Da war seine Welt noch in Ordnung: Markus Weinzierl bei seiner Präsentation als Schalke-Trainer. Foto: NBM

Schalke und seine Trainer: Vorsicht, Karriereknick!

Schalke zu trainieren, gilt als attraktive Aufgabe. Doch die letzten Trainer mussten nicht nur erfahren, dass diese Herausforderung zum Schleudersitz, sondern zum Karriereknick werden kann.

 

Dies gilt besonders für die Trainer der vergangenen zehn Jahre. Kaum einer erlebte sein Vertragsende, wie einige Beispiele zeigen.

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Jens Keller: Vom Schalker B-Jugendtrainer im Dezember 2012 zum Chefcoach der Profis befördert, hatte der Schwabe bei den Königsblauen von Anfang an keine Lobby, obwohl Keller durchaus Erfolge vorweisen konnte. In seinem ersten Jahr führte er Schalke in die Champions League und nach einer durchwachsenen Hinrunde folgte die beste Rückserie der Vereinsgeschichte mit der Punktlandung auf Platz drei.

 

Doch richtig glücklich waren sie auf Schalke mit Keller nie. Lief es sportlich nicht, wurde er schnell als „das Gesicht der Krise“ charakterisiert. Nachdem er gefeuert wurde, hatte Keller auch bei seinen weiteren Stationen größtenteils nur mäßigen Erfolg. Weder bei Union Berlin, FC Ingolstadt und schon gar nicht beim 1. FC Nürnberg, wo Keller noch vor den Relegationsspielen entlassen wurde, konnte er nachhaltige Wirkung hinterlassen.

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Roberto Di Matteo: Noch schlimmer erwischte es den Italiener mit Schweizer Wurzeln, der Keller auf Schalke beerbte. Der heute 50-Jährige, der 2012 mit dem FC Chelsea die Champions League gewann, überstand gerade einmal die Saison 2014/2015, ehe er Ende Mai zurücktrat. Platz sechs entsprach nicht den hohen Schalker Ansprüchen.

Den Journalisten blieb Di Matteo weniger durch seine Arbeit, als durch sein ungewöhnliches Verhalten gegenüber den Medien in Erinnerung. Einzelinterviews gab er keine. Ein ausgewählter Kreis von Journalisten wurde einmal von ihm auf Schloss Berge eingeladen, um anonym einen Zettel auszufüllen, wo die Schalker Wunschelf aufgelistet werden sollte. Was Di Matteo damit bezweckte, blieb im Dunkeln. Danach verschwand er mehr und mehr von der Fußball-Bühne. Sein letztes Engagement beim damaligen Zweitligisten Aston Villa im Jahre 2016 dauerte ganze vier Monate. Seitdem ist er ohne Job.

André Breitenreiter: Auch der Di-Matteo-Nachfolger wurde auf Schalke nicht glücklich. Die hohen Erwartungen, Schalke wollte sich für die Champions-League qualifizieren, konnte der Niedersachse nicht erfüllen. Am Ende wurde es „nur“ die Europa League, sodass Breitenreiter bereits ein Jahr vor seinem Vertragsende (2017) gehen musste.

“Die große Kunst”

Nach einem Dreivierteljahr Pause heuerte der heute 46-Jährige im März 2017 bei Hannover 96 an. In einem notorisch unruhigen Umfeld schaffte Breitenreiter mit Hannover als Zweitliga-Vizemeister den Aufstieg in die Bundesliga und in der nachfolgenden Saison den Klassenerhalt. Nach einer 1:5-Niederlage gegen Dortmund wurde Breitenreiter am 27. Januar 2019 gefeuert und wartet seitdem auf einen Job.

Markus Weinzierl: Noch größer war der Karriereknick beim gebürtigen Straubinger, der nach einem erfolglosen, nur einjährigen Schalke-Intermezzo, 14 Monate arbeitslos war. Dann wollte Weinzierl den VfB Stuttgart nach vorn bringen. Doch nach nur sieben Monaten Amtszeit und einer 0:6-Schlappe ausgerechnet gegen seinen früheren Klub FC Augsburg musste Weinzierl seine Koffer packen. Seitdem ist der Bayer ohne Job.

Sein Beispiel zeigt besonders eindrucksvoll, wie schnell es in der Trainerbranche Höhen und Tiefen abwechseln können. 2014 war Weinzierl von den Bundesliga-Profis noch zum besten Trainer der Saison gewählt worden. Doch seit er auf Schalke anfing, ging es nach vier sehr erfolgreichen Jahren beim FC Augsburg beständig bergab. „Es ist nicht schön, ohne Job zu sein, aber auf das richtige Angebot, den richtigen Klub zu warten, ist die große Kunst“, sagte Weinzierl kürzlich im Interview mit dem „Sportbuzzer“.

Aktuell wartet Weinzierl immer noch. In langfristiger Perspektive ist also keineswegs gesagt, dass der Trainerjob auf Schalke positive Wirkungen haben muss.

Frank Leszinski
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