Gespräche zur Zukunft der Kaue

Die Stadt Gelsenkirchen befindet sich derzeit nach eigenen Angaben in intensiven Gesprächen mit den Stadtwerken über den Erhalt des Veranstaltungsortes Kaue an der Wilhelminenstraße.
Die Stadt Gelsenkirchen befindet sich derzeit nach eigenen Angaben „in intensiven Gesprächen mit der Stadtwerke Gelsenkirchen GmbH“ über die Zukunft des Veranstaltungsorts Kaue an der Wilhelminenstraße. „Natürlich sehen wir die wirtschaftlichen Zwänge der Stadtwerke und am Ende ist niemandem geholfen, wenn eine städtische Gesellschaft durch den Betrieb einer solchen Einrichtung noch weiter in Schieflage gerät“, betonte Oberbürgermeisterin Karin Welge. „Aber wir sehen auch, dass die Kaue in und weit über Gelsenkirchen hinaus ein wichtiger Kulturort und ein Markenzeichen ist.“ Der Kulturorts habe in den vielen Jahren „entscheidend zum vielfältigen und reichen kulturellen Leben in Gelsenkirchen beigetragen. Mir ist sehr dran gelegen, diese Vielfalt zu erhalten.“
Die Kaue –Foto: Stadtwerke

 

Die Stadt Gelsenkirchen befindet sich derzeit nach eigenen Angaben „in intensiven Gesprächen mit der Stadtwerke Gelsenkirchen GmbH“ über die Zukunft des Veranstaltungsorts Kaue an der Wilhelminenstraße. „Natürlich sehen wir die wirtschaftlichen Zwänge der Stadtwerke und am Ende ist niemandem geholfen, wenn eine städtische Gesellschaft durch den Betrieb einer solchen Einrichtung noch weiter in Schieflage gerät“, betonte Oberbürgermeisterin Karin Welge. „Aber wir sehen auch, dass die Kaue in und weit über Gelsenkirchen hinaus ein wichtiger Kulturort und ein Markenzeichen ist.“ Der Kulturorts habe in den vielen Jahren „entscheidend zum vielfältigen und reichen kulturellen Leben in Gelsenkirchen beigetragen. Mir ist sehr dran gelegen, diese Vielfalt zu erhalten.“

Stadtwerke haben Vertrag für Kaue bereits im Dezember gekündigt

Derzeit wird laut Welge geprüft, in welcher Form ein Erhalt der Kaue auch unter Vermittlung der städtischen Kulturverwaltung möglich wäre. Noch seien die Prüfungen nicht abgeschlossen. Oberbürgermeisterin Karin Welge hat in dieser Woche Stadtwerke-Geschäftsführer Harald Förster zu einem Gespräch eingeladen. „Ich erwarte, dass wir mit gutem Willen aller Beteiligten zu einer konstruktiven Lösung kommen können“, sagte Karin Welge. Die Stadtwerke Gelsenkirchen GmbH (SG) hatte den Mietvertrag der Veranstaltungsstätte bereits im Dezember 2020 zum 30. Juni 2021 gekündigt. Seit 2004 führt die Stadtwerke-Tochter, emschertainment GmbH, jährlich ca. 70 Kulturveranstaltungen in den historischen Gebäuden der Zeche Wilhelmine Victoria durch.

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Ende 2021 plant die emschertainment gemeinsam mit der Stadt Gelsenkirchen, die aufwendig restaurierte Heilig-Kreuz-Kirche auf der Bochumer Straße im Stadtteil Ückendorf als neue Veranstaltungsstätte zu eröffnen. Die historische Kirche würde das Repertoire der emschertainment somit neben Kaue, Emscher-Lippe-Halle und Hans-Sachs-Haus um einen vierten Veranstaltungsort erweitern. Da dies eine Aufstockung der personellen Ressourcen und eine erhebliche Ausweitung des Geschäftsbetriebs sowie zusätzliche finanzielle Belastungen für die Tochtergesellschaft bedeute, habe die SG sich zur Kündigung des Veranstaltungs­ortes Kaue entschieden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Die Entscheidung hatte der Ende März ausgeschieden SG-Geschäftsführer Ulrich Köllmann dem Vernehmen nach gegen den erklärten Willen sowohl des Aufsichtsrates als auch der Stadt getroffen.

Förster: Finanziell tragfähige Lösung finden

„Seit meinem Amtsantritt als Geschäftsführer der Stadtwerke Gelsenkirchen am 1. April arbeiten wir gemeinsam mit der Stadtverwaltung und der emschertainment an einer für alle Seiten akzeptablen Lösung, diese muss jedoch auch finanziell tragbar sein“, erklärte Stadtwerke-Geschäftsführer Harald Förster. „Angesichts der anstehenden Eröffnung von Heilig-Kreuz kann keinesfalls von einer Verringerung des kulturellen Angebotes die Rede sein, die Stadtwerke können nur keine weitere Ausweitung des Veranstaltungsbereiches finanzieren.“ Der interne Abstimmungsprozess mit der Stadt Gelsenkirchen läuft derzeit. Daher sei  zum jetzigen Zeitpunkt „eine finale Entscheidung noch offen“. Offenbar ist auch neue Bewegung in die Gespräche mit der Immobilien- Eigentümerin Vewo gekommen.

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Bis in die späten 1970er-Jahre war die Kaue Teil der Zeche Wilhelmine Victoria im Stadtteil Schalke. Dann wurde die Zeche geschlossen und drohte zu verfallen. Ab 1989 wurde sie jedoch zu einem modernen Veranstaltungsort umgebaut und 1992 wiedereröffnet. Seither haben bereits viele renommierte Künstler in der überregional bekannten Gelsenkirchener Institution das Publikum begeistert. Heute gilt die Kaue mit 305 Sitz- oder 450 Stehplätzen ein lebendiger Ort der Industriekultur des Ruhrgebiets.

Gelsenkirchener Grüne zeigen sich irritiert

Mit Irritation nahmen die Grünen Gelsenkirchen den Vorgang um die Kaue zur Kenntnis. Die Kündigungsabsicht sei nicht öffentlich in den politischen Gremien diskutiert worden. Sie stellte sich den Grünen nach eigenen Worten bisher nur als ein mögliches Szenario dar, sobald der Spielbetrieb der Heilig-Kreuz-Kirche aufgenommen werde. „Dass die Kündigung alternativlos und beschlossene Sache ist, zumal in dieser Zeitperspektive, war uns nicht bewusst“, sagte Stadtverordneter Dennis Hoffmann, der die Grünen im Aufsichtsrat der Stadtwerke vertritt. Mit offenen Karten zu spielen sehe anders aus.

„Es ist absolut nachvollziehbar, dass sich zahlreiche Gelsenkirchener*innen darüber ärgern, dass hier Fakten geschaffen wurden und keine öffentliche Diskussion zur Zukunft der Kaue stattgefunden hat, aber das bedeutet nicht automatisch das Aus für den Standort“, sagte Grünen-Vorsitzende Adrianna Gorczyk, die auch kulturpolitische Sprecherin der grünen Ratsfraktion ist. Diese Sichtweise werde auch nicht der Arbeit des ebenfalls vor Ort ansässigen Vereins „Wohnzimmer GE“ gerecht, der die Entwicklung des Standorts als Kulturhotspot unabhängig von der Bespielung der Kaue seit Jahren vorantreibe.

„Es ist keine Woche her, dass der Kulturentwicklungsplan für Gelsenkirchen auf den Weg gebracht worden ist, in diesem Kontext muss auch die Zukunft der Kaue thematisiert werden“, forderte Gorczyk, die das Problem auch noch einmal grundsätzlicher betrachtet: „Wenn das lokale Kulturangebot von privatwirtschaftlichen Unternehmen getragen wird, muss auch damit gerechnet werden, dass Geschäftsführungen Entscheidungen innerhalb ihrer Verantwortlichkeiten und aus ökonomischen Gründen fällen. In solchen Fällen ist Kultur immer potenziell gefährdet. Dieses Risiko wurde im Falle der Kaue schon vor Jahren in Kauf genommen, als Stadt und Stadtwerke darauf verzichtet haben, selbst Eigentümer zu werden, und ist nun wirksam geworden.“

CDU will Debatte über Kaue im Kulturausschuss

Auch für Annelie Hensel, Sprecherin der CDU-Fraktion im Kulturausschuss ist die Kaue nach eigenen Worten ein fester Bestandteil der Gelsenkirchener Kulturlandschaft: „Die Kaue hat sich über viele Jahre hinweg in der Kulturszene etabliert und ist mittlerweile über die Stadtgrenzen hinweg ein bekannter und hoch geschätzter Veranstaltungsort.“ Für die Menschen in Heßler, Schalke und der Feldmark sei sie ein starker Identifikationsfaktor. „Ich verstehe nicht, wieso die Botschaft der Kündigung erst jetzt die Öffentlichkeit erreicht und ich frage mich schon, wieso die Verwaltung es nicht für nötig befunden hatte, spätestens die in der letzten Woche stattgefundene Sitzung des Kulturausschusses dazu zu nutzen, um über den Sachstand zu informieren“, sagte Hensel.

Für die CDU gehört die Debatte um die Zukunft der „Kaue“ zunächst in den Kulturausschuss: „Mit dem in den Haushaltsberatungen beschlossenen Kulturentwicklungsplan für Gelsenkirchen ist eine geeignete Plattform für das weitere Vorgehen geschaffen. Hier werden dann in einem partizipativen Prozess, mit Stadtgesellschaft, Kulturakteuren, Verwaltung und Politik neben kulturpolitischen Zielen auch die konkrete kulturelle Infrastruktur bewertet und für die Zukunft definiert.“ Dazu gehöre auch der Veranstaltungsort ‚Kaue‘, „den man nicht einfach so mal zumachen kann“.

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