Es bleibt deprimierend für Suat Serdar, Michael Langer (l.), Benjamin Stambouli und Co: Schalke verlor in Stuttgart mit 1:5. Foto: Rabas (Archiv)

Schalke: Die nächste Pleite – 1:5 in Stuttgart

Der nächste schlimme Samstag für Schalke: Erst die Revolte-Gerüchte um Trainer  Christian Gross, dann die 1:5-Niederlage beim VfB Stuttgart. Zum Teil war es zum Fremdschämen, welches Bild die Königsblauen an diesem Spieltag boten.

Nachdem, veröffentlicht durch “Sky”, das Gerücht die Runde gemacht hatte, Schalker Führungsspieler hätten Sportvorstand Jochen Schneider um die sofortige Ablösung von Trainer Gross gebeten, raffte ich der Klub entgegen sonstigen Gepflogenheiten nur zu einem recht halbherzigen Dementi auf. Schneider, was seine Pflicht gewesen wäre, trat vor dem Spiel nicht mal selbst vor die Sky-Kamera, sondern überließ diesen extrem wichtigen Auftritt Lizenzspielkoordinator Sascha Riether. Schwach. Denn eine Stellungnahme zu dieser Pulverfass-Meldung wäre Chefsache gewesen – selbst wenn Schneiders vorzeitiger Weggang am Saisonende schon feststeht.

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Schwäche bei Gegner-Eckbällen macht sprachlos

Genau so peinlich präsentierten sich die Königsblauen dann auch im Spiel: Dabei hatten die Gäste, bei denen Shkodran Mustafi und Omar Mascarell im Vergleich zur 0:4-Packung im Derby neu in die Startelf gerückt waren, die erste Großchance des Spiels. Doch nach feiner Flanke von Timo Becker scheiterte Amine Harit an Stuttgarts Torhüter Gregor Kobel.

Es ist völlig müßig, darüber zu disktieren, wie das Spiel gelaufen wäre, hätte Harit seine Chance verwandelt. Fakt ist: Danach folgte eine halbe Stunde, die eine Ohrfeige ins Gesicht eines jeden S04-Fans war, der noch irgendwie auf den Klassenerhalt hofft. Stuttgart spielte die Blau-Weißen vor sich hin, vor allem gegen Silas Wamangituka auf der rechten Seite des Aufsteiger fand vor allem Sead Kolasinac kein Mittel.

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Schalke war schon früh am Endo…

Bei ihrer Standardschwäche blieben sich die Gäste treu: Die Gegentore eins und zwei fielen nach Eckbällen, bei denen es schwierig war, den einen Schalker Schuldigen ausfindig zu machen – die komplette Strafraum-Besetzung schien sich geradezu zu weigern, den Ball irgendwie zu klären. Profiteur war zweimal Waturo Endo, der so seine ersten beiden Bundesliga-Tore erzielte (10./25). Das 3:0 für den VfB fiel dann im Anschluss an eine bereits abwehrte Ecke, diesmal war Sasa Kalajdzic per Kopf erfolgreich, ohne dass er von irgendeinem Schalker intensiv daran gehindert worden wäre (35.).

Bester Schalker bis dahin war Michael Langer, der zwei gute Paraden zeigte für eine Mannschaft, die sogar noch Glück hatte, dass der gut mögliche Elfmeter-Pfiff nach einer Attacke von Malick Thiaw gegen Wamangituka im Strafraum ausblieb. Immerhin: Ausgerechnet Sead Kolasinac, bis dahin im Prinzip ein Totalausfall, erzielte in der 40. Minute das 3:1 für Schalke, als der VfB gedanklich schon einen Gang zurückgeschaltet zu haben schien.

Hoffnung durch Tor von Kolasinac

Aber Schalke blieb wenigstens halbwegs am Drücker: Nachdem Langer in der 52. Minute noch einen Schuss von Orel Managua entschärft hatte, gelang es den Gästen tatsächlich, ein wenig Druck auf den VfB auszuüben, ohne das Tor der Schwaben in Bedrängnis bringen zu können. Trotzdem gab es einen Moment der Hoffnung, Schalke könne die Wende doch noch schaffen.

In der 72. Minute gab es nämlich Elfmeter für Schalke, nachdem Amine Harit von Marc Oliver Kempf gefoult worden war. Die Chance zum 2:3 war also da. Der eingewechselte Nabil Bentaleb. trat an – und scheiterte an Kobel, der sich dafür gar nicht mal groß zu strecken brauchte. Diese Szene war möglicherweise sinnbildlich für Schalkes Saison und auch für den Auftritt in Stuttgart.

Sinnbildlich: Bentaleb verschießt Elfmeter

Doch trotz des deprimierenden Vorfalls steckte Schalke nicht auf, hatte durch Alessandro Schöpf und Suat Serdar sogar noch zwei gute Chancen. Aber die nächsten Tore erzielte der VfB: Wie frei und ungestört die Torschützen Philipp Klement in der 88. Minute und Daniel Didavi in der Nachspielzeit zu ihren Torschüssen kamen, spottete dann allerdings schon wieder jeder Beschreibung.

Die Position von Trainer Christian Gross dürfte dieses Spiel an seiner alten Wirkungsstätte jedenfalls nicht unbedingt gestärkt haben: In zehn Bundesliga-Spielen hat er nun ganze fünf Punkte geholt. Da braucht es keine Spieler-Revolte, um über den tieferen Sinn seiner Verpflichtung zumindest nachzudenken.

Auch ohne Revolte: Gedanken über Gross sind zulässig

Wer noch immer den Abstand zur Konkurrenz nachrechnet: Immerhin war auf den BVB und die Bayern Verlass. Sie schlugen Arminia Bielefeld bzw. den 1. FC Köln. Aber es ist wieder ein Spieltag weniger geworden. Und Schalke liefert nichts, was hoffen lässt. Das Argument, man habe sich nach dem 0:3 ja gewehrt, zieht nicht: Das ist zum einen Profi-Pflicht, und zum anderen kam das Aufbäumen viel zu spät.

Norbert Neubaum
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