Regierungspräsidentin Dorothee Feller hat die jüdische Gemeinde Gelsenkirchen besucht. Thema war unter anderem die antisemitische Demonstration vom 12. Mai.
Regierungspräsidentin Dorothee Feller (r.) und Judith Neuwald-Tasbach. Foto: Bezirksregierung Münster

Gelsenkirchen: Regierungspräsidentin besucht jüdische Gemeinde

Regierungspräsidentin Dorothee Feller hat die jüdische Gemeinde Gelsenkirchen besucht. Thema war unter anderem die antisemitische Demonstration vom 12. Mai.

Bei ihrem Besuch ließ sich die Regierungspräsidentin schildern, welche Spuren die antisemitische Demonstration vom 12. Mai dieses Jahres in der Gemeinde hinterlassen hat. Mitglieder und Mitarbeiterinnen sowie Mitarbeiter der Gemeinde berichteten von großer Verunsicherung, aber auch von großer Solidarität. Seit der Demonstration wird das Gemeindezentrum mit der Synagoge rund um die Uhr von der Polizei bewacht. „Wir erleben, dass Mitglieder der Gemeinde aus Angst öffentlich nicht mehr als Jüdinnen und Juden wahrgenommen werden wollen und sich fragen, ob sie noch sicher sind“, erklärte die Gemeindevorsitzende Judith Neuwald-Tasbach.

Feller: Antisemitismus Bedrohung für ganze Gesellschaft

Dorothee Feller betonte, Antisemitismus richte sich keineswegs nur gegen Jüdinnen und Juden, sondern sei eine Bedrohung für die ganze Gesellschaft. „Sie gehören zu uns, wir sind hier gemeinsam zuhause. Wir wollen, dass Sie hier sicher und gerne leben. Die jüdischen Gemeinden leisten einen wichtigen Beitrag für das gesellschaftliche Leben“, betonte die Regierungspräsidentin. 

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Bei der Demonstration im Mai unmittelbar vor der Synagoge hatten rund 180 Menschen in Sprechchören Hass-Parolen wie „Scheiß Juden” gebrüllt und dazu palästinensische sowie türkische Fahnen geschwenkt. Videos von dem Vorfall hatten damals bundesweit für Empörung gesorgt. Aus den Aufnahmen konnten 16 Tatverdächtige ermittelt werden.

Jüdische Gemeinde feiert 151. Geburtstag

Die jüdische Gemeinde Gelsenkirchen feierte erst vor wenig Wochen ihren 151. Geburtstag: Elf jüdische Männer vereinbarten am 28. August 1870 die Gründung einer eigenen „Synagoge“ in Gelsenkirchen. Bis dahin hatten die Gelsenkirchener Jüdinnen und Juden zur Synagogen-Gemeinde Wattenscheid gehört. 1885 weihte die Gemeinde ihre Synagoge an der Neustraße (heute: Gildenstraße), die 1938 in den Novemberpogromen von den Nazis zerstört wurde. 2007 konnte die heute rund 400 Mitglieder zählende Gemeinde ihr neues Gotteshaus an der Georgstraße einweihen.

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Zurzeit feiern Jüdinnen und Juden weltweit das Sukkot-Fest, auch Laubhüttenfest genannt. Während der diesjährigen Feierlichkeiten lud die Gelsenkirchener Gemeinde im Rahmen der bundesweiten Aktion „Sukkot XXL“ auch Nicht-Jüdinnen und -Juden ein, gemeinsam in der im Innenhof des Gemeindezentrums errichteten „Sukka“ (Laubhütte) zu feiern. Die Anwesenden konnten dabei jüdische Bräuche, Traditionen und Symbole kennenlernen. Sukkot ist das jüdische Erntefest und dauert sieben Tage. Der jüdischen Überlieferung nach wurde der Tempel König Salomons während des Sukkot eingeweiht.

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