Vor 20 Jahren war auf Hugo Schicht am Schacht

[vc_row][vc_column][us_image image=“1294″ size=“us_1600_900_crop“][vc_column_text css=“%7B%22default%22%3A%7B%22padding-top%22%3A%2210px%22%7D%7D“]Die Zeche Hugo: Im April 2000 endete die Kohleförderung. Foto: NBM (Archiv)[/vc_column_text][us_post_title tag=“h1″ css=“%7B%22default%22%3A%7B%22font-family%22%3A%22h1%22%2C%22margin-bottom%22%3A%220%22%2C%22padding-top%22%3A%221rem%22%7D%7D“][vc_column_text]Die Redewendung mit der Ära, die zu Ende geht, wird ja von Journalisten fast inflationär gebraucht – bisweilen reicht schon der Rücktritt eines Fußballtrainers für Artikel, in denen das „Ende einer Ära“ ausgerufen wird. Was aber am 28. April 2000 in Buer geschah, das war tatsächlich, ohne Übertreibung, das Ende einer Ära. Damals war auf der Zeche Hugo „Schicht am Schacht“: Das Bergwerk stellte seine Förderung ein, es war die letzte Gelsenkirchener Zeche, die noch Kohle förderte – von der Zeche Westerholt in Hassel abgesehen, die aber damals schon im Bergwerk Lippe aufgegangen war. Damit ging, genau, die Ära des Kohlebergbaus in der Stadt zu Ende.

Für Klaus Herzmanatus ist jener 28. April 2000 auch noch heute, 20 Jahre später, „der fürchterlichste Tag für den Bergbau in der Stadt.“ Herzmanatus hat selbst auf Hugo gearbeitet, zum Zeitpunkt der Schließung war er Betriebsratsvorsitzender. Auch heute noch dreht sich beim ihm fast alles um das Thema Bergbau: Er ist Vorsitzender des Trägervereins Schacht 2, er betreibt das „Kleine Museum“, das sich der Bergbaugeschichte des Ruhrgebiets verschrieben hat, und aus der alten Fördermaschinenhalle von Schacht 2 der Zeche Hugo hat er gemeinsam mit seinen Mitstreitern ein Veranstaltungszentrum gemacht, in dem regelmäßig (von Corona-Zeiten einmal abgesehen) Konzerte und Kleinkunst stattfinden. Dem Verein ist es zu verdanken, dass der Förderturm über Schacht 2 noch immer steht und nicht wie viele Fördertürme im Ruhrgebiet gefallen ist.

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Zuzug in den „Wilden Westen“

Zeche Hugo in Buer: Das sind weit über 100 Jahre Bergbaugeschichte. Anfang der 70er-Jahre des 19. Jahrhunderts wurde dort zum ersten Mal Kohle gefunden, am 2. April 1874 gründeten einige Männer unter der Leitung des Essener Kaufmanns Hugo Honigmann die „Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Hugo“, 1875 wurde aus Schacht 1 die erste Kohle gefördert.

Zu diesen Zeiten war Buer noch ein kleines, westfälisches Nest (an eine Vereinigung mit dem einige Kilometer südlich gelegenen Gelsenkirchen dachte damals noch niemand). 1871 hatte Buer 4.500 Einwohner. Das sollte sich bald ändern, und das lag auch und vor allem an der Zeche Hugo und den anderen Bergwerken in der Nähe. Menschen, vor allem aus den östlichen Regionen des Deutschen Reiches, strömten in den „Wilden Westen“, wie das Ruhrgebiet damals genannt wurde – nur 30 Jahre später hatte sich die Zahl der Einwohner mehr als verfünffacht.

3,5 Millionen Tonnen Kohle im Jahr

Die Stadt wuchs, und genauso wuchs die Zeche. Weitere Schächte wurden errichtet, weitere Kohlefelder wurden erschlossen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bergwerk umfassend modernisiert, der Architekt Fritz Schupp, der unter anderem auch die Pläne für die Zeche Zollverein entwarf, baute die neuen Gebäude rund um Schacht 2. Zu ihren besten Zeiten förderte Hugo 3,5 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr, ca. 5000 Menschen waren auf der Zeche beschäftigt.

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Doch Ende der 50er-Jahre begann der lange Abschied von der Kohle. 1968 wurde die Ruhrkohle AG gegründet, der auch die Zeche Hugo angehörte. 1993 wurde das Bergwerk mit den Zechen Consolidation und Nordstern zum Bergwerk Hugo/Consolidation zusammengelegt, 1997 erfolgte die erneute Zusammenlegung mit dem Bergwerk Ewald/Schlägel & Eisen zum Bergwerk Ewald-Hugo.

Mahnwache vor der Apostelkirche

Doch da war das Ende schon absehbar. Der „Kohlekompromiss“ von 1997 zwischen Regierung, RAG und Gewerkschaften sah vor, die Subventionen für die Steinkohle schrittweise zu reduzieren und die Fördermenge herunterzufahren. Das bedeutete das Aus für Hugo – doch das wollten Herzmanatus und Co. nicht hinnehmen. Sie beschlossen eine aufsehenerregende Aktion: Im Frühjahr 1997 „besetzten“ Bergleute die Apostelkirche in Buer. 33 Tage lang hielten sie eine Mahnwache vor der Kirche, Bürgerinnen und Bürger versorgten sie mit Kaffee und Brötchen und bekundeten ihre Solidarität, zur Abschlusskundgebung kamen 4000 Menschen.

Doch sie konnten das Ende nicht aufhalten: Am 28. April 2000 stiegen 3000 schwarze Luftballons in den Himmel über Buer – einer für jeden Arbeitsplatz auf der Zeche, der damit wegfiel.

„Wer arbeiten wollte, konnte einen Job haben“

Doch die 3000 Menschen fielen nicht ins Bodenlose, erinnert sich Klaus Herzmanatus. „Wir vom Betriebsrat hatten schon lange vorher darum bemüht, unsere Leute unterzubringen“, erinnert er sich. „Wir haben die Kumpel aktiv angesprochen, haben Arbeitsplätze akquiriert – viele von denen sind uns heute noch dankbar, dass wir sie damals in den Hintern getreten haben“, schmunzelt er. Zum Teil kamen sie bei anderen Bergwerken unter, viele wechselten aber auch in andere Branchen oder schulten um. „Wer arbeiten wollte, konnte damals einen Job haben“, sagt Herzmanatus.

Da, wo mehr als 120 Jahre lang Kohle gefördert wurde, ist heute ein Park, an die alte Zeche erinnern noch der Förderturm, die Maschinenhalle und ein paar wenige Gebäude. Geblieben sei aber der Zusammenhalt, der den Bergbau ausgezeichnet habe, sagt Klaus Herzmanatus, die Selbstverständlichkeit, in schweren Zeiten füreinander da zu sein: „Das sieht man auch jetzt in Corona-Zeiten.“

Matthias Heselmann

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