IHK zur Gaslieferung: „Lage dennoch angespannt“

Die IHK ist erleichtert, dass die Gaslieferung über Nord Stream 1 wieder aufgenommen wurde. Die Lage bleibe dennoch angespannt.
Die IHK ist erleichtert, dass die Gaslieferung über Nord Stream 1 wieder aufgenommen wurde. Die Lage bleibe dennoch angespannt.
Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen. Foto: IHK Nord Westfalen

 

Die IHK Nord Westfalen zeigt sich erleichtert, dass die Gaslieferung über Nord Stream 1 nach Abschluss der Routinewartung wieder aufgenommen wurde. „Trotz der reduzierten Liefermengen steigen für den Augenblick die Chancen, dass die Gaslieferungen an die ungeschützten Kunden der Industrie im Winter nur leicht oder vielleicht sogar gar nicht eingeschränkt werden müssen“, sagt Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen.

„Die Lage bleibt dennoch fortdauernd angespannt“, betont Jaeckel angesichts der unsicheren Versorgungslage, die sich jederzeit durch eine erneute Reduzierung verschlechtern könne. „Es ist keineswegs gesichert, dass es im Winter nicht doch zu einer Gasmangellage kommt und die Notfallstufe nach dem Notfallplan Gas ausgerufen wird“, sagt Jaeckel und verweist auf mögliche Lieferstopps für Industrieunternehmen, deren wirtschaftliche Folgen kaum abzuschätzen seien. Ob die grundlegende Differenzierung in geschützte private Gaskunden und ungeschützte Gaskunden in der Wirtschaft angesichts der herrschenden Ausnahmesituation noch angebracht sei, werde die Politik in den nächsten Wochen abwägen müssen.

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Weniger Lebensmittel in Supermarktregalen befürchtet

Fest steht für den IHK-Hauptgeschäftsführer nach zahlreichen Gesprächsrunden und Betriebsbesuchen im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region: „Wenn die Industrie ihre Produktion ganz oder teilweise einstellen muss, hat das nicht nur weitreichende Konsequenzen für die Unternehmen und deren Beschäftigte.“ Das bedeute auch weniger Lebensmittel in den Supermarktregalen, weniger Medikamente und andere Güter des täglichen Bedarfs. Die Folgewirkungen von Abschaltungen einzelner Branchen oder Betriebe auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung seien dabei noch gar nicht zu überblicken.

Der IHK-Hauptgeschäftsführer betont, dass energieintensive Unternehmen angesichts der schon länger hohen Energiekosten bereits alles daransetzen, ihren Gas- und Stromverbrauch zu senken. „Hier wird genau gerechnet“, verweist Jaeckel auf „eine hohe betriebswirtschaftliche Motivation“, die in anderen Bereichen fehle oder nicht so ausgeprägt sei wie im internationalen Wettbewerb.

Potenzial Gas einzusparen

Allerdings bietet nach Ansicht der IHK Nord Westfalen die Umstellung auf andere Brennstoffe noch Potenzial, Gas in der Produktion einzusparen. Dafür sind in vielen Fällen Investitionen und auch behördliche Genehmigungen erforderlich. „Schnelles Handeln der zuständigen Behörden ist deshalb gefragt“, so Jaeckel. „Wir brauchen schnell eine unkomplizierte und einfache Regelung für den Fuel Switch.“ Hier müsse die Politik rasch handeln, Bund und Länder müssten einfache und schnelle Genehmigungen ermöglichen. Die IHK ruft Unternehmen auf, sich für den Fall einer möglichen Brennstoffumstellung frühzeitig an die Genehmigungsbehörden zu wenden, um keine Zeit zu verlieren.

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Sowohl im Münsterland wie auch in der Emscher-Lippe-Region moderiert die IHK Nord Westfalen seit Anfang Juni Gespräche zwischen Unternehmen und den Gasversorgern. Gemeinsames Ziel sind freiwillige Vereinbarungen über Einsparmengen und Gasreduktionen, um die Abschaltung von Industriebetrieben in den kommenden Wintermonaten zu verhindern.

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