Mit Sophie Pieper und Josef Bathen jun. hat das Buersche City-Management erstmals eine Doppelspitze. Für beide ist der Leerstand „ein großes Thema“.
Das Buersche Doppel: Sophie Pieper und Josef Bathen jun. Foto: André Przybyl

City-Managerin: „Leerstand in Buer ein großes Thema“

Mit Sophie Pieper und Josef Bathen jun. hat das Buersche City-Management erstmals eine Doppelspitze. Für beide ist der Leerstand „ein großes Thema“.

Buer sei für ihn Heimat, sagt Josef Bathen jun. „Dafür gebe ich gerne viel.“ Und Sophie Pieper sieht in der Stadt „unfassbar viel Potenzial“. Privat sind beide bereits ein Paar. Nun gehen die Studentin und der Buersche Unternehmer auch beruflich gemeinsame Wege: Pieper ist neue City-Managerin, ihr Freund unterstützt sie dabei. Im Interview spricht das Duo über verschiedene Interessengruppen, die schwierige Situation in der Innenstadt und ihre Vision für Buer.

 

„Kommen beide aus verschiedenen Themenwelten“

Ein Duo im City-Management ist neu. Warum diese Doppelspitze?

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Bathen: Der Vorschlag kam von uns. Wir treten gerne als Team auf. Wir haben verschiedene Stärken, die wir so optimal einsetzen können.

 

Welche Stärken sind das?

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Pieper: Wir kommen beide aus verschiedenen Themenwelten. Meine Stärke liegt im Management. Speziell Digital Transformation Management ist mein Steckenpferd. Außerdem kann ich Kenntnisse einbringen, die ich bei verschiedenen Jobs und Praktika erwerben durfte. Josef kennt Buer als Unternehmer, er ist der Netzwerker. Er ist mittendrin und weiß, welche Themen hier gerade anstehen.

 

„An Stärken und Projekten orientieren“

Welche Jobs haben Sie schon gemacht?

Pieper: Seit einigen Jahren arbeite ich bei der AHAG-Gruppe. Dort mache ich für alle Standorte das Marketing. Ferner habe ich in diversen Künstleragenturen gearbeitet und Projekte für unter anderem RTL durchgeführt.

 

Sind die Aufgaben zwischen Ihnen beiden klar verteilt?

Pieper: Das orientiert sich an unseren Stärken und den Projekten, die gerade anstehen.

 

„Situation nicht einfach“

Wie sind Sie beide an die Stelle gekommen?

Pieper: Als wir hörten, dass eine Nachfolge für Aylin Gimmerthal gesucht wurde, haben wir uns beworben. Zuvor haben wir uns darüber ausgetauscht, wie wir selber die Lage in Buer einschätzen. Josef konnte dabei einbringen, was er sich als Unternehmer wünschen würde. Doch man kann sich etwas wünschen oder man kann versuchen es umzusetzen – das hat den Ausschlag gegeben.

 

Saturn macht im Oktober zu, bei der Markthalle herrscht wieder Stillstand – wie schätzen Sie die Lage in der Innenstadt ein?

Pieper: Dass die Situation nicht einfach ist, dürfte allen klar sein. Aber wir haben hier sehr viele starke Unternehmer und Persönlichkeiten, die jeder für sich genommen unglaublich viel Potenzial haben. Wir müssen versuchen, diese Potenziale zu bündeln. Unsere Aufgabe ist nun zu schauen, wen wir wo zusammenbringen können.

Bathen: In Buer gibt es viele Vereine, Interessengruppen und Gruppierungen, die gerne etwas umsetzen möchten und dabei auch sehr willensstark sind. Alle wollen etwas für die Stadt tun, aber dabei entsteht Reibung. Es braucht jemanden, der alle Gruppen vereint.

Pieper: Genau, wir müssen das Wollen zu einem gemeinschaftlichen Machen bündeln. Auch wenn alle verschiedene Interessen und Themen haben, ist das Ziel im Grundsatz gleich: Alle wollen Buer und die Innenstadt nach vorne bringen.

 

„Super Feedback von den meisten“

Was steht als erstes auf Ihrer Agenda?

Pieper: Zurzeit machen wir eine Bestandsaufnahme. Mit einigen Interessengruppen haben wir uns bereits getroffen, weitere Treffen stehen an. Dabei geht es darum, was sich die Gruppen wünschen, woran es ihnen fehlt und wie wir sie unterstützen können.

Bathen: Diese Vorgehensweise ist für mich die beste Variante. Wir stellen uns zunächst vor: Hallo, hier sind wir. Wie können wir euch helfen? Von den meisten erhalten wir ein super Feedback. Viele fragen, wie sie uns unterstützen können. Sie möchten uns Rückenwind geben, wenn es darum geht, Projekte und Ideen umzusetzen.

 

Was haben Sie in den Gesprächen erfahren? Wo drückt der Schuh?

Pieper: Der Leerstand ist ein großes Thema. Das ist das erste, in das wir viel Energie stecken werden. Es wird aber nicht kurzfristig zu lösen sein. Wir müssen langfristige Lösungen finden, die das gesamte Gebäude sehen. Es gilt, ein Konzept aufzustellen, das auch über die Hochstraße hinaus eine Besucher-Frequenz schafft.

Bathen: Wenn ein Erdgeschoss leersteht, sieht das zwar gruselig aus – keine Frage. Aber langfristig ist dem Problem mit nur einem Mieter nicht geholfen.

 

„Buer wieder attraktiver machen“

Was können Sie konkret gegen die Leerstände unternehmen?

Pieper: Wir können mit den Immobilien-Besitzern sprechen. Wenn wir Interessenten kennen, können wir vermitteln und helfen. Wir können Unterstützung bei der Stadt suchen. Vielleicht kommt ja eine Förderung infrage. Und wir können neue Konzepte erstellen und vorhandene überarbeiten.

Bathen: Letztlich geht es darum, Buer wieder attraktiver zu machen. Von vielen Bueranern ist zu hören, dass früher alles besser war. Diesen müssen wir die Stadt wieder schmackhaft machen. Es sollte der Ehrgeiz eines jeden Bueraners sein, die Stadt so aufzuwerten, dass auch Menschen aus anderen Städten hierhin kommen.

 

Haben Sie den Eindruck, die Stadt gibt dem Stadtsüden gegenüber Buer den Vorzug?

Pieper: Wir haben solche Erfahrungen bisher nicht gemacht. Ob Stadt oder Stadtmarketing – von allen Seiten wurden wir nett empfangen. Wir sind sehr positiv gestimmt und glauben, dass es eine gute Zusammenarbeit wird.

Bathen: Es geht nicht darum, verschiedene Seiten gegeneinander auszuspielen – unterm Strich haben wir nichts davon. Wir wollen mit allen zusammenarbeiten.

 

„Budget hängt von dem jeweiligen Projekt ab“

Steht Ihnen ein Budget zur Verfügung, um Projekte umzusetzen?

Pieper: Das Budget hängt von dem jeweiligen Projekt ab. Wir müssen schauen, wer dabei mitmacht, wen wir einbeziehen können und welche Fördergelder infrage kommen. Wenn es zum Beispiel darum geht, einen Leerstand zu beleben, würde ein Standard-Budget schnell aufgebraucht sein. Ich glaube, dass wir dabei die nötige Unterstützung von allen Seiten erhalten.

 

Haben Sie sich mit Ihrer Vorgängerin Aylin Gimmerthal ausgetauscht?

Pieper: Wir haben mit ihr telefoniert. Dabei ging es um Formalitäten.

Bathen: Ich finde, sie hat ihre Arbeit gut gemacht. Besonders hat es mich gefreut, dass seinerzeit ein junger Mensch den Posten erhalten hat. Gerade die sozialen Medien haben davon profitiert – darauf können wir nun aufbauen.

 

„Schnellstmöglich zu einer Routine finden“

Wollen Sie an einige Projekte anknüpften, die sie angestoßen hat?

Pieper: Ganz bestimmt, zum Beispiel an die Blumenampeln. Das Projekt Stadtgutschein wollen wir ebenfalls unterstützen.

 

Im Stadtsüden ist Angela Bartelt seit Jahren City-Managerin. Können Sie von ihrer Arbeit lernen?

Pieper: Das können wir. Wir wollen uns bald mit ihr treffen. Uns interessiert vor allem, wie die Kommunikation zwischen Unternehmern und Stadt läuft – da hat sie viel Erfahrung. Auch zu den Förderungen erhoffen wir uns Ratschläge.

Bathen: Wir möchten außerdem von ihr erfahren, wie wir schnellstmöglich zu einer Routine finden. Ich denke, da hat sie gute Tipps für uns.

 

„Hand in Hand arbeiten“

Haben Sie eine Vision von Buer?

Pieper: Die verschiedenen Interessengruppen zu bündeln, steht zunächst an erster Stelle. Alle sollen stolz auf Buer sein. Sie sollen Spaß haben, nach hierhinzukommen und sollen Hand in Hand miteinander arbeiten.  Das wäre unsere Idealvorstellung.

 

Ist diese Vorstellung realistisch?

Pieper: Nach den ersten Gesprächen waren wir positiv überrascht. Am Anfang haben wir viel Negatives gehört. Seid Ihr sicher, dass Ihr das schafft? Ihr wisst schon, worauf Ihr euch da einlasst? Das waren die Bedenken. Doch alle waren hochmotiviert und haben sich gefreut, dass wir frischen Wind reinbringen. Deshalb glaube ich, dass unser Plan funktionieren wird.

 

„Unfassbar viel Potenzial“

Würden Sie den Satz beenden: Buer ist für mich…

Pieper: … unfassbar viel Potenzial.

Bathen: … Heimat. Dafür gebe ich gerne viel, um es hier so schön wie möglich zu machen.

André Przybyl
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