Guido Burgstaller, hier im Derby im Dezember 2018 gegen den BVB: Vertrauen in die Maßnahmen der Behörden. -Foto: NBM

Wie Schalke die Auswirkungen des Corona-Virus beurteilt

Die Auswirkungen des Corona-Virus sind auch beim FC Schalke 04 tagtäglich zu sehen und zu spüren. Guido Burgstaller reagiert verständnisvoll.

Im Revierderby bei Borussia Dortmund (Sa. 15.30 Uhr/Sky) wird der 30-Jährige mit großer Wahrscheinlichkeit seine Mannschaft als Kapitän aufs Feld führen. Burgstaller hat sich wieder in die Stammelf gekämpft, aber er verhehlt nicht, dass der weltweit grassierende Coronavirus auch in der Mannschaft momentan das große Thema ist.

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„Natürlich reden wir darüber in der Kabine. Es ist nicht schön für Spieler und Fans, dass das Derby ohne Zuschauer stattfinden wird, aber in der jetzigen Situation ist es eine verständliche Entscheidung. Es hilft nichts, wenn du Panik erzeugst. Wir vertrauen den Behörden,“ so der Österreicher.

Bei einem „Geisterspiel“ dabei

In der Europa League hat der Stürmer, damals im Trikot von Rapid Wien, gegen Rosenborg Trondheim solch ein „Geisterspiel“ schon einmal 2012 mitgemacht. „Das war sehr ungewohnt“, erinnerte sich Burgstaller. Dass die Partie mit 1:2 verloren ging, schmerzte zusätzlich. Doch Höhen und Tiefen ist Burgstaller in seiner Karriere längst gewohnt. Über neun Monate wartet er nun schon auf ein Bundesligator.

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Ob ausgerechnet im Derby sein Torknoten platzt? Einem früheren Schalker Torjäger ist das schon einmal in Dortmund gelungen. Ebbe Sand wartete viele Monate auf ein Bundesligator. Am 30. Januar 2004 war es dann soweit: Eine Minute vor dem Abpfiff gelang dem Dänen nach rund neun Monaten ohne Torerfolg der viel umjubelte 1:0-Siegtreffer beim Erzrivalen.

Erst eine Niederlage

Dass dieser Klassiker vor leeren Rängen stattfinden wird, bewertet Burgstaller nicht als Vorteil für die Königsblauen, denn „unsere Fans waren beim Derby immer sehr laut“, so der Angreifer.

Seine persönliche Derby-Bilanz ist positiv. Von den bisher sechs Spielen, die er gegen den BVB absolvierte, verlor er nur eine Partie. „Ich kann mich an kaum ein Derby entsinnen, in dem wir schlecht ausgesehen haben. Auch in der Hinrunde haben wir ein gutes Spiel abgeliefert“, blickte der Österreicher zurück und schöpft daraus Zuversicht. Beim 0:0 war Schalke dem Sieg viel näher als der BVB.

„Es geht um mehr als Fußball“

Gut möglich, dass die Partie in Dortmund nicht das einzige Schalker „Geisterspiel“ in nächster Zeit bleiben wird. Die Stadt Gelsenkirchen hat bis auf weiteres Spiele in der Veltins-Arena ohne Publikum verfügt. Schalke droht damit gegen den FC Augsburg am 21. März ein „Geister-Heimspiel“. Die für den 29. März geplante Neueröffnung des Parkstadions, die mit einem Freundschaftsspiel gegen Zenit Sankt Petersburg verbunden war, ist bereits abgesagt worden.

Für Jochen Schneider sind diese Entscheidungen alternativlos. Der Sportvorstand betonte im Gespräch mit dieser Zeitung: „Es geht jetzt um deutlich mehr als um Fußball und um fehlende Ticketing-Einnahmen. Es geht um unser wichtigstes Gut, die Gesundheit der gesamten Bevölkerung. Diese steht weit über Sport und Unterhaltung. Deshalb kann ich in dieser Krisensituation auch nicht nachvollziehen, wenn Leute sich zu diesem Thema äußern, die keine Experten sind.“

Schneider sieht keinen Vorteil

Klar Position bezieht der 49-Jährige auch bei der Frage, warum es keine einheitliche Regelung bei der Absage von Veranstaltungen gibt. Schneider: „Ich bin kein Politiker, aber wir haben aufgrund unserer Geschichte ein föderales System, das auch viele Vorteile mit sich bringt. In der aktuellen Gesamtsituation ist es jedoch für viele Bürger nicht nachvollziehbar, warum es keine einheitliche bundesweite Regelung gibt. Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass es gut wäre, wenn wir in dieser außergewöhnlichen Situation eine einheitliche Linie hätten, an der sich alle orientieren könnten. Aber wir sind nicht der Taktgeber, das sind die Behörden und die Politik, und ihnen vertraue ich.“

Hat Schalke in einem Derby ohne Zuschauer in Dortmund Vorteile? Schneider glaubt das nicht. „Nein. Das ist eine Atmosphäre, die beide Mannschaften gleich tangiert und für beide einen Nachteil darstellt. Es macht doch den Reiz eines Fußballspiels und besonders eines Derbys aus, wenn es besonders laut auf den Tribünen ist. Und auch die Auswärtsmannschaft kann aus dieser besonderen Atmosphäre und aus Pfiffen entsprechende Motivation schöpfen.“

Frank Leszinski
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