Die Gewinner des Gelsenkirchener Ehrenamtspreises 2020 stehen fest: In diesem Jahr werden junge Engagierte ausgezeichnet.

Salah Al-Ali, Hüseyin Özdemir, Rebecca Woldt sowie die Freiwilligen in der AG „Jung trifft Alt“ der Gesamtschule Erle, die Mitglieder der Evangelischen Jugend Emmaus und die in der Initiative Foodsharing Gelsenkirchen Engagierten erhielten den Gelsenkirchener Ehrenamtspreis. Die Auszeichnung wird von der Sparkasse gestiftet und ist mit insgesamt 6.000 Euro dotiert. Das Motto des diesjährigen Wettbewerbs lautete „Jung und engagiert in Gelsenkirchen“ und richtete sich an 14- bis 27-Jährige.

Große Brandbreite der Ehrenämter

Groß war in diesem Jahr wieder die Zahl der Bewerbungen, ebenso groß die Bandbreite der Ehrenämter: von der Altenpflege über den Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr bis zum Engagement für den Klimaschutz. Aus dem Sport, der Kinder- und Jugendarbeit und der Flüchtlingshilfe kam allerdings der Hauptteil der Bewerbungen. „Die Auswahl war keine leichte Aufgabe für die Jury“, so Karina Wrona, Vorsitzende der Ehrenamtsagentur, „denn eigentlich hätte jeder Engagierte einen Preis verdient.“ Wichtigste Kriterien waren die Nachhaltigkeit und der Umfang des Engagements sowie die langfristige Wirkung auf die Lebensqualität und den Zusammenhalt in Gelsenkirchen.

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Die Preisverleihung war in einem großen Rahmen im Hans-Sachs-Haus geplant. Aber Corona hat auch in diesem Fall einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Das ist sehr schade“, so Oberbürgermeisterin Karin Welge, „denn es ist ja unser Ziel, die Engagierten einmal ins Rampenlicht zu bringen und auf ihre freiwilligen Leistungen aufmerksam zu machen.“ Auch Bernhard Lukas, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Gelsenkirchen, bedauert, dass er in diesem Jahr nicht persönlich gratulieren kann. „Alle Preisträger werden ein Glückwunschschreiben erhalten sowie Urkunden und Pokale“, erklärt Lukas. Das Preisgeld werde auf die sechs Preisträger aufgeteilt (500 Euro für Einzelpersonen und 1.500 Euro für die Projekte der Gruppen). Die diesjährigen Preisträger sind:

Engagement im DGB-Haus der Jugend

Salah Al-Ali ist 2015 aus Syrien nach Deutschland geflohen. Im DGB-Haus der Jugend fand er eine Anlaufstation und vieles, was er für den „Neustart“ in Deutschland brauchte: von Sprachtipps bis zur Begleitung bei Behördengängen. Wissbegierig nahm er alle Anregungen und Hilfsangebote an – mit großem Erfolg: So hat er inzwischen zum Beispiel einen Ausbildungsplatz gefunden. Aber er gibt auch zurück, was er an Hilfe empfangen hat. Seit 2017 engagiert er sich selbst im DGB-Haus der Jugend – vor allem in der Kinder- und Jugendarbeit. Auch bei Veranstaltungen und diversen Projekten können die Mitarbeiter dort auf ihn zählen. Sie schätzen seine offene und hilfsbereite Art, die es ihm leichtmacht, Zugang zu den Menschen zu finden.

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Wasserball gehört in Deutschland zu den Randsportarten, im Fernsehen kommt er so gut wie gar nicht vor. Kein Wunder, dass die Vereine unter Nachwuchssorgen leiden. Umso bewundernswerter ist die Leistung von Hüseyin Özdemir: Quasi aus dem Nichts gelang es dem jungen Wasserballer, eine Wasserball-Jugend aufzubauen. Wie er das geschafft hat? Vor allem durch unermüdliches Werben für seinen Sport und durch die Weitergabe seines Wissens an die Nachwuchssportler. So betreut er die Teams, die er aus dem Boden gestampft hat, seit 2009 selbst als Trainer. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass es ihm gelungen ist, Jugendliche mit Migrationshintergrund in diese Teams zu integrieren. Das ist noch eher eine Seltenheit in der deutschen Wasserball-Landschaft. Hüseyin Özdemir ist es zu verdanken, dass der Wasserballsport eine Zukunft in Gelsenkirchen hat.

Jede freie Minute beim oder für den PSV

Im Alter von sechs Jahren begleitete sie ihre Eltern zum ersten Mal zur Badminton-Abteilung des Polizeisportvereins Gelsenkirchen (PSV). Sofort war ihre Begeisterung geweckt: Von da an verbrachte Rebecca Woldt jede freie Minute beim oder für den PSV: Seit 2012 ist sie als Trainerin aktiv, 2017 erwarb sie die Schiedsrichterlizenz und absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Badminton Landesverband NRW. Anschließend übernahm die Jugendwartin auch noch einen Vorstandsposten beim PSV. In einer Zeit, in der Vereine händeringend nach Vorstandsnachwuchs suchen, ist das ein bemerkenswerter Schritt. So sorgt sie schon in jungen Jahren für den Fortbestand der Vereinsführung.

Menschen unterschiedlicher Generationen finden häufig nicht mehr zu einem Dialog zusammen. Dabei können sie so viele wichtige Erkenntnisse von- und miteinander gewinnen. Diese Erfahrung haben auch die Teilnehmer der AG „Jung trifft Alt“ der Gesamtschule Erle gemacht. Sie engagieren sich in besonderer Weise für die Bewohner des AWO-Seniorenzentrums Gelsenkirchen-Buer und investieren viel Zeit, um den alten Menschen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Auch die Corona-Pandemie hat sie nicht davon abhalten können: Als die Einrichtung komplett geschlossen war, machten die Schülerinnen und Schüler mit Briefen und Telefonaten Mut. Für Begeisterung sorgten im heißen Sommer selbst entworfene und gebastelte Sonnenhüte. Mit Balkon-Aktionen – vom Maisingen über Wunschkonzerte bis zu Rätselnachmittagen – sorgten die Schülerinnen und Schüler für Abwechslung.

Ehrenamtliche bringen sich Ideen und Tatendrang ein

Die Welt der Medien bietet Kindern und Jugendlichen heute unzählige Angebote, die vielleicht zahlreiche kognitive Fähigkeiten fördern, aber vor allem eines zu kurz kommen lassen: das Zusammenleben in der Gemeinschaft, das Lernen und die Weiterentwicklung in der direkten Begegnung mit anderen. Umso wichtiger sind die vielen Initiativen der Kirchengemeinden, die den Gemeinschaftssinn auf vielfältige Weise fördern. Dabei sticht die Evangelische Jugend Emmaus heraus. Seit 2010 bietet sie ein umfangreiches Programm von jungen Menschen für junge Menschen. Die jungen Ehrenamtlichen aus der Gemeinde bringen sich aktiv mit eigenen Ideen und Tatendrang bei den unterschiedlichen Gruppenaktivitäten ein, unterstützen die Leitung der Gruppen und helfen bei Veranstaltungen – vom Catering bis zur Technik.

Seit 2016 gibt es die junge Initiative Foodsharing in Gelsenkirchen. Die Foodsaver bekämpfen die Lebensmittelverschwendung in der Stadt. Mit Erfolg: Über 22 Tonnen an Lebensmitteln haben sie bereits „gerettet“. Zurzeit kooperiert die Initiative mit sechs Betrieben. Tagtäglich fahren die Foodsaver dorthin, holen eigentlich für die Entsorgung bestimmte Lebensmittel ab und verteilen sie an öffentlichen „Fairteilerstellen“. Dort kann sich jeder bedienen, denn es geht in erster Linie darum, Lebensmittel für den Verzehr zu nutzen und nicht unnötig wegzuwerfen. So tragen die Foodsaver auch zur Schonung von Ressourcen bei, da die Verschwendung bereits beim Anbau anfängt und sich über die Weiterverarbeitung bis zum Transport fortsetzt. Insofern ist dieses nachhaltige Engagement besonders bemerkenswert.

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