssen vorerst beim Distanzunterricht bleiben.
Auch der Schulhof des Leibniz-Gymnasiums bleibt in der kommenden Woche leer.

Ab dem kommenden Montag, 19. April, ist an den Schulen in NRW grundsätzlich wieder Wechselunterricht möglich. Doch viele Schulen müssen vorerst beim Distanzunterricht bleiben. Liegt die örtliche Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen oberhalb des Wertes von 200, ist Wechselunterricht nicht möglich. Ausnahmen gelten nur für Schülerinnen und Schüler von Abschlussklassen. Das hat das NRW Schulministerium im Grundsatz nach Informationen von Hallo Buer am Freitag, 16. April, entschieden. Davon sind derzeit 13 Kommunen in Nordhrein-Westfalen

Welge über Landesregierung verärgert

Darunter fällt auch Gelsenkirchen. In der Stadt lag der Inzidenzwert am Freitag bei und damit am dritten Tag in Folge über 200. Zunächst hatte das Land NRW mittgeteilt, die einzelnen Kommunen müssten eine Entscheidung über den Distanzunterricht fällen. 13 von 53 Städten und Kreisen in NRW lagen am Freitag schon oberhalb der 200er-Marke – an der Spitze Remscheid als einzige Kommunen sogar schon über 300 (336,8). Die weitere Kommunen sind Duisburg, Hagen, Krefeld, Märkischer Kris, Mülheim an der Ruhr, Oberbergischer Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis, Siegen-Wittgenstein, Solingen, Unna und Wuppertal. Nur noch zwei Kommunen liegen unter der 100er-Schwelle, die schon eine Alarm-Marke für erweiterte Schutzvorkehrungen ist: der Kreis Coesfeld (87,9) und die Stadt Bottrop (79,1) mit der zurzeit entspanntesten Corona-Lage.

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Oberbürgermeisterin Karin Welge erklärte, dass diese Regelung auch „mindestens für die nächsten Tage“ nach dem kommenden Montag gelten werde. Welge zeigte sich darüber hinaus verärgert über die Kurzfristigkeit dieser Maßnahme, für Eltern sei die Planung schwierig. Es sei aber aufgrund der hohen Inzidenzwerte der richtige und nötige Schritt, beim Distanzunterricht zu bleiben. Die Kontakte müssten heruntergefahren werden.

Das konkrete Verfahren – auch für Kreise und kreisfreie Städte, die künftig die Grenze einer 7-Tages-Inzidenz von 200 überschreiten – wird laut Landesregierung durch eine Ergänzung der Coronabetreuungsverordnung geregelt: Überschreitet ein Kreis oder eine kreisfreie Stadt künftig die Grenze einer 7-Tages-Inzidenz von 200 an drei aufeinanderfolgenden Tagen, stellt das Gesundheitsministerium dies durch eine Allgemeinverfügung fest und bestimmt darin den Tag, ab dem Distanzunterricht stattfindet. Dies ist im Regelfall ab dem zweiten Tag nach Feststellung der Fall. Die Feststellung wird öffentlich bekanntgemacht.

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Rudowitz kritisiert „Hin und Her der Landespolitik“

Bürgermeisterin Martina Rudowitz, Vorsitzende des Ausschusses für Bildung (SPD), begrüßte die Entscheidung, vorerst nicht zum Wechselunterricht zurückzukehren und stattdessen weiterhin auf Distanz zu unterrichten. Außerdem setzt sie „mit Blick auf das Hin und Her der Landespolitik“ auf eine bundeseinheitliche Lösung, „nämlich die Änderung des Infektionsschutzgesetzes, die zurzeit im Bundestag beraten wird“.

„Alles andere“, so der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Ulrich Jacob, „wäre ein zu großes Risiko für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und letztlich auch deren Familien und Kontaktpersonen. Bedauerlich ist nur, dass alle Beteiligten wieder einmal bis Freitagnachmittag auf eine Entscheidung der Landesregierung warten mussten.“ Die Verkündung des Wechselunterrichtes noch vor wenigen Tagen durch Schulministerin Gebauer habe zusätzlich für große Verunsicherung gesorgt, „zumal die Entwicklung der Zahlen ja mehr als absehbar war. Es ist leider nicht das erste Mal, dass der Wankelmut von Frau Gebauer auf dem Rücken der Schulen und vor allem der Eltern ausgetragen wird.“

„Chaos statt Klarheit“

„Wenn bundeseinheitlich klar geregelt ist, dass ab einer Inzidenz von 200, drei Tage hintereinander, die Schulen in den Distanzunterricht gehen müssen, dann hängen Eltern, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Kommunen nicht mehr von der fragwürdigen Kompetenz des Krisenmanagements auf Landesebene ab“, so Rudowitz. Für die Schule und Eltern seien Verlässlichkeit und Klarheit nötig. „Das Einzige, worauf man sich bei Frau Gebauer bisher verlassen konnte, war, dass ihre Entscheidungen eine immer kürzere Gültigkeit hatten. Damit schafft man Chaos statt Klarheit“, so Rudowitz.

Die Kritik der Gelsenkirchener Grünen, die Stadt und das Gesundheitsamt hätten abgewartet und nicht schon längst auf eigene Faust gehandelt, weisen die beiden SPD-Bildungspolitiker zurück. „Der richtige Adressat für die Kritik der Grünen wäre das Land und nicht die Stadt“, betonte Jacob. Die Landesregierung habe stets deutlich gemacht, dass ein Alleingang der Stadt Gelsenkirchen nicht genehmigt würde. Vielmehr habe sich das Land die Entscheidungshoheit ausdrücklich vorbehalten und auf die hohen Hürden für eine städtische Allgemeinverfügung gepocht.

„Chaos statt Klarheit“ in Schulpolitik

Die SPD zeigte sich dankbar, dass die Stadtspitze gegenüber der Landesregierung „sachorientiert und beharrlich aufgetreten“ sei. Dieses nachhaltige Drängen aller Bildungsdezernenten aus dem Ruhrgebiet auf eine Lösung für Städte, deren Inzidenzwert über 200 liegt, hat nun offenbar Früchte getragen. „Zumindest das Sozial- und Gesundheitsministerium von Herrn Laumann konnte sich der Realität nicht mehr verweigern und hat dem Schulministerium, das seine Hausaufgaben wieder einmal nicht erledigt hatte, jetzt die notwendige Nachhilfe erteil“, sagte Rudowitz.

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