Gelsenkirchen: Wohnquartier soll „Reallabor der Energiewende“ werden

Gelsenkirchen: Wohnquartier soll „Reallabor der Energiewende“ werden

Es soll ein „Reallabor der Energiewende“ werden: Am Glückaufpark in Gelsenkirchen-Hassel entsteht derzeit ein neues Wohnquartier, das ganz ohne fossile Energieträger wie Gas oder Kohle auskommen.
Es soll ein „Reallabor der Energiewende“ werden: Am Glückaufpark in Gelsenkirchen-Hassel entsteht derzeit ein neues Wohnquartier, das ganz ohne fossile Energieträger wie Gas oder Kohle auskommen.

Ludger Brink und Patrick Schneckenburger, beide Geschäftsführer der Grüne Wohnquartiere, und Sandra Niefeld, Geschäftsführerin RAG Montan Immobilien, im Austausch mit Oberbürgermeisterin Karin Welge (v. l.). Foto: Martin Schmüdderich/ Stadt Gelsenkirchen.

 

Ganz ohne fossile Energieträger wie Gas oder Kohle soll das Wohnquartier auskommen, das derzeit am südlichen Rand des Glückaufparks in Gelsenkirchen-Hassel gebaut wird. Möglich macht das ein Energiekonzept, das unter anderem auf ein Geothermie-Feld setzt.

„Das, was hier umgesetzt wird, zeigt beispielhaft wie die dringend nötige Energiewende möglich ist. Die dezentrale Versorgung mit Wärme und Energie ist höchst effizient, nachhaltig und bezahlbar. Damit setzt dieses Wohnquartier Maßstäbe“, fasste Oberbürgermeisterin Karin Welge ihre Eindrücke nach einem Besuch der Baustelle am Freitag zusammen. Die Umsetzung und den Betrieb übernimmt die eigens gegründete Grüne Quartiere GmbH mit den Gesellschaftern Avacon Natur GmbH, Uniper Wärme GmbH und E.ON Energy Solutions GmbH.

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Wohnquartier bezieht Wärme und Kühlung aus Geothermie-Feld

In der Siedlung wird das von E.ON entwickelte, dezentrale Niedertemperaturnetz ectogrid eingesetzt. „Wärme, aber auch Kühlung bezieht das Hasseler Quartier aus einem Geothermie-Feld. Dafür wurden 26 Erdsonden je 130 Meter tief in die Erde verbracht. In einem zentralen Pufferspeicher wird überschüssige Wärme gespeichert und bei Bedarf genutzt“, erklärt Ludger Brink, einer der beiden Geschäftsführer der Grüne Quartiere GmbH und bei Uniper Wärme für den Bereich Finanzen und Energiewirtschaft verantwortlich. „So nutzen wir das Speicherpotenzial des Erdreiches, das heißt, das Netz kann im Sommer die kühlen Temperaturen sowie im Winter die wärmeren Temperaturen des Bodens nutzen.“ Bei Spitzenlasten werde eine zentrale Wärmepumpe in einem sonst dezentralen System eingesetzt, für Strom sorgten Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtfläche von rund 1.800 Quadratmetern.

Das Energiesystem kombiniere optimal Heizen und Kühlen, sagt Patrick Schneckenburger, ebenfalls Geschäftsführer der Grüne Quartiere GmbH und bei E.ON für den Bereich der nachhaltigen Energielösungen verantwortlich. „Das ectogrid arbeitet dabei wie eine große, über das Quartier verteilte thermische Batterie. Aus dieser kann Wärme und Kälte entnommen werden oder sie wird eingespeist. So wird der Wärme- und Kältebedarf lokal ausgeglichen. Die Temperatur im Netz kann je nach Verbrauch und Jahreszeit mit geringem Energieaufwand entweder erhöht oder gesenkt werden. Und die rund 60 dezentralen Wärmepumpen in den einzelnen Gebäuden passen die Temperatur für die Bewohner bedarfsgerecht an“, erläutert  Schneckenburger. Gesteuert wird ectogrid über eine Software. Der Betrieb der technischen Anlagen erfolgt über die vor Ort ansässige Uniper Wärme GmbH.

wichtiger Bestandteil des Energiekonzepts fertiggestellt

Mit dem Geothermie-Feld ist jetzt laut Stadt ein wichtiger Bestandteil des Energiekonzepts fertiggestellt, das die Voraussetzung für das Wohnquartier ist. Noch in diesem Jahr soll der Bau der ersten Ein- und Mehrfamilienhäuser beginnen. In Summe entstehen rund 200 Wohneinheiten davon 36 als Einfamilienhäuser. Das neue Wohnquartier ist bereits komplett vermarktet.

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Selbstverständlich sind solche Wohnquartiere wie in Gelsenkirchen-Hassel noch nicht. Vielmehr ist es eines von vier geförderten Quartieren des Projektes „TransUrban.NRW“, das als „Reallabor der Energiewende“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) bis zum Jahr 2025 gefördert wird.

Weitere Konzepte für Energiewende

Für die Energiewende wurden und werden in Gelsenkirchen weitere innovative Konzepte umgesetzt, zum Beispiel im interkommunalen Stadterneuerungsprozess Hassel.Westerholt.Bertlich. „Die an die Zeche Westerholt angrenzende Meistersiedlung ist seit 2015 an ein Nahwärmenetz angeschlossen, das Grubengas nutzt. Zuvor wurde in der Siedlung noch mit Kohle geheizt“, erklärt Stadtbaurat Christoph Heidenreich. „Die renovierten Torhäuser der ehemaligen Zeche Westerholt werden ebenfalls mit umweltfreundlicher Nahwärme beheizt.“ Möglich machte es die Projektförderung „Energielabor Ruhr“ aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ das von 2014 bis 2018 Quartierskonzepte zur energetischen Stadtsanierung unterstützte. „Die Neue Zeche Westerholt wird derzeit zu einem Standort für Gewerbe, Dienstleistung und Wohnen entwickelt und setzt dabei auch auf eine innovative und dezentrale Energieversorgung“, so Heidenreich.