Auf dem Wildenbruchplatz in Gelsenkirchen haben am Donnerstag über 50 Menschen der im Zweiten Weltkrieg deportierten Juden gedacht.
Mit einem Schweigemarsch vom ehemaligen Güterbahnhof zum Wildenbruchplatz wurde der deportierten Juden gedacht. Foto: Stadt Gelsenkirchen/ Gerd Kaemper/ www.gkfoto.de

Gelsenkirchen: Gedenkveranstaltung erinnert an deportierte Juden

Auf dem Wildenbruchplatz in Gelsenkirchen haben am Donnerstag über 50 Menschen der im Zweiten Weltkrieg deportierten Juden gedacht.

Auf dem Wildenbruchplatz in Gelsenkirchen haben sich am Donnerstag über 50 Menschen bei regnerischem Wetter zum Gedenken versammelt. Sie gedachten der Menschen, denen an diesem Platz vor 80 Jahren Unmenschliches angetan wurde, „das niemals hätte geschehen dürfen“, erklärte Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Karin Welge in ihrer Rede.

Wildenbruchplatz seit Januar Erinnerungsort

Seit dem 27. Januar dieses Jahres ist der Wildenbruchplatz ein Erinnerungsort, auf dem eine Tafel daran erinnert, dass hierhin mehrere hundert Menschen jüdischen Glaubens aus Gelsenkirchen, dem nördlichen Ruhrgebiet und dem Münsterland gebracht wurden. Sie wurden  eingesperrt und in die Ghettos von Riga, Warschau und Theresienstadt transportiert. Die meisten von ihnen wurden in Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet.

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Der 31. März wurde zum Gedenken gewählt, weil an diesem Tag vor 80 Jahren weitere Menschen aus Gelsenkirchen deportiert wurden. Vom damaligen Gelsenkirchener Güterbahnhof wurden 42 Menschen ins Warschauer Ghetto deportiert. Niemand von ihnen überlebte. Mit einem Schweigemarsch vom ehemaligen Güterbahnhof zum Wildenbruchplatz wurde ihrer gedacht.

Welge: „Gedenken müssen wir selbst leisten“

In ihrer Rede verdeutlichte Oberbürgermeisterin Welge, dass Gedenktage und Erinnerungsorte nur ein Anstoß seien: „Das Erinnern und Gedenken müssen wir selbst leisten.“ Doch die Oberbürgermeisterin betonte auch, dass es nicht beim Gedenken und Erinnern bleiben dürfe. Denn wie wenig vergangen unsere Vergangenheit sei und wie notwendig es sei, sich mit ihr zu beschäftigen, zeige der Krieg in der Ukraine: „Putins krude Kriegsbegründung – die Ukraine sei keine eigenständige Nation, die ukrainische Staatsführung sei durchsetzt mit Nazis – die macht deutlich: Es ist wichtig, sich mit der Geschichte zu beschäftigen. Aber nicht, um Rechtfertigung für seine Machtansprüche zu fabrizieren. Sondern um aus ihr für ein besseres, friedlicheres, gewaltfreies Zusammenleben zu lernen!“

Ausdrücklich dankte die Oberbürgermeisterin den Schalke-Fans der Arbeitsgruppe (AG) Wildenbruch, aber auch der Jüdischen Gemeinde, dem FC Schalke, dem Schalker Fanprojekt sowie dem Institut für Stadtgeschichte. In enger Zusammenarbeit wurde die Erinnerungsorte-Tafel auf dem Wildenbruchplatz erstellt.

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Ausstellung erinnert an Deportation

Die Geschehnisse in Gelsenkirchen sind zudem in einer Ausstellung mit dem Titel „Die Deportation von Gelsenkirchen nach Riga am 27. Januar 1942“ dokumentiert, die ab Freitag, 8. April, im Wissenschaftspark, Munscheidstraße 14, zu sehen ist. Die Ausstellung „Riga: Deportationen – Tatorte – Erinnerungskultur“ kann bereits jetzt im Wissenschaftspark besucht werden.

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