Leibniz-Gymnasium: Aula soll Kulturbetrieb in Buer beleben

Nach 16 Jahren sind die Bau- und Sanierungsarbeiten am Leibniz-Gymnasium abgeschlossen. Die Aula der Schule soll künftig den Kulturbetrieb in Buer beleben.
Nach 16 Jahren sind die Bau- und Sanierungsarbeiten am Leibniz-Gymnasium abgeschlossen. Die Aula der Schule soll künftig den Kulturbetrieb in Buer beleben.
Leibniz-Schulleiter Michael Scharnowski in der frisch sanierten Aula. Foto: André Przybyl

 

Vier Jahre sollte es ursprünglich dauern, um am Buerschen Leibniz-Gymnasium einen Neubau zu errichten und den denkmalgeschützten Altbau zu sanieren. Es wurden 16. „Es gibt kaum mehr Kolleginnen und Kollegen, die die Umbauten von Anfang an miterlebt haben“, sagt Schulleiter Michael Scharnowski. „Die meisten sind in Rente.“ Doch nun sind die Arbeiten abgeschlossen. Das Schmuckstück für Scharnowski: die Aula, die mit einer Festwoche eröffnet wird.

Michael Scharnowski ist selbst noch ein „Neuankömmling“ an der Schule. „Ich bin seit 22. Juni 2020 Schulleiter.“ Den Umbau hat er somit nur in den vergangenen zwei Jahren begleitet. Doch wofür gibt es Akten: Scharnowski holt einen schwarzen Ordner aus dem Schrank, legt ihn auf den Tisch und beginnt zu blättern. „Da ist es“, sagt er. „2006 hat die Bezirksvertretung Gelsenkirchen-Nord beschlossen, einen Neubau an unserer Schule zu errichten und das Bestandsgebäude zu sanieren.“ Der Neubau wird planmäßig hochgezogen und 2009 eingeweiht. Von 2010 bis 2012 soll der Altbau saniert werden – so der ursprüngliche Plan. Tatsächlich sind die Arbeiten erst jetzt beendet.

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Verzögerung hat mehrere Gründe

Die Verzögerung von rund zehn Jahren habe laut Schulleiter mehrere Gründe: „Ein wesentlicher Faktor war, dass in den Holzteilen Schwamm gefunden wurde“, erzählt Scharnowski. „Sie mussten aufwendig saniert werden.“ Insolvenzen von beauftragen Baufirmen hätten die Arbeiten zusätzlich in die Länge gezogen. „Und zwei Jahre Corona haben ebenfalls dazu beitragen“, ergänzt Schulleiter Scharnowski. „Zeitweise konnte gar nicht gearbeitet werden.“ Hinzu kämen Lieferengpässe: „In der Bibliothek fehlt noch immer die Beleuchtung.“

Höhepunkt des sanierten Gebäudes ist für Schulleiter Michael Scharnowski die Aula – 1908 wie das gesamte Gebäude an der Breddestraße fertiggestellt. „Der Raum ist architektonisch sehr schön“, findet Scharnowski. „Neben anderen Veranstaltungen fanden hier ursprünglich Gottesdienste statt.“

Schulleiter besonders angetan von Buntglasfenster

Besonders angetan ist der Schulleiter von einem großen fünfteiligen Buntglasfenster, das die Stirnseite des Raumes dominiert. „Der Künstler Heinrich Stephan – ein Schüler von Bauhaus-Gründer Walter Gropius – hat es in den 1950er-Jahren erschaffen.“ Zu sehen sind Szenen aus dem damaligen Schulalltag, als das Leibniz noch eine reine Jungenschule war. „Die abgebildeten Menschen sind reale Personen, die wir auch identifiziert haben.“ So bricht sich zum Beispiel im ehemaligen Schulleiter das Licht.

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Neu in dem Raum mit dunkler Holzvertäfelung ist eine Bühne samt professioneller Licht- und Tontechnik. Wert: über eine Million Euro. „Eigentlich könnten wir aus der Aula ein Theater machen.“ Michael Scharnowski schmunzelt. „Aber wir sind nun mal eine Schule.“ Künftig soll die Aula den Kulturbetrieb beleben – nicht nur für die Schule, sondern für ganz Buer. „Wir wollen regelmäßig Konzerte veranstalten“, stellt Scharnowski in Aussicht, „von Schülerinnen und Schülern, Musikschulen aus der Region oder dem Musikverein Gelsenkirchen.“ Auch Theater- und Tanzgruppen des Gymnasiums können hier ihre Stücke aufführen. „Ferner wollen wir Religionsgemeinschaften ansprechen, um zum Beispiel ein Abrahamsfest durchzuführen.“ In Kooperation mit der Bibliothek sind außerdem Lesungen geplant.

Einige Termine bereits gesetzt

Einige Termine sind bereits gesetzt: Am 11. Juni bringt der Städtische Musikverein Gelsenkirchen Werke von Beethoven und Chopin zu Gehör. Und Musiker Michael Gees gibt am 24. August ein Improvisationskonzert. Doch auch Auftritte von auswärtigen Künstlerinnen und Künstlern kann sich Scharnowski vorstellen. „Ob wir das können und dürfen, muss allerdings erst geklärt werden.“ Dazu habe er bereits einen Termin bei der Stadt vereinbart. Eine konkrete Anfrage steht ebenfalls bereits im Raum: „Einer unserer Lehrer hat Kontakt zum Management von Pianist Justus Frantz aufgenommen“, berichtet Michael Scharnowski. ­Am 19. September – so der Plan – könnte Frantz Werke der Klassik am Leibniz vortragen.

Eröffnet wird die Aula mit einer Festwoche vom 30. Mai bis 4. Juni. „Da die Aula so lange geschlossen war, hben die meisten Schülerinnen und Schüler keine Vorstellung, was das für ein Raum ist“, erzählt Scharnowski. „Vielen Lehrerinnen und Lehrern geht es ähnlich.“ Dementsprechend sollen sowohl Lehrkräfte als auch Schüler ihre Aula in dieser Woche kennenlernen. Ferner stehen Tanz, Vorträge und Theateraufführungen auf dem Programm. An zwei Tagen öffnet die Aula ihre Türen für die Öffentlichkeit. „Schülerinnen und Schüler bieten dann Führungen an.“

Offizielle Eröffnung am 3. Juni

Die offizielle Eröffnung mit geladenen Gästen findet am 3. Juni statt – unter anderem mit Oberbürgermeisterin Karin Welge. Von den Feierlichkeiten erhofft sich Michael Scharnowski auch einen Neustart nach zwei Jahren Pandemie. „Ich habe das Gefühl, dass viele noch in einer Corona-Lethargie sind“, meint der Schulleiter. „Vielleicht hilft die Woche, diese zu überwinden.“

Schließlich sind dann auch 16 Jahre Umbau- und Sanierungsarbeiten am Buerschen Leibniz-Gymnasium beendet. 16 Jahre, die ursprünglich vier werden sollten.

André Przybyl
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