Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider: Je schlechter die Lage, desto schwerer wird es, gute Spieler für Schalke zu gewinnen. Foto: Archiv

Schalke: Ultras schwören Mannschaft aufs “erste Endspiel” ein

Die Schalker Ultras fingen die Mannschaft vor der Abreise nach Augsburg ab – mit klaren Worten wiesen sie auf den Ernst der Lage hin.

Der Ton wird rauer, die Lage im Tabellenkeller für Schalke immer ungemütlicher: Nachdem sich auch die Schalker „Ultras“ zum an den Zusammenhalt appellierenden Brief des S04-Vorstandes geäußert und darin quasi eine komplette Auswechslung der Chefetage und einen Neuanfang mit „unbelasteten Personen“ gefordert haben („Statt auf die Kritik einzugehen, scheint Ihr ein einer Blase zu leben, die nichts mehr mit der Wahrnehmung vieler Fans und Mitglieder gemein hat. Es wurden zu viele Versprechungen gemacht, als dass man Euren Floskeln noch glauben könnte“), zog am Samstag die Konkurrenz nach.

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Die Ergebnisse des Spieltags machen die Lage der Königsblauen auf dem letzten Platz zumindest nicht komfortabler. Durch die Siege von Köln (in Mainz) und Freiburg (gegen Bielefeld) in den direkten Keller-Duellen stellt sich die Situation vor dem Schalker Spiel in Augsburg am Sonntag (15.30 Uhr) nun wie folgt dar: Gibt es erneut eine Niederlage, ist der Abstand auf den ersten direkten Nicht-Abstiegsplatz schon auf sieben Punkte angewachsen. Bei einem Sieg wären es immerhin noch vier Zähler, die Schalke vom rettenden Platz 15 trennen würden.

Kritisch: Eckbälle und Zweikämpfe

 

Damit es im 27. Anlauf nach bisher 26 sieglosen Spielen in Serie endlich mit einem „Dreier“ klappt, müssen sich laut Trainer Manuel Baum, der in seinem neunten Bundesliga-Spiel auf der Schalker Trainerbank sitzt bzw. am Spielfeldrand die Kommandos gibt, vor allem zwei Faktoren entscheidend verbessern: Das Verhalten bei Eckbällen für den Gegner und die Zweikämpfe, die Baum als „50:50“-Zweikämpfe bezeichnet. Auch davon, so Baum, würde Schalke am Ende noch zu viele verlieren: „Dabei muss man uns in jedem Moment, in jeder Szene anmerken, dass wir unbedingt da unten raus wollen.“

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Da unten raus – wie das gelingen soll, dazu musste sich offenbar auch Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider am Donnerstag bei einer Sitzung des Aufsichtsrates äußern. Das Kontrollgremium hatte bereits vor dem Spiel in Mönchengladbach angemahnt, von der sportlichen Leitung eine mindestens aussichtsreiche Perspektive zum Ende der Hinrunde zu haben, um dann in der Rückrunde eine Aufholjagd starten zu können.

Verstärkungen und keine Ergänzungsspieler sind nötig

Was eine „aussichtsreiche Perspektive“ ist, ist sicherlich eine Interpretationsfrage. Kein Zweifel dürfte aber daran bestehen, dass Schalke drauf und dran ist, sogar diese aussichtsreiche Perspektive zu verspielen. Schneider steht möglicherweise – wenn er sie denn dann überhaupt noch in Angriff nehmen darf – vor einer Aufgabe, die der Quadratur des Kreises gleicht. Denn selbst wenn es gelingt, durch einen Spielerverkauf (Ozan Kabak gilt nach wie vor als „heißeste“ Schalker Aktie) Geld für dringend benötigte Neuverpflichtungen locker zu machen: Es müssten dann schon echte Verstärkungen sein – denn weitere Ergänzungsspieler bringen diese Mannschaft nicht voran.

Gesucht werden also richtig gute Spieler. Aber je tiefer Schalke im Keller feststeckt, um so schwerer wird es wohl, Fußballer der benötigten Kategorie – völlig unabhängig vom finanziellen Aspekt – nach Schalke zu lotsen. Wenn man so will, ist in Augsburg also Schalkes erstes „Endspiel“. Denn Augsburg und die kommenden Gegner Freiburg und Bielefeld gehören bei allem Respekt zu der Kategorie, die es für Schalke zu schlagen gilt – um beim Weg aus dem Keller überhaupt erstmal die richtige Richtung einzuschlagen.

Dass die Schalker Ultras zwar das Vertrauen in den Vorstand, aber noch nicht ganz in die Mannschaft verloren haben, machten sie am Samstag deutlich: Sie fingen die Spieler vor der Abreise zum Spiel nach Augsburg ab und wiesen mit einem leidenschaftlichen Appell darauf hin, dass die kommenden drei Spielen für Schalke eine “elementare Bedeutung” hätten. Von den Spielern gab es für diese klaren Worte Applaus.

Norbert Neubaum
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