Gerd Schwenzfeier, Präsident vom Festkomitee Gelsenkirchener Karneval. Foto: André Przybyl

Am 15. Februar ist Rosenmontag: Elf Fragen an Gerd Schwenzfeier, Präsident vom Festkomitee Gelsenkirchener Karneval, zu einer wegen Corona ausgefallenen Session. 

Am 15. Februar ist Rosenmontag. Haben Sie auch ohne „Zuch“ schon Pläne geschmiedet?

Schwenzfeier: Für Rosenmontag noch nicht. Aber für den Karnevals-Samstag sind wir dabei, etwas auf die Beine zu stellen. Vorausgesetzt natürlich, wir kriegen die Genehmigung. Ein Bühnenprogramm mit  Künstlern, die einzeln und nacheinander auftreten, auch ein Büttenredner ist dabei. Alles natürlich unter Einhaltung aller erforderlichen Hygieneregeln. Also ohne Tanz, das ist verboten. Live-Publikum ist ja nicht erlaubt, daher werden wir das Programm übers Internet übertragen.

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Digitales Schunkeln

Also digitales Schunkeln am heimischen Bildschirm: Wer kam denn auf die Idee?

Schwenzfeier: Unser neuer Vize-Präsident Björn Tondorf. Der ist sehr umtriebig, kann die Füße kaum still halten. Und war selbst in Quarantäne. Für ihn so ziemlich das Schlimmste, was es geben kann. Er wollte sich einfach nicht damit abfinden, das wir uns in dieser Session komplett geschlagen geben.

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Wie haben Sie als Urgestein des Gelsenkirchener Karnevals die ausgefallene Session erlebt?

Schwenzfeier: Meine depressive Phase habe ich mittlerweile hinter mir… Aber der Karneval fehlt nicht nur mir schon sehr. Ich bin ja derzeit im Prinzip Präsident von Nichts.  Natürlich telefoniert man mit dem ein oder anderen oder sieht sich am Bildschirm, aber das ist ja alles kein Ersatz für die persönlichen Begegnungen, von denen der Karneval lebt.

Kein Sinn ohne Zuschauer

Wann war Ihnen klar, dass die Session Corona zum Opfer fallen würde?

Schwenzfeier: Endgültig beim Hoppediz-Erwachen, am 11. November. Dafür hatten wir sogar noch eine Genehmigung, das mit 300 Leuten in der Arena zu feiern. Aber wir haben es dann aus Gründen der Vernunft doch lieber sein lassen.

Die Narren inmitten der Pandemie als die größten Vernunftmenschen, während sich beispielsweise Profi-Fußballer nach Torerfolgen in den Armen liegen und in Ägypten eine Handball-WM stattfindet, die großes Kopfschütteln provoziert?

Schwenzfeier: Ach, so hoch würde ich das jetzt nicht hängen.  Man muss ja ganz einfach auch akzeptieren, dass die Grundlage des Karnevals die persönliche Begegnung ist.  Ein Rosenmontagszug beispielsweise macht ohne Zuschauer, ohne die Kontakte mit den anderen Menschen, ja überhaupt keinen Sinn. Insofern hatten wir gar keine andere Wahl, als alles, was wir geplant hatten, abzusagen.

Eine traurige Zeit

Karneval ist für Sie ja nicht nur Rosenmontag und Altweiber-Fastnacht – Sie sind beinahe das ganze Jahr über damit beschäftigt, genau so wie die Verantwortlichen in den Karnevals-Klubs auch. Wie gelingt es Ihnen, den  ganzen Apparat während der Pandemie bei der Stange und irgendwie bei Laune zu halten?

Schwenzfeier: Schwierig. Es ist eine traurige Zeit, natürlich auch für uns. Schön ist aber zu sehen, dass sich einige Vertreter von Vereinen bei mir melden und sich über aufmunternde Worte freuen. Ganz prekär könnte die Lage bei den Vereinen mit Tanz-Garden werden. Die können weder auftreten noch trainieren. So etwas kann Spuren hinterlassen und dazu führen, dass manche Vereine am Ende ohne Tanz-Garde dastehen.

Zahlt der Karneval auch finanziell die Zeche für die ausgefallene Session?

Schwenzfeier: Das hält sich Gott sei Dank in Grenzen. Die Session selbst wäre uns teurer zu stehen gekommen…

Bei Schalke denken wir positiv

Corona, Trump, Schalkes Absturz, OB-Wechsel in Gelsenkirchen – welches Motto für einen Karnevals-Wagen würden Sie wählen?

Schwenzfeier: Donald Trump ist Geschichte, außerdem würde ich einem solchen Despoten keine Bühne bieten wollen. Bei Schalke denken wir positiv: Wir schaffen das! OB-Wechsel ist vielleicht nicht ganz so interessant. Wahrscheinlich würde es dann doch auf Corona hinauslaufen. Allerdings eher in die Zukunft blickend nach dem Motto: Wir wollen unsere Freiheit wiederhaben!

Ab wann beginnen Sie mit den Planungen für die Session 2021/22?

Schwenzfeier: Das hat mich Björn Tondorf auch schon gefragt. Ich habe ihm geantwortet, dass ich mich da Stand heute noch nicht allzu weit mit aus dem Fenster lehnen würde.

Moderieren in kompletter Montur

Klingt skeptisch.

Schwenzfeier: Wissen Sie, ich verfolge jeden Tag die aktuellen Entwicklungen der Corona-Zahlen und auch das, was die Politiker so sagen und entscheiden. Ich habe mal versucht hochzurechnen, wann ich mit dem Impfen an der Reihe bin und was das dann für die noch folgenden Bevölkerungsgruppen zeitlich bedeuten würde. Daher bin ich noch sehr, sehr vorsichtig, was eine Prognose für den Rosenmontagszug 2022 betrifft. Noch sehe ich den nicht.

Sollte Ihre Digital-Veranstaltung am Karnevalssamstag wie geplant über die Bühne gehen können: Sitzen Sie dann in Ihrer Karnevals-Kleidung vor dem Bildschirm?

Schwenzfeier: Vor dem Bildschirm nicht. Wenn alles so klappt wie geplant, werde ich die Veranstaltung vor Ort moderieren. Dann trage ich allerdings die komplette Montur – leider zum ersten und einzigen Mal in dieser Session.

Norbert Neubaum
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