Gedenken
Oberbürgermeisterin Karin Welge und Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, im Gedenken vor der neuen Synagoge. Foto: Stadt Gelsenkirchen

Alljährlich am 9. November wird den Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung im Jahr 1938 gedacht – in Gelsenkirchen aufgrund der Pandemie nur im kleinen Kreis. Doch virtuell ist die Veranstaltung für alle Gelsenkirchener zugänglich.

„Viele Veranstaltungen mussten und müssen in diesem November ausfallen. Das Gedenken am 9. November aber, das war uns sehr rasch klar, das darf nicht ausfallen. Nicht in diesem Herbst. Nicht bei dieser Stimmungslage“, erklärte Oberbürgermeisterin Karin Welge in ihrer Gedenkrede zum 9. November.

Veranstaltung vor der Neuen Synagoge aufgezeichnet

Entgegen ursprünglicher Planungen hatte die Demokratische Initiative angesichts der sich weiter verschärfenden Corona-Pandemie in diesem Jahr keine öffentliche Kundgebung zum Gedenken an die Pogrome in der sogenannten Reichsprognomnacht durchgeführt. Stattdessen wurde die Veranstaltung im engsten Kreis auf den Nachmittag vorgezogen und vor der Neuen Synagoge aufgezeichnet. Zum eigentlichen Termin um 18.30 Uhr stand das Gedenken als Videomittschnitt allen Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchenern auf den Social-Media-Kanälen und der Homepage der Stadt zur Verfügung. Die Demokratische Initiative hatte zudem angeregt, dass zeitgleich möglichst viele Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener als Symbol des Erinnerns und Gedenkens ein Licht in ein einer Straße zugewandtes Fenster stellen.

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Rabbi Chaim Kornblum sagte zu Beginn das Kaddisch (Gebet der Trauernden). Nach einem Musikbeitrag erinnerte Welge an die Ereignisse und die Opfer des Pogroms vom 9. November 1938. „Der 9. November macht uns deutlich: Wir müssen Verantwortung übernehmen und Gesicht zeigen, heute und in Zukunft – gegen Antisemitismus und Rassismus, gegen Stammesdenken, Diskriminierung und Gewalt. Und wir müssen einstehen, jeden Tag neu, für ein gewaltloses und friedfertiges Miteinander, für Respekt, für eine gute Diskussionskultur – kurz: für unsere Demokratie“, erklärte die neue Oberbürgermeisterin. Welge schloss mit den Worten: „Diese Aufgabe wird uns lange begleiten. Sie ist kein Selbstläufer, eine rasche Lösung wird es nicht geben. Aber ich weiß: Obwohl wir heute hier vor der Neuen Synagoge nur in einem sehr kleinen Kreis zusammenkommen, werden sich sehr viele Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchen daran beteiligen – und nicht nur Menschen aus unserer Stadt. Und dafür, für Ihren Einsatz und für Ihre Haltung, danke ich Ihnen sehr herzlich.“ Die Veranstaltung endete nach einem Moment der Stille mit dem Moorsoldatenlied.

Novemberprogrom vorläufiger Höhepunkt der Hetze

Seit 1964 gedenken die Menschen in Gelsenkirchen jedes Jahr am 9. November der Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung im Jahr 1938. Seit 1933 waren jüdische Deutsche durch zahlreiche antisemitische Übergriffe bedroht und an den Rand der Gesellschaft gedrängt worden. Die Novemberpogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November waren der vorläufige Höhepunkt dieser andauernden Hetze. Was die Nationalsozialisten zynisch „Reichskristallnacht“ nannten, war ein Schlüsselereignis der Gewalt- und Verbrechensgeschichte des Dritten Reiches“

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Die Erinnerung an die Novemberpogrome von 1938 steht für die Entschlossenheit, solche Entwicklungen entschlossen zu bekämpfen. Die Demokratische Initiative hofft, im November 2021 wieder zur Ursprungsform von Gedenkzug und Kundgebung zurückkehren zu können. Sie ruft alle Menschen in Gelsenkirchen auf, jeder Form von Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt entschieden entgegenzutreten. Der Film von der Gedenkveranstaltung ist zu sehen unter www.gelsenkirchen.de.

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