Gelsenkirchen bereitet sich darauf vor, möglicherweise auch größere Gruppen von geflüchteten Menschen aus der Ukraine kurzfristig unterbringen zu können.
Gelsenkirchen bereitet sich darauf vor, möglicherweise auch größere Gruppen von geflüchteten Menschen aus der Ukraine kurzfristig unterbringen zu können.
Luidger Wolterhoff –Foto: Spernol

Die Auswirkungen des Ukraine Krieges sind dramatisch. Immer mehr Menschen flüchten verzweifelt aus ihrer Heimat. Auch in Gelsenkirchen sind bereits die ersten Kriegsflüchtlinge angekommen: 41 befinden sich laut Stadtangaben bereits in Unterkünften oder privaten Wohnungen. Weitere Menschen aus der Ukraine zur Zeit auf dem Weg in die Ruhrgebietsstadt.

Gelsenkirchen bereitet sich weiter darauf vor, möglicherweise auch größere Gruppen von geflüchteten Menschen aus der Ukraine kurzfristig unterbringen zu können. Der Krisenstab der Stadt koordiniert die Planungen, eine neu geschaffene Koordinierungsstelle Ukraine kümmert sich um die Umsetzung. Am Mittwoch gaben Krisenstabsleiter Luidger Wolterhoff, Sozialdezernentin Andrea Henze und Ina Geldermann, Leiterin des Referates Soziales der Stadt, einen Überblick über den Stand der Vorbereitung.

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Unterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine im ehemaligen Kloster

Demnach erwartet die Stadt m Laufe des Donnerstags, 10. März, erwartet  den Bus des Unternehmens Nickel zurück, der zuvor Teil des Gelsenkirchener Hilfskonvois war. Mit an Bord sind derzeit 32 Menschen, von denen rund die Hälfte aber bereits auf dem Rückweg zwischendurch den Bus verlassen wird.

Die Stadt hatte am Sonntag einen Konvoi bestehend aus dem Bus, einem Lkw und einem DRK-Transporter mit Hilfsgütern, Medikamenten und Feldbetten im Gesamtwert von 100.00 Euro an die ukrainische Grenze und in das Kriegsgebiet gebracht. „Wir sind überwältigt von dem vielen Engagement in der Bevölkerung und auch von dem Busunternehmen Nickel. Das alles beruht auf freiwilliger Basis“, sagte Wolterhoff.

Nach ihrer Ankunft sollen die Kriegsflüchtlinge im ehemaligen Kloster St. Maria Himmelfahrt untergebracht werden, wie Sozialdezernentin Andrea Henze erklärte. Dort seien die vorübergehenden Wohnräume möbliert worden. „Wir haben auch viele private Anfragen erhalten, für die wir sehr dankbar sind, jedoch müssen die Menschen vorher eventuell medizinisch versorgt werden“, sagt Henze. „Zudem sind die Familienkonstellationen nicht klar. Wir wissen nicht, wieviele Kinder kommen, wieviele Mütter oder wie groß die einzelnen Familiengefüge sind.“

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Bei der Ankunft seien das Diakonische Hilfswerk, Vertreter der Gemeinde, zwei Dolmetscher sowie Andrea Henze selbst vor Ort. Mit der Ankunft werde auch die erste medizinische Versorgung koordiniert. Die Gemeinde werde sich zudem über das Wochenende um die Versorgung der geflüchteten Menschen kümmern.„Vor allem sollen die Menschen erst einmal ankommen und zur Ruhe kommen“,  betonte Geldermann. Vor Ort wird es auch eine sozialarbeiterische Betreuung geben.

Unter Hochdruck hatten Mitglieder der Pfarrei St. Urbanus die Räumlichkeiten der leerstehenden Kirche St. Mariä Himmelfahrt in Buer und ihrer angrenzenden Gebäude gemeinsam mit städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Ankunft vorbereitet. Ina Geldermann, Leiterin des Referates Soziales, weiß, wer in Gelsenkirchen Zuflucht sucht. „Auch eine erste medizinische Versorgung ist sichergestellt.

Koordinierungsgruppe eingerichtet

So wie in Buer soll es auch ablaufen, wenn weitere Menschen aus der Ukraine nach Gelsenkirchen kommen. „Im Referat Soziales der Stadt wurde eine Koordinierungsgruppe eingerichtet, die möglichst alle Fragen von der Ankunft, über die erste und weitere Unterbringung bis hin zur medizinischen Versorgung und weiteren Punkten im Blick hat“, erklärte Sozialdezernenten Andrea Henze. Derzeit stehen in den Flüchtlingsunterkünften der Stadt rund 200 freie Plätze zur Erstaufnahme zur Verfügung.

Die Emscher-Lippe-Halle wird bis Ende März zur Erstaufnahme von etwa 300 Menschen vorbereitet. Hier kann die Stadt auf Erfahrungen aus dem Jahr 2015 zurückgreifen, als die Halle zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien genutzt wurde. Wie schon 2015 strebt die Stadt eine dezentrale Unterbringung der Menschen in Wohnungen an, über 100 potenziell zur Verfügung stehende Wohneinheiten wurden der Stadt bereits gemeldet.

Impfzentrum an einem anderem Ort

Die Emscher-Lippe-Halle steht damit bereits ab Montag, 14. März, nicht mehr als Impfzentrum zur Verfügung. Das Impfgeschehen wird vorübergehend ausweichen auf die beiden Impfbusse, die auf dem Parkplatz vor der Halle stehen werden. Mittelfristig wird es eine Impfstelle an einem anderen Ort geben. „Jetzt geht es vorrangig darum, die Menschen aus der Ukraine, die vor unserer Tür stehen, aufzunehmen. Das ist jetzt die dringlichste Aufgabe“, sagte Wolterhoff. Noch könne niemand sagen, wie viele Menschen aus der Ukraine kommen und wie lange sie bleiben werden. „Gelsenkirchen hat für weit über 1000 Menschen Platz.“

Laut Geldermann starten am Montag Umbauarbeiten in der Emscher-Lippe-Halle“, erklärte Ina Geldermann, Leiterin des Referates Soziales der Stadt Gelsenkirchen. „Das Impfzentrum wird auf die zwei mobile Impfbusse der Stadt verlegt, die dann fest vor der Halle stehen werden“, erläuterte Geldermann weiter. „Voraussichtlich wird ab dem 28. März die Halle so renoviert sein, dass circa 300 Menschen einen Platz hätten.“

Die Emscher-Lippe-Halle soll dann auch in Zukunft der erste Ankunftsort für Geflüchtete sein. „In erster Linie soll die Halle eine vorübergehende Schlafmöglichkeit bieten, jedoch für keinen langen Aufenthalt genutzt werden“, erklärte Wolterhoff. „Hier sollen die Menschen erstversorgt und dann je nach familiären Begebenheiten in kleinere Unterkünfte oder Wohnungen gebracht werden.“ 

Das private Engagement sei ebenfalls groß, viele Gelsenkirchener würden sich bereit erklären, Geflüchtete aufzunehmen oder würden Wohnungen stellen. „Wir sind sehr dankbar für die große Hilfsbereitschaft. Privatleute werden vorher geprüft, ob eine Unterbringung für Frauen und Kinder sicher ist“, erklärte Wolterhoff. Auch größere Wohnungsunternehmen würden Unterkünfte zur Verfügung stellen. Es gebe am Nordring und der Adenauerallee ebenfalls weitere Wohnungen.

Hotline für Ukrainehilfe

Von der Hilfsbereitschaft der Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener sind Andrea Henze, Ina Geldermann und Luidger Wolterhoff begeistert. So hat der Hilfskonvoi aus Gelsenkirchen medizinische Güter im Wert von rund 100.000 Euro, Feldbetten, Decken und weiteres Material an die ukrainisch/rumänische Grenze gebracht. Der Gelsenkirchener Stadtverordnete Jürgen Hansen wird nun für die Verteilung in der Ukraine sorgen.

Dennoch rät die Stadt davon ab, Hilfsgüter in die Ukraine zu bringen oder Menschen dort abzuholen. Große Organisationen wie etwa das Deutsche Rote Kreuz seien dazu besser geeignet. Wolterhoff: „Diese verfügen über Organisationen vor Ort und  können für die zuverlässige Weiterverteilung Sorge tragen. Nur auf diese Weise ist sichergestellt, dass die Hilfsgüter auch dort ankommen, wo sie benötigt werden.“

Sowohl für die geflüchteten Menschen als auch für solche die Wohnraum oder andere Hilfe anbieten wollen, gibt es eine zentrale Anlaufstelle der Stadt: Die Hotline „Ukrainehilfe der Stadt Gelsenkirchen“ ist unter 169-9000 erreichbar. Per E-Mail können alle Anliegen unter der E-Mail-Adresse ukrainehilfe@gelsenkirchen.de formuliert werden. Alle Angebote werden erfasst und bei Bedarf zielgerichtet abgerufen. Alle relevanten Informationen finden sich auch im Internet.

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