Steigende Energiepreise: Tipps gegen die Kostenexplosion

Bei Temperaturen um die 30 Grad scheint der Winter weit entfernt. Doch er kommt – und mit ihm Gasknappheit und steigende Energiekosten. Die Verbraucherzentrale Gelsenkirchen gibt Tipps, um der Kostenexplosion Herr zu werden. 
Bei Temperaturen um die 30 Grad scheint der Winter weit entfernt. Doch er kommt – und mit ihm Gasknappheit und steigende Energiekosten. Die Verbraucherzentrale Gelsenkirchen hat Tipps parat, um der Kostenexplosion Herr zu werden.
Symbolfoto: Thomas Breher auf Pixabay

 

Laut Norbert Mohr, Energieberater der Verbraucherzentrale Gelsenkirchen, ist beim Thema Heizen entscheidend, mit einigen weit verbreiteten Irrglauben aufzuräumen: „Wenn die Leute etwa tagsüber die Heizung auslassen und dann abends nach Hause kommen, drehen sie direkt voll auf“, erklärt er. „Deswegen wird es aber nicht schneller in der Wohnung warm.“ Im Gegenteil: Häufig bemerken die Bewohner zu spät, dass es deutlich zu heiß ist. Ferner sei es ratsam, die Türen zwischen beheizten und unbeheizten Zimmern zu schließen. „Sonst kann die feuchte Luft aus Küche und Wohnzimmer in das kühle Schlafzimmer kommen, wodurch nicht nur Wärme verschwendet wird, sondern auch Schimmel entstehen kann“, sagt Mohr.

Ein weiterer Tipp: Geräte überprüfen und gegebenenfalls austauschen. „Strom wird zu 100 Prozent in Wärme umgewandelt“, erklärt der Experte. „Läuft ein Gerät also heiß, zieht es Strom. Wenn das beispielsweise bei einem Laptop zutrifft, ist es eventuell ratsam, diesen auszutauschen“. Außerdem rät er dazu, die Heizungspumpe regelmäßig prüfen zu lassen. Auch hier sei es mitunter „wirtschaftlich und energiepolitisch sinnig“, einen Austausch vorzunehmen. 

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Keine Scheu mit dem Vermieter zu sprechen

Für Mieter sei wichtig, sich mit dem Vermieter abzusprechen. Dabei solle niemand Scheu haben: „Keller und Dachboden müssen nicht beheizt werden. Ist dies der Fall, kann der Mieter das ruhig ansprechen“, findet Mohr. Zudem müssen die Wärmeleitungen im Keller grundsätzlich gedämmt sein. Leider sei dies „in der Realität nicht immer so“. Auch hier sei das persönliche Gespräch ratsam. 

Eine genau Prognose auf die Preiserhöhungen, die auf die Bundesbürger zukommen, möchte Mohr nicht geben. Das ließe sich nicht so einfach sagen. Klar ist nur: „Die Kosten werden definitiv steigen.“ Darum sei es neben Gründen des Klimas durchaus ratsam, auf erneuerbare Energien zu setzen, sobald sich die Möglichkeit ergebe.

Sonnenkraftwerke für Balkon und Terrasse

„Stecker-Solargeräte können eine dauerhafte Lösung für viele Menschen sein“, sagt Mohr. Die kleinen „Sonnenkraftwerke für Balkon und Terrasse“ bestehen aus ein bis zwei Standard-Solarmodulen und einem Wechselrichter, der den Gleichstrom der Anlage in 230-Volt-Wechselstrom für den Haushalt umwandelt. „Damit lassen sich jährlich, pro Modul und je nach Standort, bis zu 300 Kilowattstunden Strom erzeugen. Bei einem Zweipersonenhaushalt ist das ungefähr der Jahresverbrauch einer Spül- oder Waschmaschine“, erläutert der Energieexperte. „Reicht der selbst produzierte Strom für den Betrieb nicht aus, fließt Strom aus dem öffentlichen Stromnetz hinzu. Für die Installation der Geräte ist allerdings die Zustimmung der Vermieter oder der Eigentümergemeinschaft notwendig.“ Vor der Inbetriebnahme eines Stecker-Solargeräts sollten Mieterinnen und Mieter die technische und wirtschaftliche Perspektive klären. Wichtig sei insbesondere, sowohl auf die Transparenz von Angeboten und Marktpreisen zu achten als auch den möglichen Standort der Anlage bezüglich der Sonnenscheindauer zu prüfen.

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Hauseigentümerinnen und -eigentümer können mit einer Photovoltaikanlagen (PV-Anlage) auf dem Dach Solarstrom in größeren Mengen erzeugen und selbst verbrauchen. Überschüssiger Solarstrom wird ins Netz eingespeist, wofür es eine Einspeise-Vergütung gibt. „Für die effiziente technische und wirtschaftliche Nutzung der eigenen PV-Anlage sind wichtige Rahmenbedingungen vorab zu prüfen“, erklärt Norbert Mohr. „Es sollte beispielsweise eine möglichst verschattungsfreie Dachfläche vorhanden sein. Zudem spielt die richtige Größe der Anlage, aber auch Möglichkeiten der sogenannten Sektorkopplung, also der Einsatz von Batteriespeichern, die Kombination mit einer Wärmetechnologie (Warmwasser, Wärmepumpe) oder der Betrieb einer Ladesäule für Elektroauto und E-Bikes, eine wichtige Rolle.“

Energieberater: „Grenzen des Energiesparens werden ausgelotet“

Im Rahmen der Kampagne „Sonnenklar – Solarstrom nutzen, wie es für dich passt“ der Verbraucherzentrale NRW bietet Energieberater Mohr ein kostenloses Online-Seminar am Dienstag, 9. August, von 17 bis 18.30 Uhr mit Informationen und Ratschläge rund ums Thema an. Die Anmeldung dazu ist möglich unter www.verbraucherzentrale.nrw/sonnenklar/veranstaltungen. „Wir kommen auf Zeiten zu, in denen die bisherigen Grenzen des Energiesparens ausgelotet werden“, erklärt Mohr. „Darauf müssen wir uns rechtzeitig einstellen.“

Johannes Wenzel
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