Gelsenkirchen: SPD-Chef Töns hat kein Verständnis für Gerhard Schröder

Von Gerhard Schröder ist bekannt, dass er Anhänger von Borussia Dortmund ist. Dennoch wünscht sich der Gelsenkirchens SPD-Chef Markus Töns, dass sich der Altkanzler endlich den FC Schalke 04 zum Vorbild nimmt.
Gelsenkirchens SPD-Chef Markus Töns, wünscht sich dass sich Altkanzler Gerhard Schröder endlich den FC Schalke 04 zum Vorbild nimmt.
Markus Töns (SPD) in der Schalker Glückauf-Kampfbahn. –Foto: Benno Kraehahn

Von Gerhard Schröder ist bekannt, dass er Anhänger von Borussia Dortmund ist. Dennoch wünscht sich der Gelsenkirchener SPD-Politiker Markus Töns, dass sich der Altkanzler endlich den FC Schalke 04 zum Vorbild nimmt. Denn der Revierverein hat etwas vollzogen, wozu Schröder bislang unfähig scheint: eine klare Distanzierung vom Gazprom. Dabei dürfte Schalkes wirtschaftliche Abhängigkeit vom russischen Staatskonzern ja um ein vielfaches höher gewesen sein als die des 77-jährigen Politik-Ruheständlers Schröder.

Töns: „Hut ab vor Schalke!”

„Hut ab vor Schalke!”, sagte der Gelsenkirchener Bundestagsabgeordnete Markus Töns (SPD) am Dienstag im Gespräch mit Hallo Buer zu der Entscheidung des Fußball-Zweitligisten, sich von seinem Hautsponsor Gazprom zu trennen. „Der Vorstand hat da vorbildlich gehandelt“, betonte Töns.

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Der SPD-Politiker stand nach eigenen Worten bereits im Vorfeld der Entscheidung des Vereins, am vorigen Samstag zunächst in einem Trikot ohne Schriftzug des russischen Staatskonzerns aufzulaufen, in Kontakt mit den Schalker Verantwortlichen. „Das wäre anders auch gar nicht zur vertreten gewesen“, sagte Töns, der selbst bekennender Schalke Fan ist. „Der Abschied von Gazprom war alternativlos. Es wird für den FC Schalke 04 nun hoffentlich nicht schwierig sein, einen Sponsor zu finden, der zu den Werten es Vereins passt.“

„Eklatanter Bruch des internationalen Völkerrechts“

Töns, der stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union des Deutschen Bundestages ist, hatte bereits unmittelbar nach dem russischen Angriff auf die Ukraine am vorigen Donnerstag eine klare Haltung des Westens gefordert. Der vom russischen Präsidenten Waldimir Putin „gestartete Angriffskrieg gegen die Ukraine“ dürfe als „eklatanter Bruch des internationalen Völkerrechts“ von der internationalen Gemeinschaft nicht hingenommen werden.

„Putin zeigt damit sein wahres Gesicht und macht Russland zu einem Aggressor, der im 21. Jahrhundert mit militärischen Mitteln die Grenzen innerhalb Europas verändern will“, sagte er. Töns, der derzeit zu einer Konferenz in Paris weilt, die sich mit der Zukunft der Europäischen Union beschäftigt, zeigte sich zugleich beeindruckt, mit welcher „Solidarität und Handlungsfähigkeit wir Europäer jetzt auftreten und wie sehr wir zusammengerückt sind“. Bei der Tagung in Paris gehe es auch um die „spannenden Fragen einer weiteren Erweiterung der EU“ – gerade auch vor dem Hintergrund des Kriegs gegen die Ukraine.

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Unverständnis bei Töns für seinen Parteigenossen

Um so größer ist das Unverständnis bei Töns für seinen Parteigenossen. Der frühere Bundeskanzler gilt als langjähriger Freund von Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Schröder ist Aufsichtsratschef beim staatlichen russischen Energiekonzern Rosneft. Er hat auch Führungspositionen bei den Pipelineprojekten Nord Stream und Nord Stream 2 inne. Im Februar 2022 wurde bekannt, dass er für einen Posten im Aufsichtsrat von Gazprom nominiert wurde.
In der Causa Schröder nimmt er kein Blatt vor den Mund: „Das geht gar nicht“, sagte er zu Schröders bisheriger Haltung.

„Wir mussten als SPD in der Vergangenheit in dieser Hinsicht bereits vieles Hinnehmen. Jetzt ist aber die Grenze deutlich überschritten“, so Töns. In allen europäischen Ländern gebe es eine klare Haltung zum russischen Angriffskrieg. Nur der Alt-Kanzler bringe einfach keine eindeutige Distanzierung über die Lippen. Für Töns schier unbegreiflich. „Zumindest hat er den Angriff nicht auch noch gutgeheißen“, sagte Töns mit deutlich sarkastisch gefärbten Unterton. „Gerhard Schröder hat sich viele Verdienste erworben. Das reißt er nun alles selbst nieder.“

Gerhard Schröder hatte 2007 übrigens auch den Schalker Deal mit Gazprom mit auf den Weg gebracht.

Boris Spernol
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