Gelsenkirchen: Zwei neue Angebote für Wohnungslose

Gelsenkirchen: Zwei neue Angebote für Wohnungslose

Mit zwei neuen Angeboten wollen die Stadt Gelsenkirchen und der Gelsenkirchener Caritasverband wohnungslosen Menschen helfen. Im Rahmen einer Landesinitiative wird erstmals ein Projekt für wohnungslose Frauen umgesetzt.
Mit zwei neuen Angeboten wollen die Stadt Gelsenkirchen und der Gelsenkirchener Caritasverband wohnungslosen Menschen helfen. Im Rahmen einer Landesinitiative wird erstmals ein Projekt für wohnungslose Frauen umgesetzt.

Kann Leben retten: Der Sheltersuit schützt auch bei extremen Temperaturen vor Kälte. Foto: Stadt Gelsenkirchen/Gerd Kaemper

„Während die Landesinitiative ‚Endlich ein Zuhause‘ wohnungslosen Menschen zu einer Wohnung verhelfen soll, sind die sogenannten Sheltersuits ein Kälteschutz für Menschen, die selbst bei eisigen Temperaturen draußen übernachten“, erklärt Dietmar Klobuschinski, Abteilungsleiter Flüchtlinge und Wohnungslose im Referat Soziales der Stadt Gelsenkirchen.

Die Landesinitiative wird mit Geldern des Europäischen Sozialfonds kofinanziert, um „Kümmerer-Projekte“ zu ermöglichen. „Menschen, die wohnungslos sind oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind, werden Ansprechpersonen zur Seite gestellt, die mit Rat und Tat unterstützen“, erklärt Klobuschinski. „Sie vermitteln dabei auch zwischen den betroffenen Menschen und Wohnungsunternehmen oder Einzelvermietern bei den unterschiedlichsten Problemen.“

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Erstes Projekt für wohnungslose Frauen

In Gelsenkirchen kümmert sich seit April im Auftrag der Stadt die Caritas um Frauen, die wohnungslos oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind. „Das Projekt ‚Endlich ein Zuhause‘ ist das erste frauenspezifische Projekt innerhalb der hiesigen Wohnungslosenhilfe“, berichtet Bernd Miny, Teamleiter Wohnungslosenhilfe beim Caritasverband. „Das Ziel der Hilfe ist die Anmietung oder der Erhalt einer Wohnung, aber auch die Abwendung drohender Wohnungslosigkeit, wenn das bestehende Mietverhältnis gefährdet ist.“

Etwa 30 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen ohne feste Wohnung sind Frauen, schätzt der Bundesverband Wohnungslosenhilfe. Doch auf der Straße sind sie kaum sichtbar. „Bei Frauen spricht man von einer verdeckten Wohnungslosigkeit. Sie wollen nicht als wohnungslos identifiziert oder stigmatisiert werden. Sie suchen Unterschlupf bei Freundinnen oder Bekannten, gehen sogenannte Zwangsgemeinschaften ein, um ein Dach über dem Kopf zu haben“, weiß Bernd Miny.

Drei Sozialarbeiterinnen kümmern sich um Frauen

Für das Projekt werden aus Mitteln der Landesinitiative zwei Stellen finanziert, die mit drei Sozialarbeiterinnen besetzt sind. Der städtische Eigenanteil beträgt maximal 48.000 Euro. Samantha Davies und Angelique Schwarzbeck arbeiten im Süden der Stadt, Nina Kapluck kümmert sich um Frauen im Norden der Stadt.

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„Bei einem aktuellen Fall konnte ich einer alleinerziehenden Mutter helfen, die mit ihren Kindern in einer Wohnung mit Schimmelbefall lebte, in der nur noch ein Raum nutzbar war. Wir konnten aber eine andere Wohnung finden.“ gibt Samantha Davies einen Einblick in ihre Arbeit. Zu der gehört es auch, wohnungssuchende Frauen zu Wohnungsbesichtigungen zu begleiten. Die Sozialarbeiterin beobachtet derzeit, dass die hohen Energiekosten zu einem Problem werden und es daher zu Mietrückständen und zu Kündigungen kommen kann.

Caritas konnte bisher 31 Frauen helfen

Bislang konnte die Caritas 31 Frauen helfen. Sechs Frauen wurden durch Einzelberatungen unterstützt, bei den anderen Frauen war oder ist die Hilfe über eine längere Zeit nötig. Rund 40 Prozent der unterstützen Frauen haben mindestens ein minderjähriges Kind. Im Schnitt dauert es zwei Monate bis zur Anmietung einer Wohnung.

Eine Soforthilfe für wohnungslose Menschen bietet der Sheltersuit.  „Ein Sheltersuit ist eine wind- und wasserdichte Jacke mit Kapuze und eingebautem Schal, die sich durch einen Aufsatz in einen Schlafsack verwandeln lässt. Er besteht aus hochwertigem, atmungsaktivem Zeltstoff“, erklärt Dietmar Klobuschinski. Zum Schutz vor Nässe und Kälte stellt die Stadt Gelsenkirchen obdachlosen Menschen insgesamt 50 dieser besonders kälte- und nässeresistenten Schlafsäcke zur Verfügung. Die Sheltersuits werden vom Caritasverband (Weißes Haus in Buer, Wilhelm Sternemann Haus in der Altstadt), der Diakonie (Regenbogenhaus in Horst), Arzt Mobil und auch vom Verein Warm durch die Nacht ausgegeben. Auch im Männerübernachtungsheim in der Caubstraße und in den Frauenräumen am Nordring gibt es Sheltersuits.

Sheltersuit wird von ehemals Obdachlosen hergestellt

„Rund 300 Euro kostet ein Sheltersuit. Hergestellt wird er von ehemals obdachlosen oder geflüchteten Menschen aus recycelten, gespendeten oder gesammelten Schlafsäcken und Decken von Festivals oder Restprodukten aus der Modebranche“, berichtet Klobuschinski. Finanziert wurden die Sheltersuits aus einem an die Stadt Gelsenkirchen gespendeten Nachlass für arme Menschen in der Stadt.