Anlässlich der Deportation von jüdischen Mitbürgern von Gelsenkirchen nach Riga wurde am Wildenbruchplatz eine Gedenktafel enthüllt. Foto: Toussaint

Warum der FC Schalke 04 mehr als ein Fußballverein ist

Am 27. Januar 1942 wurden mehr als 500 Juden aus Gelsenkirchen nach Riga. Zur Erinnerung an die verschleppten Mitbürger wurde am Donnerstag am Wildenbruchplatz eine Gedenktafel enthüllt.

Schalke 04 ist nicht nur ein Fußballverein. Das beweist der Traditionsclub Jahren mit gesellschaftspolitischen Initiativen, die auch dunkle Kapitel der deutschen Geschichte im Allgemeinen und der Schalker Historie im speziellen nicht aussparen.

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Erinnert sei in diesem Zusammenhang nur an die Aufarbeitung der Schalker Geschichte im Nationalsozialismus, die Vorbildcharakter für viele andere Bundesligisten hatte. Auch der Antirassismus-Paragraf in der Schalker Satzung von 1993 gehört in diesen Zusammenhang.

Welge lobt Schalker Arbeitsgruppe

Nun haben Schalker Fans im Rahmen der von ihnen gegründeten „Arbeitsgruppe Wildenbruchplatz“ eine Gedenktafel mit allen Namen der jüdischen Mitbürger entworfen, die vor 80 Jahren aus Gelsenkirchen nach Riga verschleppt wurden.

Von den rund 500 Personen kamen ungefähr 350 Gelsenkirchen, dazu weitere unter anderem aus Recklinghausen, Bottrop, Gladbeck, Herten und Marl. Sie wurden in den frühen Morgenstunden bei Temperaturen von minus zehn Grad und kälter in den Zug in Richtung Osten gezwungen. Fünf Tage dauerte die Fahrt, schon unmittelbar nach der Ankunft in Riga begann das Morden.

Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Karin Welge enthüllte bei einem Ortstermin, an dem u.a. auch Schalkes Finanzchefin Christina Rühl-Hamers und die Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Gelsenkirchen, Judith Neuwald-Tasbach teilnahmen, die Gedenktafel und bedankte sich bei der Schalker Arbeitsgruppe für ihr großes Engagement, das in enger Zusammenarbeit mit dem Schalker Fanprojekt, Schalke 04 und dem Institut für Stadtgeschichte zustande kam.

Weitere Projekte sind geplant

Welge: „Nur selten finden wir so kenntnisreiche und engagierte Partner wie bei diesem Projekt“. Ein QR-Code auf der Tafel ermöglicht es mit dem Smartphone weitere Informationen zur Deportation, ihren Opfern und den Tätern.
„Keine Frage: Hier am Wildenbruchplatz, wo vor 80 Jahren jüdische Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt und auch aus den Nachbarstädten zuerst zusammengepfercht und dann nach Riga deportiert wurden, fast alle in den sicheren Tod – da müssen wir gedenken. Da müssen wir und da müssen auch künftige Generationen wissen, was geschehen ist und was nie wieder geschehen darf“, führte die Oberbürgermeisterin weiter aus.

Weitere Projekte sind geplant​Schalke arbeitet schon länger mit dem Institut für Stadtgeschichte zusammen. Bei der Kooperation mit der Schalker Arbeitsgruppe wurde gezielt mit den Methoden der „Citizen Science“ gearbeitet. Das bedeutet, es gilt eine fruchtbare Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wissenschaftslaien. Weitere gemeinsame Projekte sind in Planung.

Der 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Er ist auch der Jahrestag der Befreiung der Überlebenden des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz 1945 durch Soldaten der Roten Armee.

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