Dieses Bild (wie hier 2019) wird es am Sonntag so nicht geben: Die Bühne in der Veltins-Arena wird bei der Schalker Mitgliederversammlung zwar aufgebaut sein, die Tribüne ist aber leer. Foto: Rabas

Schalkes Mitgliederversammlung und das digitale Nirwana

Am Sonntag ist die Schalker Mitgliederversammlung. Erstmals in digitaler Form – die Protagonisten sind zwar in der Veltins-Arena, die Mitglieder sitzen aber am heimischen mobilen Endgerät. Für alle Beteiligten ist diese Form des traditionell größten Treffens der Vereinsfamilie eine große Herausforderung.

Das Schlusswort von Jörg Seveneick, Moderator der digitalen Schalker Mitglieder-Talkrunde „MitGEredet“, klang fast schon bedrohlich: „Es ist Technik, es ist das digitale Nirwana. Da kann alles passieren…“

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“Im digitalen Nirwana kann alles passieren”

Das war natürlich halb-ironisch gemeint. Damit die andere Hälfte nicht am Ende zur traurigen Wahrheit wird, werden Sebastian Buntkirchen, Direktor Fans und Vereinsangelegenheiten, und Ashkan Maleki, Direktor Digital und Innovation, mit ihren Teams bis zum Samstagabend vorbereiten, tüfteln und vor allem proben – am Sonntag ab 9.04 Uhr gilt es dann.

Dauer und Teilnehmerzahl völlig unklar

Dann beginnt Schalkes digitale Mitgliederversammlung. „Hoffentlich die einzige“, so Buntkirchen. Möglich nur durch ein corona-bedingtes Gesetz, Schalkes Satzung als solche schreibt eine Präsenz-Veranstaltung vor. Bei „MitGEredet“ konnten Schalkes Mitglieder noch einmal Fragen zur Veranstaltung stellen, die sowohl für die Mitglieder als auch die Organisatoren in dieser Form absolutes Neuland ist.

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Noch immer völlig unklar ist die Teilnehmerzahl: Laut Buntkirchen besteht eine große Diskrepanz zwischen Mitgliedern, die ihre Teilnahme angekündigt, sich aber noch nicht verifiziert haben. „Ohne Verifizierung kein Stimmrecht“, klärt Buntkirchen auf. Von der technischen Seite muss Schalke laut Maleki davon ausgehen, dass alle ca. 125.000 stimmberechtigten Mitglieder auch teilnehmen – die müssen, die entsprechende technische Ausrüstung vorausgesetzt, einen Zugang zu der Versammlung zur Verfügung gestellt bekommen.

Berichte, Aussprache, Wahlen

Elf Punkte umfasst die Tagesordnung, darunter Wahlen zum Aufsichtsrat, Wahlausschuss und Ehrenrat. Das ist traditionell zeitaufwendig, die meiste Zeit plant Schalke allerdings für die Gelegenheiten ein, in der die Mitglieder das Wort ergreifen können. Einmal bei der Aussprache zu den Berichten der Gremien, einmal beim Punkt „Sonstiges“, bei dem sich die Schalker Vereinsfamilie auch bei Präsenzveranstaltungen gerne mal Luft verschafft.

Ca. 40 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sitzen im Schalker Back-Office, das am Sonntag die Fragen der Mitglieder zu bestimmten Themenbereichen bündeln wird. Nicht jedes darum werbende Mitglied wird persönlich zu Wort kommen, bei Präsenz-Veranstaltungen sind es in der Arena in der Regel 20 bis 30 Mitglieder. Am Sonntag droht Schalke der „Tag der Abrechnung“, aus mehreren Gründen.

Kaum noch einer im Amt

​Erstens gab es 2020 wegen Corona keine Versammlung, da dürfte sich ohnehin einiges aufgestaut haben. Zweitens hat es Schalke wohl noch nie gleichzeitig in mehreren Bereichen so „erwischt“ wie diesmal, inklusive des Abstiegs – da herrscht Redebedarf. Drittens traut sich so manch einer vom heimischen PC aus vielleicht mehr dazu, den Bossen die Meinung zu sagen als am Arena-Mikrofon vor 10.000 Anwesenden, die gerne auch mal schnell pfeifen oder „Buh“ rufen…

Einen Haken hat die Sache: Von denjenigen, die Schalke so tief in den Schlamassel geritten haben, ist kaum noch einer im Amt. Lediglich der bei der Versammlung anwesende Marketing-Vorstand Alexander Jobst ist noch ein „Gesicht“ der alten Führungsriege – und er hat am 30. Juni offiziell seinen letzten Arbeitstag bei den Königsblauen. Und Aufsichtsrats-Chef Dr. Jens Buchta hat ebenfalls seinen Rückzug angekündigt – direkt nach der Mitgliederversammlung ist für ihn auf Schalke Schichtende.

Immerhin: Die Redezeit pro zu Wort kommendem Mitglied beträgt drei Minuten. Insgesamt rechnen die Versammlungs-Planer mit einer Gesamtdauer von mindestens sieben Stunden. Wahrscheinlich werden es mehr. Ende völlig offen. Beschlüsse müssen allerdings bis Mitternacht gefasst sein, damit sie rechtsgültig sind.

Sieben Stunden und mehr: Da kann tatsächlich einiges passieren – auch und gerade im digitalen Nirwana.

Norbert Neubaum
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