War für Schalke 04 keine Verstärkung: Yevhen Konoplyanka (r.). -Foto: NBM (Archiv)

Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider steht vor einer Herkules-Aufgabe

Auf Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider kommen arbeitsintensive Wochen zu. Der Kader muss runderneuert werden. Das Problem: Es fehlt Geld für Neuzugänge.

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Die Fakten sprechen für sich: Der FC Schalke 04 hat zum dritten Mal in den vergangenen vier Jahren (2017, 2019 und 2020) die Teilnahme an einem Europapokal-Wettbewerb verpasst. Wer darüber nachdenkt, wann der Abwärtstrend der Königsblauen begann, muss wohl noch ein Jahr zurückgehen.

Denn 2016 hatten die Blau-Weißen durch den Verkauf von Leroy Sané für rund 50 Millionen Euro die große Chance, den Kader durch kluge und leistungsstarke Transfers so aufzurüsten, um die Champions-League-Qualifikation anzupeilen. Doch diese Chance wurde vertan. Rekord-Transfer Breel Embolo (22,5 Millionen Euro) war erst technisch limitiert und dann dauernd unverschuldet verletzt. Ähnliches galt für Coke vom FC Sevilla, der wegen einer schweren Knieverletzung nur neun Bundesligapartien für den FC Schalke 04 absolvierte.

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Viel Geld ausgegeben

Andere zunächst ausgeliehene und später für viel Geld fest verpflichtete Spieler wie Nabil Bentaleb und Yevhen Konoplyanka zeigten viel zu selten gute Leistungen und wurden nie zu den Leistungsträgern, die Schalke erwartet hatte.

2018 wiederholte sich die schwache Transferpolitik noch einmal. Schalke qualifizierte sich unter dem jungen Trainer Domenico Tedesco überraschend für die Champions League und kassierte auch noch 37 Millionen Euro durch den Verkauf von Thilo Kehrer. Doch ähnlich wie zwei Jahre zuvor wurde das Geld wieder mit vollen Händen ausgegeben, ohne dass es sich sportlich auszahlte. Vor allem die mittlerweile ausgeliehenen Sebastian Rudy (16,5 Millionen Euro vom FC Bayern) und Hamza Mendyl (6 Millionen Euro aus Lille) waren Flops, die Schalke keinen Millimeter voranbrachten und bald wieder auf der Gehaltsliste stehen könnten.

Kein Grund zum Optimismus

Im Gegenteil, die Sünden der Vergangenheit rächen sich jetzt bitter, weil auch aus dem eigenen Nachwuchs keine Talente der Kategorie Draxler, Sané oder Kehrer zu sehen sind. Verstärkt durch die Corona-Krise ist es deshalb kein Wunder, dass der mittlerweile mit fast 200 Millionen Euro verschuldete Verein noch keinen Neuzugang für die neue Saison verpflichtet hat.

Für Optimismus, den der ausgeschiedene Finanzchef Peter Peters immer noch zur Schau stellt, gibt es wenig Anlass. Denn zum Beispiel ist noch nicht absehbar, ob Schalke ein weiterer Imageschaden durch Clemens Tönnies droht, der 2019 durch eine rassistische Äußerung stark in der Kritik stand und nun wegen eines massiven Corona-Ausbruchs auf seinem Betriebsgelände in Rheda-Wiedenbrück die negativen Schlagzeilen beherrscht.

Ausgliederung ist utopisch

Aufgrund dieser Gemengelage scheint es utopisch, dass die Schalker Ausgliederungspläne zeitnah Realität werden könnten. Eine 75-prozentige Zustimmung ist zurzeit undenkbar. Dabei könnte Schalke 04 frisches Geld sehr gut gebrauchen. Denn bald werden zwei Anleihen in Höhe von rund 50 Millionen Euro fällig. Beide Anleihen wurden im Jahr 2016 aufgelegt. Mitte nächsten Jahres werden 16 Millionen Euro fällig, Mitte des Jahres 2023 sind es 34 Millionen Euro.

Diese finanziellen Dimensionen machen deutlich, wie schwierig es für Schalke werden wird, finanziell wieder auf festen Boden zu gelangen. Auf den neuen Finanzchef, wer immer das sein wird, wartet eine Herkulesaufgabe. Das Gleiche gilt für Sportvorstand Jochen Schneider und Kaderplaner Michael Reschke. Nur wenn ihre Transfers sitzen, darf Schalke neue Hoffnung schöpfen. Mit dem aktuellen Kader, das hat diese Saison gezeigt, ist dauerhaft kein Blumentopf zu gewinnen.

Frank Leszinski
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