Neues Wohnquartier in Buer: Bauplanung mit Hindernissen

Bereits 2018 wurde der Entschluss gefasst, am alten Gaswerk in Buer ein neues Wohnquartier zu bauen. Doch erst jetzt rollen die Bagger an.

Schon im Herbst sollen hier sechs Doppelhaushälften errichtet sein: Im April haben die Bauarbeiten auf dem nördlichen Teilgelände begonnen. Foto: André Przybyl

Neues Wohnquartier in Buer: Bauplanung mit Hindernissen

Bereits 2018 wurde der Entschluss gefasst, am alten Gaswerk in Buer ein neues Wohnquartier zu bauen. Doch erst jetzt rollen die ersten Bagger an – auf einer kleinen Teilfläche.

Der Größe von knapp vier Fußballfeldern entspricht das Areal „Ehemalige Stadtwerke“ an der Horster Straße, für das es schon seit 2018 einen sogenannten Aufstellungsbeschluss gibt. Zumindest auf einem kleinen Teil der Fläche sind nun die ersten Bagger angerollt. Ein Düsseldorfer Investor lässt hier in einem kleinen Teilbereich sechs zweieinhalbgeschossige Doppelhaushälften mit jeweils 150 m2 Wohnfläche errichten – mit einem geschätzten Marktwert von jeweils rund einer halben Million Euro.

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Bis vor rund drei Jahren hatte auf diesem Gelände ein Bauunternehmen der Dortmunder Jaeger-Gruppe seinen Sitz, das sich aber nach Gladbeck verlagert hat. Im März hat die Firma das Gelände endgültig geräumt und die noch vorhandenen Gebäude abgerissen. Die Jaeger Zentrale Dienste GmbH hat das Grundstück an die im Dezember 2021 gegründete AM Projekt Buer GmbH – mit Sitz an der Kö in Düsseldorf – verkauft. Die Häuser, die ohne Kellergeschoss errichtet werden, sollen offenbar bereits in diesem Herbst im Rohbau fertiggestellt sein und verfügen jeweils über eine eigene Garage. Die Häuser werden den Plänen zufolge durch eine sechs Meter breite Stichstraße erschlossen und durch ein Rolltor von der Nachbarschaft getrennt werden.

Bebauungsplan umfasst rund 26.550 m2

Bei der Entwicklung der weiteren Fläche gab es bislang wegen Altlasten Verzögerungen. Der Geltungsbereich des Bebauungsplans 426 liegt zwischen Horster Straße, Am Gaswerk, Schlenkhoffstraße und Beckeradsdelle. Der Bereich befindet sich größtenteils in einer sogenannten „Blockinnenlage“, die Fläche liegt direkt an die rückwärtigen Bereiche der Wohnbebauung und Gärten der genannten Straßen. Im Westen grenzt er direkt an die Horster Straße an. Der Bebauungsplan umfasst eine Fläche von rund 26.550 m2.

Die Stadt Gelsenkirchen sieht nach eigenen Angaben in dem Bereich gute Voraussetzungen für ein zukünftiges Wohngebiet: Die City von Buer ist nur zwei Kilometer entfernt und der Buersche Grüngürtel fußläufig zu erreichen. Mit der Straßenbahnlinie 301 ist die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr vorhanden. Die Nahversorgungslage sei der städtischen Einschätzung zufolge gut, neue Geschäfte bräuchten nicht mit eingeplant werden. Der Großteil der Fläche wurde über Jahrzehnte als Betriebsgrund- stück der Stadtwerke genutzt. Um das Areal als zukünftiges Wohngebiet sinnvoll zu ergänzen, hat die Stadt im nördlichen Bereich weitere Flächen mit in den Geltungsbereich aufgenommen. Zur Zeit liegt die Fläche teilweise brach, die alten Stadtwerke-Gebäude stehen leer, der Baumbestand ist teilweise in einem schlechten Zustand. Eine Gemengelage aus Lager- und Stellplätzen prägt das Erscheinungsbild.

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Bezahlbaren Wohnraum schaffen

Unter dem Motto nachhaltige Stadtentwicklung soll das versiegelte Gelände neu bebaut werden. Ziel ist es, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und die Eigentumsquote in Gelsenkirchen zu fördern beziehungsweise zu erhöhen, heißt es hierzu in der Stadtverwaltung. Die zukünftigen Bewohner sollen verschiedene „Nachfragegruppen“ berücksichtigen wie zum Beispiel Familien und Senioren. Und eben auch Haushalte, die in Gelsenkirchen Eigentum erwerben wollen.

Im April 2021 stellte ein Vertreter der Deutsche Reihenhaus AG im Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss einen städtebaulichen Vorentwurf vor, wie das zukünftige Wohnquartier ehemalige Stadtwerke Buer aussehen könnte. Der Entwurf sieht eine Mischung aus Doppel-, Reihen- und Mehrfamilienhäusern vor. Das Unternehmen kauft das Gelände von den Stadtwerken, Geld fließt indes erst, wenn der nötige Bebauungsplan existiert.

Bebauung mit 116 Wohneinheiten

An der Horster Straße sollen Geschosswohnbauten, im innenliegenden Bereich Doppel- und Reihenhäuser mitsamt Gemeinschaftsgärten und sogenannter „Back-to-back“-Gärten entstehen. Insgesamt sieht das Konzept eine Bebauung mit 116 Wohneinheiten vor. Bei der Präsentation der Pläne wurde aber deutlich, dass Hindernisse aus dem Weg geräumt werden müssen. Der Boden des Geländes ist mit Altlasten belastet. Früher stand einmal ein Gaswerk auf dem Gelände. Zunächst muss also eine umfassende Sanierung zur gefahrenfrei- en Wohnnutzung erfolgen.

Ein weiteres Hindernis: eine Gasleitung mitsamt Schutzstreifen verläuft zentral durch das Gebiet. Und die Nachbarbebauung grenzt teilweise unmittelbar an das Planungsgelände. Die Stadt möchte im Laufe diesen Jahres die Öffentlichkeit im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung über das Bauvorhaben informieren. Es gab zuvor Verzögerungen bei der Erstellung von Gutachten, erläuterte ein Sprecher auf Nachfrage. Hierbei ging es wohl auch um Fragen der Kostenübernahme. Im Laufe dieses Jahres sollen aber die nächsten Planungsschritte erfolgen.

Figur Flatmann soll erhalten bleiben

Die Deutsche Reihenhaus AG ist nach Worten von Pressesprecher Achim Behn weiterhin „mit großem Elan bei der Sache“. Das Unternehmen stehe hinter dem Projekt und gehe derzeit von einem schnellstmöglicher Baubeginn im Juli 2023 aus. „Der Baumbestand soll soweit wie möglich geschützt werden“, so Behn. Und auch für die Figur Flatman soll im Quartier ein Platz gefunden werden.

mk/spe